SoftBank-Aktie rutscht kräftig ab: Was hinter den Sorgen um KI-Investitionen steckt
SoftBank plant wohl einen milliardenschweren Fonds für KI-Übernahmen. Gleichzeitig werfen unterschiedliche Angaben zu OpenAIs Umsatzrate und hohe Finanzierungskosten Fragen auf.
Werte in diesem Artikel
- Neue Fondspläne treffen auf wachsende Skepsis bei KI-Investments
- OpenAI-Umsatzzahlen lassen Zweifel an Bewertungen aufkommen
- Hohe Finanzierungskosten rücken die Bilanz stärker in den Blick
Die SoftBank-Aktie hat am Freitag an der Börse in Japan 3,92 Prozent auf 5.803 JPY verloren und folgte damit dem Ausverkauf bei KI-Titeln. Für zusätzliche Unsicherheit sorgen unterschiedliche Angaben zur Umsatzentwicklung von OpenAI. Gleichzeitig berichtet die Financial Times, Konzernchef Masayoshi Son wolle bis zu 100 Milliarden US-Dollar von Investoren aus der Golfregion einwerben.
Fonds für KI-Übernahmen
Mit dem Geld soll laut Financial Times ein Fonds entstehen, der Unternehmen übernimmt und deren Abläufe mit KI und anderen Spitzentechnologien verbessert. Dabei soll das Robotik- und Physical-AI-Geschäft Roze laut der Wiedergabe des FT-Berichts bei Investing.com eine Schlüsselrolle spielen. Son habe in den vergangenen Wochen Gespräche mit hochrangigen Vertretern geführt, unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine Einigung ist bislang jedoch nicht garantiert.
OpenAI-Umsatz sorgt für Fragen
Neben den geplanten Fondsaktivitäten rückt damit auch SoftBanks Engagement bei OpenAI in den Fokus. Als Belastungsfaktor nennt die Financial Times eine Mitteilung von OpenAI an Investoren. Demnach lag die annualisierte Umsatzrate Ende September bei rund 50 Milliarden US-Dollar. Zuvor hatten Medien wie Bloomberg und Axios noch von einer Umsatzrate von knapp 70 Milliarden US-Dollar berichtet. Bloomberg zufolge erwartet OpenAI allerdings weiterhin, bis Jahresende eine annualisierte Umsatzrate von mindestens 70 Milliarden US-Dollar zu erreichen.
Die unterschiedlichen Angaben hängen laut Axios auch mit abweichenden Methoden bei der Umsatzverbuchung zusammen. Während Anthropic Umsätze aus Verkäufen über Cloud-Partner brutto erfasst, berücksichtigt OpenAI nur seinen eigenen Anteil. Die Differenz ist deshalb nicht ohne Weiteres als Rückgang der tatsächlichen Geschäftsentwicklung zu interpretieren.
SoftBank trägt hohe Finanzierungslast
Für SoftBank ist das OpenAI-Engagement auch mit erheblichen Finanzierungskosten verbunden. Der Konzern hat die dritte und letzte Tranche seiner OpenAI-Folgeinvestition über 10 Milliarden US-Dollar am 1. Oktober ausgeführt. Damit beläuft sich die kumulierte Investition auf 64,6 Milliarden US-Dollar, der Anteil auf rund 13 Prozent. Finanziert wurde die Tranche unter anderem über Fremdwährungsanleihen, die SoftBank am 24. September angekündigt hatte. Die US-Dollar-Anleihen tragen Kupons von 8,625 bis 9,750 Prozent.
Hinzu kommt, dass die Kreditausfallversicherungen vor dem 2. Oktober auf den höchsten Stand seit 2023 gestiegen waren. Damit rücken neben den Wachstumsaussichten von OpenAI auch die Finanzierung und das Kreditrisiko von SoftBank stärker in den Blick.
Worauf es für Anleger jetzt ankommt
Für SoftBank-Anleger bleibt entscheidend, ob OpenAI sein Wachstumstempo halten und seine hohe Bewertung durch steigende Umsätze untermauern kann.
Gleichzeitig muss sich die kumulierte OpenAI-Investition von 64,6 Milliarden US-Dollar für SoftBank langfristig ausreichend rentieren. Die hohen Kupons der zur Finanzierung eingesetzten US-Dollar-Anleihen von bis zu 9,75 Prozent erhöhen den finanziellen Druck zusätzlich. Für Anleger kommt es damit sowohl auf die weitere Geschäftsentwicklung von OpenAI als auch auf die Rendite der milliardenschweren Beteiligung an.
Ein weiterer wichtiger Punkt bleibt die geplante Kapitalbeschaffung im Golfraum. Entscheidend wird, ob SoftBank die Gespräche mit den dortigen Investoren offiziell bestätigt. Bislang hat der Konzern den Bericht über die geplante Finanzierung nicht kommentiert.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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