Citigroup schlägt Alarm bei Aluminium: Wird die Alcoa-Aktie der große Gewinner des Angebotsschocks?

Die US-Großbank Citigroup sieht Aluminium vor dem stärksten Angebotsschock seit Jahrzehnten. Warum die Aktien von Alcoa davon profitieren könnten.
Werte in diesem Artikel
• Citigroup sieht Aluminium mittelfristig bei 4.000 US-Dollar
• Alcoa dürfte vom "stärksten Marktumfeld seit den 1970er-Jahren profitieren"
• Iran-Konflikt Fluch und Segen: Q1-Zahlen von Alcoa verfehlen Erwartungen trotz Preisanstieg bei Aluminium
Als iranische Raketen Ende März zwei Großaluminiumhütten im Nahen Osten beschädigten, traf das einen Markt an seiner empfindlichsten Stelle. Denn rund neun Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion stammen aus der Region, nahezu die gesamte Versorgung läuft über die Straße von Hormus und ist auf importierte Alumina und Kohle angewiesen. Das Ergebnis: Produktionsausfälle, sinkende Lagerbestände und ein Szenario, von dem Aluminium-Aktien wie Alcoa profitieren dürften.
Citigroup und UBS einig: Preissprung bei Aluminium durch Iran-Krieg voraus
Erst kürzlich veröffentlichte die Citigroup eine der wohl markantesten Aluminium-Prognosen der vergangenen Jahre: Die US-Großbank erwartet einen mittelfristigen Preissprung an der London Metal Exchange (LME) auf bis zu 4.000 US-Dollar je Tonne - was den bisherigen Rekord aus 2022 von rund 3.850 US-Dollar in den Schatten stellen würde. Citi zufolge sei durch den Iran-Krieg das fundamental stärkste Marktumfeld seit den 1970er-Jahren entstanden.
Von diesem Szenario profitieren dürften die Aktien von Alcoa, wie Investors Daily Business unter Berufung auf die UBS berichtet. Die durch den Nahostkonflikt verursachten Hüttenausfälle würden die schwache Nachfrage mehr als ausgleichen und zu anhaltend höheren Aluminiumpreisen führen. Zudem würden Solarkraft, Stromnetzte, Elektrofahrzeuge und der Aufbau von KI-Rechenzentren die Nachfrage befeuern.
Quartalszahlen als Dämpfer: Schattenseiten des Nahost-Konflikts
Dass Alcoa bisher noch nicht von dieser Gemengelage profitiert hat, zeigen die Zahlen zum ersten Quartal, bei denen das Unternehmen die Erwartungen auf beiden Ebenen verfehlt hat: Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 1,40 US-Dollar gegenüber einem FactSet-Konsens von 1,53 US-Dollar, der Umsatz bei 3,19 Milliarden US-Dollar statt erwarteter 3,28 Milliarden US-Dollar.
Dabei liegt die Begründung in Verschiebungseffekten durch den Nahost-Konflikt selbst: Lieferverzögerungen in Australien infolge des Konflikts und des Wirbelsturms Narelle drückten die Alumina-Drittparteimengen um 31 Prozent, wie aus der Quartalsmitteilung des Unternehmens hervorgeht. Das Alumina-Segment drehte ins negative EBITDA von minus 40 Millionen US-Dollar, nach plus 664 Millionen US-Dollar im ersten Quartal des Vorjahres.
Gleichzeitig zog der realisierte Aluminiumpreis je Tonne auf 4.209 US-Dollar an, im Vorjahreszeitraum lag dieser noch bei 3.213 US-Dollar. Kurzfristig drückt der Konflikt also auf Shipments und Alumina, während der eigentliche Aluminium-Preisimpuls noch vor Alcoa liegen dürfte.
Was die Citigroup-Prognose für die Alcoa-Aktie bedeutet
Wenn Citi mit dem Defizit-Szenario richtig liegt, dürfte Alcoa zu den direktesten Profiteuren gehören - und ein zeitnaher Einstieg könnte sich lohnen. Das Unternehmen ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgestellt und damit unmittelbar an den LME-Preis gekoppelt. FactSet-Analysten erwarten für das zweite Quartal einen Gewinnanstieg je Aktie von 448 Prozent auf 2,14 Dollar, wie Investors Business Daily berichtet. Alcoa selbst stellt günstige Effekte von rund 55 Millionen Dollar in Aussicht, getragen von nachgeholten Liefermengen, höheren Produktprämien und gesunkenen Produktionskosten nach dem Smelter-Neustart in San Ciprián.
Zwei Risiken bleiben allerdings: Der freie Cashflow war im ersten Quartal mit minus 298 Millionen Dollar negativ, und weitere Störungen der Alumina-Lieferketten durch den Nahostkonflikt wären kein Einmaleffekt.
Ob sich die Citigroup-These in den Alcoa-Zahlen niederschlägt, zeigt das zweite Quartal: Alcoa legt die Ergebnisse voraussichtlich Mitte Juli vor - dann wird sichtbar, ob die nachgeholten Mengen und der gestiegene Aluminiumpreis gemeinsam die operative Wende liefern.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Alcoa, ekipaj / Shutterstock.com