Mercedes-Benz-Aktie fällt: Mitarbeiter-Proteste in Sindelfingen
Zahlreiche Beschäftigte des Autobauers Mercedes-Benz haben in Sindelfingen unter anderem gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in ihrer Industrie protestiert.
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Die IG Metall sprach von über 20.000 Beschäftigten, Mercedes-Benz sprach von 20.000 Beschäftigten, die sich beteiligten. Die IG Metall hatte bundesweit zu einem Aktionstag aufgerufen.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sagte, man wolle deutlich machen, dass man sich wehren könne. Wenn der Vorstand meine, er könne einen über den Tisch ziehen, dann werde man zeigen, dass man mit ihm nicht weitermache. Der Vorstand habe jeglichen Verstand für die Beschäftigten verloren, sagte Lümali.
"Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen"
Auch IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch wählte deutliche Worte in Richtung Arbeitsgeberseite. Das Management habe sich zu lange ausgeruht und die Füße hochgelegt, während die Beschäftigten Schicht für Schicht abgeliefert hätten. "Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", sagte Resch. Und wer nicht hören wolle, müsse fühlen.
Das Werk in Sindelfingen wurde 1915 gegründet, mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt der Autobauer eigenen Angaben zufolge am Standort. Unter anderem wird in Sindelfingen die S-Klasse produziert.
Im Südwesten sollten sich Gewerkschaftsangaben zufolge neben den Beschäftigten von Mercedes-Benz auch jene von Porsche, Bosch, Mahle oder Daimler Truck an verschiedenen Standorten beteiligen.
Tarifrunde: Erste Verhandlung am 7. Oktober
Für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft ihre Forderungen für Baden-Württemberg am 22. September beschließen. Die erste Verhandlung soll dann am 7. Oktober in Ludwigsburg stattfinden. Zum 31. Oktober laufen die Entgelttarifverträge aus. Dann endet auch die sogenannte Friedenspflicht; danach könnte die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufrufen.
Im Südwesten arbeiten Angaben der IG Metall zufolge derzeit rund 900.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie. Gerade in der Autoindustrie hatten die Unternehmen zuletzt mit Gewinneinbrüchen zu kämpfen und mit Sparprogrammen reagiert.
Mercedes: Werksschließungen, wenn Kosten nicht sinken
Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hat die Schließung von zwei Werken in Deutschland angekündigt, wenn die Kosten in Deutschland nicht reduziert werden. Dies habe Schiebe den Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen gesagt, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage mit. Zuvor hatten "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" darüber berichtet.
"Es ist unser klares Ziel, alle Deutschen Standorte zu erhalten", habe Schiebe demnach gesagt. Und weiter: "Dafür müssen wir uns auf für alle verträgliche Maßnahmen einigen, um die Kosten in Deutschland zu senken. Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen."
Bei Aufbauwerken handelt es sich um Werke, in denen die Autos zusammengebaut werden. In Deutschland hat Mercedes-Benz diese Werke neben Sindelfingen noch im badischen Rastatt und in Bremen. Bei Powertrainwerken handelt es sich um Werke, in denen Komponenten für das Auto hergestellt werden. Diese gibt es in Stuttgart-Untertürkheim, Affalterbach bei Stuttgart, Berlin, Hamburg, Kamenz (Sachsen) sowie Kölleda und Arnstadt (Thüringen).
Zuvor Protest der Beschäftigten in Sindelfingen
Am Vormittag hatten sich in Sindelfingen zuvor etwa 20.000 Beschäftigte am Aktionstag der IG Metall beteiligt und unter anderem gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in ihrer Industrie protestiert.
Zuletzt hatte Mercedes-Benz seinen Sparkurs verschärft und eine "Produktivitätsoffensive für Deutschland" angekündigt. Damit trat der Stuttgarter Autobauer auch eine öffentliche Diskussion über Arbeitskosten los. Denn in einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland schlug der Vorstand unter anderem vor, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten.
Die Mercedes-Benz-Aktie verliert im XETRA-Handel zeitweise 0,51 Prozent auf 43,77 Euro.
SINDELFINGEN (dpa-AFX)
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