BYD-Aktie unter Druck: Ungarns Ermittlung um Ex-Minister Szijjártó wirkt nach
Nach dem Wechsel von Ungarns Ex-Chefdiplomat zu BYD prüft Budapest die Milliardenförderung, und die Aktie kommt in Hongkong erneut ins Rutschen.
Werte in diesem Artikel
- Ungarn untersucht die milliardenschwere Förderung für das BYD-Werk in Szeged
- Auslöser ist der Wechsel von Ex-Außenminister Szijjártó zum Autobauer
- BYD-Aktie gab am Mittwoch in Hongkong deutlich nach
BYD-Aktie gibt weiter nach
Die politische Debatte um Ungarns Staatshilfen für BYD lastet weiter auf dem Kurs des chinesischen Autobauers. Am Dienstag schloss die BYD-Aktie in Hongkong 0,39 Prozent tiefer bei 89,80 Hongkong-Dollar. Am Mittwoch gaben die Anteilsscheine letztlich weitere 2,17 Prozent auf 87,85 Hongkong-Dollar nach. Hintergrund ist eine Untersuchung der ungarischen Regierung, die seit Wochenbeginn über dem Wert schwebt und die Unsicherheit über das wichtige Europageschäft verstärkt.
Ermittlung gegen den Ex-Außenminister
Im Zentrum steht der Wechsel von Péter Szijjártó. Der langjährige ungarische Außen- und Außenwirtschaftsminister, ein enger Vertrauter des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán, hatte 2023 die Ansiedlung des ersten europäischen BYD-Werks im südungarischen Szeged mitverhandelt und dem Konzern umfangreiche staatliche Unterstützung gesichert. In der vergangenen Woche legte er sein Parlamentsmandat nieder und trat eine Führungsposition bei BYD an, wo er künftig die Außenbeziehungen verantwortet. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar kündigte daraufhin am Montag eine Untersuchung an.
Untersuchung mit breitem Zuschnitt
Die Prüfung bleibt nicht auf den Einzelfall beschränkt. Magyar erklärte im Parlament, Szijjártó habe BYD mit erheblichen öffentlichen Mitteln, diplomatischer Unterstützung und staatlicher Infrastruktur gefördert. Aufgearbeitet werden sollen sämtliche Entscheidungen und Zusagen rund um die BYD-Investition, darüber hinaus aber auch Subventionen, Steuervergünstigungen und Genehmigungen, die unter der Regierung Orbán an internationale Großkonzerne vergeben wurden. Kritiker sehen im direkten Übergang aus dem Ministeramt in den Konzern einen Interessenkonflikt, zumal Ungarn keine gesetzliche Abkühlphase für Regierungsmitglieder kennt. Weder Szijjártó noch BYD äußerten sich bislang zu den Vorwürfen.
Belastung für das Europageschäft von BYD
Für den Konzern trifft die Debatte auf eine ohnehin heikle Phase in Europa. Das rund vier Milliarden Euro teure Werk in Szeged, die erste Pkw-Fabrik des Unternehmens in der EU, läuft mit Verzögerung an. Vizechefin Stella Li rechnet erst im vierten Quartal mit dem vollen Anlauf der Fahrzeugmontage, etwa ein Jahr später als ursprünglich geplant. Vor diesem Hintergrund dürfte der Kursrückgang weniger die Ermittlung selbst als die Sorge um ihre politische Nebenwirkung für das Europageschäft widerspiegeln. Ein eindeutiger Beleg für diesen Zusammenhang ist eine einzelne Tagesbewegung allerdings nicht.
Ob aus der Prüfung in Budapest belastbare Folgen für die BYD-Förderungen erwachsen, wird sich erst mit ersten Ergebnissen der Untersuchung zeigen. Bis dahin bleibt offen, ob der Fall Szijjártó ein politisches Nachspiel für den Konzern hat oder folgenlos bleibt.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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