Gewinn weit unter Prognose: Anleger strafen LG Electronics-Aktie ab - Wachstumschancen noch intakt?
LG Electronics hat im dritten Quartal operativ mehr verdient als ein Jahr zuvor, blieb mit dem Gewinn aber deutlich hinter den Markterwartungen zurück.
Werte in diesem Artikel
- Anleger reagieren auf die Gewinnlücke mit kräftigen Abgaben
- Sondereffekt aus dem Vorquartal verzerrt den Vergleich
- LG Electronics hält am KI-Kühlgeschäft als Wachstumsfeld fest
LG Electronics hat vorläufige Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die den Konsens klar verfehlen. Die Aktie fiel in Südkorea letztlich um 10,54 Prozent auf 208.000 KRW.
Gewinn wächst, verfehlt aber die Erwartungen
Wie aus den veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Elektronikkonzerns hervorgeht, erreichte der konsolidierte operative Gewinn 781,8 Milliarden KRW, ein Plus von 13,5 Prozent zum Vorjahr. Der Umsatz stieg um 8,9 Prozent auf 23,83 Billionen KRW. Der Konsens von Yonhap Infomax, einem führenden südkoreanischen Anbieter von Finanzinformationen, hatte bei 941,7 Milliarden KRW gelegen, die Verfehlung beträgt 17 Prozent.
Gegenüber dem zweiten Quartal brach der operative Gewinn um 50,5 Prozent ein. Der Vergleich hinkt allerdings: Das zweite Quartal enthielt eine einmalige Zollrückerstattung aus den USA, die Branchenschätzungen auf rund 300 Milliarden KRW beziffern. LG selbst nannte keinen Betrag. Über neun Monate liegt der operative Gewinn bei 4,03 Billionen KRW, erstmals über der Marke von 4 Billionen KRW.
Was LG und Analysten als Gründe nennen
LG verwies auf steigende Logistik-, Material- und Fixkosten sowie den Krieg im Nahen Osten. Kostensenkungen und Skaleneffekte hätten diese Belastungen ausgeglichen. Die Profitabilität der Sparte Eco Solution sei leicht gesunken, begründet mit Investitionen in neue Produktionskapazitäten und Personal. Haushaltsgeräte und Fahrzeugkomponenten hätten laut Unternehmen eine solide Profitabilität gehalten, das TV-Geschäft habe sich deutlich verbessert.
Analysten führen die Lücke zum Konsens auf die schwache Profitabilität der Tochter LG Innotek zurück. Kiwoom Securities hatte dort 91,7 Milliarden KRW operativen Gewinn erwartet, nach 203,8 Milliarden KRW im Vorjahresquartal. Als Grund nannte Kiwoom Rohstoffprodukte, die im zweiten Quartal zu hohen Wechselkursen eingekauft wurden.
Kurzfristiger Ergebnisdruck, langfristige Wachstumschancen
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: LG wächst beim Umsatz und steigert den operativen Gewinn gegenüber dem Vorjahr, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Entscheidend dürfte daher sein, ob die Belastungen auf der Kostenseite nachlassen und das Chiller-Geschäft wie geplant zum Wachstum beiträgt.
KI-Kühlung bleibt der Wachstumshebel
Am Montag hatte LG einen langfristigen Liefervertrag mit AIR Control Concepts für Chiller in KI-Rechenzentren in den USA und Kanada gemeldet. Das Volumen liegt bei mehr als 5 Gigawatt. Bis Jahresende erwartet LG Aufträge von mehreren Milliarden US-Dollar und will das Umsatzziel für das Chiller-Geschäft 2027 früher erreichen. Zudem baut der Konzern die Kühlungsproduktion aus und investiert in Robotik.
Die endgültigen Zahlen sollen im Oktober 2026 folgen.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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