Vonovia-Aktie mit Befreiungsschlag: Unterstützung bei 17 Euro hält - kommt jetzt die Wende?
Erst rutscht die Vonovia-Aktie auf ein neues Tief, dann dreht sie kräftig ins Plus, und der Auslöser liegt in einer Meerenge am Persischen Golf.
Werte in diesem Artikel
- Vonovia-Aktie dreht nach einem neuen Tief unter 17 Euro deutlich ins Plus
- Sinkende Ölpreise nähren Hoffnungen auf weniger Druck bei Inflation und Zinsen
- Fünf von acht Analysten raten zum Kauf, im Schnitt sehen sie gut 27 Euro
Die Aktie von Vonovia rutscht im Handelsverlauf zeitweise ein neues Tief bei 16,97 Euro, nur um anschließend kräftig nach oben zu drehen. Inzwischen notiert der Anteilsschein auf XETRA um 2,64 Prozent höher bei 17,50 Euro und gehört damit zu den größten Tagesgewinnern im DAX. Den Schub liefern dabei vor allem Signale aus dem Nahen Osten, die am Ölmarkt für spürbare Entspannung sorgen.
Was die Vonovia-Aktie aufatmen lässt
Berichte über fortlaufende Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hinsichtlich einer Lösung zur Öffnung der Straße von Hormus nehmen Anlegern zumindest einen Teil des schweren Sorgenpakets ab. Inzwischen wird wieder deutlich mehr Öl durch die strategisch wichtige Meerenge transportiert, wie dpa-AFX nach Angaben des Datenanbieters Vortexa schreibt. Beides führt zu einem fallenden Ölpreis und zu nachlassenden Konjunktursorgen. Die Anleger setzen auf eine mögliche Deeskalation und deren positive Folgen für Inflation und Weltkonjunktur, erklärte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets laut dpa-AFX.
Für Vonovia sind genau diese Entwicklungen entscheidend. Günstigere Energie dämpft die Teuerung, und weniger Inflationsdruck nimmt der Europäischen Zentralbank den Anlass für weitere Zinserhöhungen. Für einen stark fremdfinanzierten Immobilienkonzern hätte das zwei Vorteile: Die Refinanzierung würde günstiger, und der Druck auf die Bewertung des Portfolios ließe nach, weil höhere Zinsen die künftigen Mieteinnahmen stärker abdiskontieren. Genau hier lagen allerdings auch die Sorgen, die das Papier zuletzt stark unter Druck gesetzt hatten.
Belastungsfaktoren für den Immobilienkonzern
Am 10. September hatte die EZB ihre drei Leitzinssätze um jeweils 25 Basispunkte angehoben, der Einlagensatz stieg damit auf 2,50 Prozent. Es war bereits die zweite Zinserhöhung des Jahres. Wie die Notenbank in ihrer Pressemitteilung schrieb, rechnen ihre Fachleute für 2026 zudem mit einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 Prozent, deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. Vonovia hatte sich darauf früh eingestellt: Bis zur Vorlage der Halbjahreszahlen am 5. August refinanzierte der Konzern seit Jahresbeginn rund 4,4 Milliarden Euro, bei einer durchschnittlichen Laufzeit von acht Jahren und einem Kupon von rund 3,2 Prozent für Anleihen in Euro. Die höheren Finanzierungskosten entsprächen den Erwartungen, betonte Finanzvorstand Philip Grosse laut Pressemitteilung.
Politisch kam in Berlin neuer Gegenwind hinzu. Bei der Abgeordnetenhauswahl im September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, Spitzenkandidatin Elif Eralp bekräftigte das Ziel, große Wohnungsunternehmen zu vergesellschaften. Vonovia hält zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen in der Hauptstadt und steht damit im Zentrum der Debatte. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte zwar ein Gesetz gegen Enteignungen an, die politische Unsicherheit lastet dennoch weiter auf dem Kurs.
Was Analysten der Vonovia-Aktie zutrauen
Wie unterschiedlich der Markt diese Gemengelage gewichtet, zeigt der Blick auf die Analysten. Von acht Experten raten fünf zum Kauf, zwei empfehlen Halten und einer Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 27,12 Euro und damit gut 55 Prozent über dem heutigen Kurs von rund 17,50 Euro. Am optimistischsten zeigt sich die Berenberg Bank, die vergangene Woche ihr Kaufvotum mit einem Kursziel von 34,50 Euro bestätigte. Analyst Kai Klose sieht sich durch das Berliner Wahlergebnis in der Auffassung bekräftigt, dass eine Enteignung großer Wohnungsunternehmen verfassungswidrig wäre.
Am anderen Ende der Skala steht Goldman Sachs: Das Haus stufte die Aktie Anfang des Monats auf Neutral ab und senkte das Kursziel auf 21,20 Euro. Einziger Verkäufer ist Barclays, das Ende August mit Underweight und einem Kursziel von 20 Euro votierte. Selbst damit hätte das Papier aber noch ein Potenzial von über 14 Prozent zum aktuellen Niveau.
Starkes Kursplus nach langer Schwächephase: Folgt jetzt die Trendwende?
Für eine belastbare Trendwende reicht ein einzelner Erholungstag kaum aus, zumal der Impuls von außen kommt. Die Hoffnung auf Entspannung am Golf hängt nämlich am seidenen Faden: Kommt Unruhe in Form von weiteren Auseinandersetzungen oder einem erneuten Abbruch der Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien auf, dürften auch die Ölpreise, und damit auch Zins- und Inflationssorgen wieder zurückkehren. Außerdem bleibt die Enteignungsdebatte in Berlin ein Risiko, wenn auch ein vages.
Nach der kräftigen Korrektur in diesem Jahr dürfte die Aktie für manche Anleger wieder interessant werden. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,49 signalisiert eine niedrige Bewertung, wobei ein derart geringer Wert oft auch die Skepsis des Marktes gegenüber der künftigen Gewinnentwicklung widerspiegelt.
Entscheidend wird sein, ob die Marke von 17 Euro zum Boden für die Vonovia-Aktie wird. Das entscheidet sich aber vor allem an der Zinsfrage. Den nächsten belastbaren Datenpunkt liefert die Zinssitzung der EZB Ende Oktober, Anfang November folgt dann die Zwischenmitteilung des Immobilienkonzerns zum dritten Quartal.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Vonovia SE
