Aktie feiert bereits: Intel und SK hynix vor ungewöhnlichem Deal - Das steckt hinter den Ohio-Plänen
SK hynix verhandelt mit Intel über die Fertigung von Speicherchips in den USA. Im Gespräch: Kapazitätsmietung im Ohio-Werk sowie ein Joint Venture mit Intel und großen Cloud-Anbietern.
Werte in diesem Artikel
- Speicherchip-Riese prüft offenbar erstmals eigene Fertigung auf US-Boden
- Intels Ohio-Werk könnte Schauplatz einer ungewöhnlichen Partnerschaft werden
- Politischer Druck aus Washington und Seoul begleitet die Gespräche
SK hynix führt laut Reuters Gespräche mit Intel über eine mögliche Fertigung von Speicherchips in den Vereinigten Staaten - eine Premiere für den südkoreanischen Konzern. Im Raum stehen die Anmietung eines Teils von Intels geplanter Chipfabrik in Ohio oder ein Gemeinschaftsunternehmen mit großen Cloud-Anbietern. Die Nachricht sorgt für spürbaren Auftrieb bei der Aktie.
Zwei Modelle für SK hynix' US-Einstieg
Die Nachrichtenagentur berichtete unter Berufung auf drei mit der Sache vertraute Personen, SK hynix verhandle mit Intel über eine mögliche Vereinbarung zur erstmaligen Fertigung von Speicherchips in den USA. Eine geprüfte Option sieht vor, dass SK hynix einen Teil des Ohio-Werks von Intel anmietet. Eine zweite Option wäre ein Gemeinschaftsunternehmen aus SK hynix, Intel und großen Cloud-Anbietern, die sich Speicherlieferungen sichern wollen.
Ein SK hynix-Sprecher erklärte, das Unternehmen prüfe verschiedene Maßnahmen einschließlich des Aufbaus zusätzlicher Produktionsstandorte, um die Wettbewerbsfähigkeit des Speichergeschäfts zu stärken, entschieden sei aber noch nichts. Intel wollte sich zu der als Spekulation bezeichneten Berichterstattung nicht äußern, betonte aber, weiterhin in den Ausbau des Standorts Ohio zu investieren. Die Gespräche befinden sich laut Reuters in einem explorativen Stadium, offen ist auch, welche Speicherchip-Typen in Ohio entstehen könnten. SK hynix stellt DRAM und NAND-Flash her und gilt als führender Anbieter von High-Bandwidth-Memory für KI-Prozessoren.
Vorgeschichte seit dem Sommer
Die aktuellen Gespräche stehen in einer erkennbaren Linie zu Ereignissen aus dem Juli, als die Korea JoongAng Daily exklusiv berichtet hatte, SK hynix verhandle über den Kauf von Intels Ohio-Komplex. Noch am selben Tag dementierte der asiatische Konzern dies in einer Pflichtmitteilung an die koreanische Börse und erklärte, es habe keine Übernahme des Standorts verfolgt oder beschlossen. Kurz danach hieß es von Presseseite, statt einer Übernahme stehe eine gemeinsame Betriebsführung der Fabrik im Raum - dieses Mal blieb ein Dementi aus.
Der aktuelle Reuters-Bericht mit Leasing- und Joint-Venture-Optionen setzt diese Entwicklung fort. Eine Produktion fortgeschrittener Speichertechnologie wie HBM oder DRAM in den USA könnte in Seoul geprüft werden, da diese Technologien als sensibel gelten. Südkoreas Handelsministerium erklärte, die Entscheidung liege bei SK hynix, Projekte mit national wichtiger Technologie könnten aber einer Prüfung nach dem Industrial Technology Protection Act unterliegen.
Druck aus Washington, Wettbewerb im Speichermarkt
Die Gespräche fallen in eine Phase, in der Washington Halbleiterunternehmen zum Ausbau der US-Fertigung drängt, während eine akute, durch KI- und Rechenzentrumsnachfrage getriebene Speicherchip-Knappheit herrscht. Die US-Halbleiterfertigung ist deutlich teurer als in Südkorea, dennoch steht SK hynix unter Druck von Kunden und Regierungen, die US-Präsenz auszubauen. Der Konzern hat im Sommer ein Zweitlisting an der NASDAQ abgeschlossen und baut in Indiana bereits eine Chip-Packaging-Anlage.
Im Speichermarkt kontrollieren SK hynix, Samsung und der US-Konkurrent Micron Technology zusammen weit über 90 Prozent des globalen DRAM-Geschäfts. Auch Samsung investiert mit einer neuen Foundry-Anlage in Texas in die US-Fertigung.
Was der mögliche Deal für Anleger bedeutet
Für Anleger dürfte vor allem die Frage entscheidend sein, ob aus den Gesprächen ein konkretes Produktionsprojekt mit langfristigen Abnahmevereinbarungen wird. Eine Fertigung in den USA könnte SK hynix einen besseren Zugang zu großen Cloud- und KI-Kunden verschaffen. Gleichzeitig könnten die höheren Kosten einer US-Produktion zunächst auf die Profitabilität drücken. Für Intel wiederum würde eine Vereinbarung mit SK hynix die Möglichkeit eröffnen, zusätzliche Kapazitäten seines geplanten Ohio-Komplexes zu nutzen und einen strategischen Partner für den Standort zu gewinnen.
Besonders relevant wäre dabei, welche Speichertechnologien tatsächlich in Ohio produziert werden sollen. Sollte es um HBM für KI-Beschleuniger gehen, wäre die Vereinbarung für SK hynix strategisch deutlich bedeutender als eine reine Ausweitung konventioneller Speicherproduktion. Konkrete Angaben zu Investitionssumme, Produktionsvolumen und möglichen Abnahmeverträgen gibt es bislang allerdings nicht.
Ob sich eines der beiden Modelle, Anmietung oder Gemeinschaftsunternehmen, tatsächlich konkretisiert, dürfte sich an weiteren Stellungnahmen aus Seoul und von Intel zeigen.
Aktien reagieren bereits
Am Markt sorgten die Nachrichten aber bereits jetzt für Bewegung: Die SK hynix-Aktie legte an der Börse in Korea rund vier Prozent auf 1.759.000 KRW zu. Intel klettert an der NASDAQ zeitweise um kräftige 4,26 Prozent auf 101,28 US-Dollar.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Julia Walter, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Intel
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Intel
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Michael Vi / Shutterstock.com
