Übernahme-Krimi bei PayPal: Vorstand bremst Stripe aus - Aktie mit Verlusten
Das Übernahmeangebot von Stripe und Advent International für PayPal stößt beim Vorstand offenbar auf Widerstand. Das Board soll weitere Optionen prüfen.
Werte in diesem Artikel
- PayPals Vorstand hält die Offerte von Stripe und Advent für zu niedrig
- Die Übernahmesumme von 53 Milliarden US-Dollar deckt laut Board nicht den Wert
- Die PayPal-Aktie bleibt volatil
Die PayPal-Aktie reagiert nachbörslich an der NASDAQ nur verhalten auf eine Meldung, die den weiteren Verlauf der milliardenschweren Übernahmeschlacht in Frage stellt. Der Vorstand des Zahlungsdienstleisters hält die Offerte von Stripe und der Beteiligungsgesellschaft Advent International über gut 53 Milliarden US-Dollar für zu niedrig, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die PayPal-Aktie gab daraufhin an der NASDAQ am Donnesrtag nach offiziellem Börsenschluss um 1,11 Prozent auf 56,10 US-Dollar nach. Am Freitag verliert das Papier im vorbörslichen NASDAQ-Handel zeitweise 2 Prozent auf 55,60 US-Dollar.
PayPal-Aktie gibt Gewinne leicht ab
Der Kursrückgang fällt moderat aus, gemessen an der Wucht des ursprünglichen Kurssprungs. Als die Offerte in dieser Woche erstmals öffentlich gemacht wurde, war die Aktie zeitweise um rund 17 Prozent nach oben geschossen. Der Kurs bleibt damit weiterhin deutlich über dem Niveau vor dem Bekanntwerden des Angebots, aber ebenso deutlich unter den gebotenen 60,50 US-Dollar je Aktie. Genau diese Lücke ist ein erstes Signal, dass der Markt selbst nicht von einem zügigen Zustandekommen des Deals ausgeht.
Der Streit um den fairen Preis
Nach Informationen von Reuters, die sich auf mit dem Vorgang vertraute Personen berufen, sieht der PayPal-Vorstand in den 60,50 US-Dollar je Aktie zwar eine deutliche Prämie auf den Schlusskurs vom 14. Juli 2026 - also den Tag vor Bekanntwerden des Angebots - aber keinen Preis, der den langfristigen Wert des Unternehmens widerspiegelt, sollte die laufende Sanierungsstrategie greifen. Das Gremium wäge das Angebot deshalb gegen den eigenen Turnaround-Plan ab, prüfe zugleich mögliche konkurrierende Gebote und wolle laut Reuters weitere Sitzungen zu dem Thema abhalten. Hinzu kämen Zweifel an der Finanzierungssicherheit, kartellrechtlichen Faktoren und der Dauer eines möglichen Verfahrens. Das Konsortium bringt für die Übernahme rund 50 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital von JPMorgan und Morgan Stanley mit, die zugleich als Berater des Konsortiums fungieren, dazu kommen 17 Milliarden US-Dollar Eigenkapital von Stripe und Advent.
Vorgeschichte einer Übernahmesaga
Die Offerte ist der vorläufige Höhepunkt einer Geschichte, die im Februar 2026 begann, als Bloomberg erstmals über Überlegungen von Stripe berichtete, PayPal ganz oder in Teilen zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte PayPal gerade den Vorstandsvorsitzenden Alex Chriss abgesetzt, Nachfolger Enrique Lores trat das Amt am 1. März 2026 an. Im April 2026 näherten sich Stripe, Advent International und zunächst auch Block gemeinsam PayPal an, Block stieg jedoch aus, bevor Stripe und Advent am 14. Juli 2026 das schriftliche Angebot über 60,50 US-Dollar je Aktie vorlegten. Die PayPal-Aktie hatte zuvor binnen zwölf Monaten rund 35 Prozent an Wert verloren und lag damit weit unter ihrem Höchststand von 2021, als der Börsenwert des Unternehmens noch bei rund 360 Milliarden US-Dollar gelegen hatte.
Mögliche Stolpersteine
Ein Knackpunkt bleibt die Kartellprüfung. Stripe holte Advent als Eigenkapitalpartner mit ins Boot, weil der Zahlungsdienstleister die Eigenkapitalseite des Deals laut Reuters nicht allein hätte stemmen können. Advent ist im Zahlungssektor bereits mehrfach als Käufer aufgetreten, unter anderem bei Worldpay, Vantiv und zuletzt Nuvei. Genau diese Erfahrung könnte helfen, sollten Wettbewerbsbehörden eine Auflage verlangen: Stripe und Advent haben laut Reuters bereits erwogen, PayPals Zahlungsabwickler Braintree abzuspalten und an Advent zu übertragen, das die Sparte dann mit eigenen Beteiligungen wie Nuvei kombinieren könnte. Offen ist zudem, ob sich weitere Bieter melden, sobald der PayPal-Vorstand seine Haltung formalisiert.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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