Moderna-Aktie zurück im Fokus: Was den Kurs erneut nach oben treibt
Der Markt bewertet Moderna seit dem Studienerfolg beim Melanom am 19. August neu, und der eigentliche Hebel liegt in neun laufenden Krebsstudien.
Werte in diesem Artikel
- Die Moderna-Aktie setzt ihre Erholung fort.
- Treiber ist der personalisierte Krebsimpfstoff Intismeran autogene.
- Moderna und Merck & Co. prüfen die Therapie in neun laufenden Studien.
Moderna knüpft am Donnerstag (17. September) an die Aufholjagd seit August an. Die Aktie gewinnt im NASDAQ-Handel zeitweise gut sieben Prozent auf über 156 US-Dollar und steuert damit auf den stärksten Handelstag seit dem 19. August zu. Binnen eines Monats summiert sich das Plus auf rund 17 Prozent. Den Ausschlag gibt inzwischen ein personalisierter Krebsimpfstoff auf mRNA-Basis, den das Unternehmen gemeinsam mit Merck & Co. entwickelt, dem US-Pharmakonzern, der außerhalb der USA und Kanadas als MSD firmiert.
Der Studienerfolg beim Melanom
Am 19. August legten beide Partner erste Ergebnisse der Phase-3-Studie INTerpath-001 vor. Die Kombination aus Intismeran autogene und Mercks Immuntherapie Keytruda erreichte bei Patienten mit operiertem Melanom im Hochrisikostadium den primären Endpunkt beim rezidivfreien Überleben und zusätzlich den sekundären Endpunkt beim fernmetastasenfreien Überleben. Es war der erste positive Phase-3-Nachweis für eine individualisierte Neoantigentherapie auf mRNA-Basis. Beide Unternehmen wollen die Daten auf einem medizinischen Kongress vorstellen und mit den Behörden über Zulassungsanträge sprechen.
Dass die Fantasie nicht allein an diesem einen Ergebnis hängt, zeigen die Langzeitdaten der vorausgegangenen Phase-2b-Studie KEYNOTE-942, präsentiert im Juni 2026 auf dem ASCO-Kongress. Nach fünf Jahren senkte die Kombination das Risiko eines Rückfalls oder Todes gegenüber Keytruda allein um 49 Prozent, das Risiko von Fernmetastasen oder Tod um 59 Prozent. Für Anleger zählt vor allem die Haltbarkeit des Effekts, weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Ansatz auch bei weiteren Tumorarten trägt.
Aus einem Krebsprojekt wird eine Plattformwette
Intismeran autogene wird für jeden Patienten einzeln gefertigt. Grundlage sind die Mutationen im jeweiligen Tumor, aus denen ein maßgeschneiderter mRNA-Bauplan entsteht. Er soll das Immunsystem darauf trainieren, Krebszellen an ihrer charakteristischen Signatur zu erkennen und anzugreifen. Auf Hautkrebs beschränkt bleibt der Ansatz dabei nicht. Moderna und Merck & Co. prüfen die Therapie in neun laufenden Studien der Phasen 2 und 3, darunter nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, Blasenkrebs und Nierenzellkarzinome. Aus einem einzelnen Krebsprojekt wird damit eine Wette auf die gesamte Technologie.
Warum die Kasse genauso zählt wie die Klinik
Rückenwind lieferte auch Firmenpräsident Stephen Hoge am Montag (14. September) auf der Gesundheitskonferenz von Morgan Stanley. Er bestätigte dort das Ziel, 2028 beim Cashflow die Gewinnschwelle zu erreichen, und verwies auf mittlerweile fünf zugelassene Produkte. Vor dem Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020 waren es null. Die Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten bleiben die Ertragsbasis, aus der Moderna seine Krebsforschung finanziert. Für ein Unternehmen, das nach dem Ende des Covid-Booms erhebliche Summen in Forschung und Entwicklung steckt, wiegt dieser Termin so schwer wie eine Studie.
Wie viel Erwartung in der Moderna-Aktie steckt
Genau das macht die Aktie derzeit so spannend. Der Markt handelt Moderna nicht mehr in erster Linie als ehemaligen Corona-Gewinner. Er beginnt, das Unternehmen als Plattformanbieter für mRNA-Medikamente neu zu bewerten. Der Phase-3-Erfolg bei Hautkrebs hat dabei etwas geschafft, worauf Anleger seit Jahren gewartet hatten: Er liefert erstmals einen groß angelegten klinischen Beweis dafür, dass Modernas Technologie weit über Infektionskrankheiten hinaus funktionieren kann. Jetzt kommt es darauf an, ob sich dieser Erfolg wiederholen lässt. Mit neun laufenden Studien haben Moderna und Merck gleich mehrere Chancen dazu. Die Rally der vergangenen Wochen könnte deshalb weniger eine kurzfristige Reaktion auf eine einzelne Erfolgsmeldung sein als der Beginn einer grundlegenden Neubewertung des Unternehmens. Allerdings steigt mit jedem Prozent Kursgewinn auch die Fallhöhe, sollten die kommenden Daten die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Für die Moderna-Aktie dürfte deshalb vor allem eines gelten: Die nächsten klinischen Daten bleiben der entscheidende Kurstreiber.
von Leon Müller, Group Head of Content
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Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
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