BYD-Aktie: Budapest macht ernst - das steckt hinter der neuen China-Kontrolle
Ungarns neue Regierung überprüft frühere Vereinbarungen mit chinesischen Unternehmen und verschärft die Kontrolle über Batterie- und Autowerke. Das trifft auch BYD.
Werte in diesem Artikel
- Neue Regierung in Budapest krempelt Regeln für chinesische Investoren um
- Baustellen von BYD und CATL gerieten wegen Umweltverstößen ins Visier
- Analysten bleiben trotz politischer Unsicherheit mehrheitlich zuversichtlich
Ungarns Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar überprüft die unter der Vorgängerregierung geschlossenen Subventionsvereinbarungen mit chinesischen Unternehmen und verschärft gleichzeitig die Umweltauflagen. Betroffen sind vor allem BYD, das in Szeged sein erstes europäisches Pkw-Werk baut, und der Batteriehersteller CATL mit seiner Fabrik in Debrecen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie stark die politische Kurskorrektur die Expansionspläne der beiden Konzerne in Europa beeinflussen könnte.
BYD gerät wegen Bodenaushub und Arbeitsbedingungen unter Druck
BYD baut in Szeged sein erstes europäisches Pkw-Werk. Die Testproduktion begann Anfang 2026, die Kapazität soll schrittweise auf 200.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen. Der Komitatsverwaltung Csongrád-Csanád zufolge hatte BYD jedoch Mutterboden von der Baustelle ohne die erforderlichen Tests auf rund 20 Hektar Ackerland verbracht. Dabei wurde teilweise eine Alkylbenzol-Belastung über dem Grenzwert festgestellt. Die Behörde erstattete Anzeige, das Umweltverfahren endete im Juni mit einem Bußgeld von 10 Millionen Forint, umgerechnet rund 32.000 US-Dollar.
Hinzu kommen Berichte über die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle. Laut Nikkei Asia wurden im Juli Details der von der Vorgängerregierung zugesagten Staatshilfen bekannt, darunter die Möglichkeit, rund 10.000 chinesische Arbeiter zu beschäftigen. Die Organisation China Labor Watch berichtete zudem von Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich und sieben Tagen pro Woche. BYD-Konzernvize Stella Li wies die Vorwürfe als falsch zurück und erklärte gegenüber Reuters, die Fahrzeugmontage in Szeged solle im vierten Quartal 2026 beginnen, während die Anlagen noch installiert würden. Der frühere ungarische Außenminister Péter Szijjártó, der die BYD-Ansiedlung mitverhandelt hatte, wechselte unterdessen im Juli zu BYD als Leiter für externe Beziehungen und neue Geschäftsfelder.
CATL kämpft mit Verzögerungen und neuen Auflagen
Bei CATL läuft in Debrecen die Modulproduktion, während sich der Start der Zellproduktion weiterhin verzögert. Die zunächst auf 40 Gigawattstunden ausgelegte Zellfabrik soll langfristig auf bis zu 100 Gigawattstunden erweitert werden. Vor wenigen Wochen stoppte die ungarische Arbeitsschutzbehörde vorübergehend die Arbeiten in drei Bereichen des Werks, nachdem bei neun Beschäftigten eine erhöhte Nickelbelastung festgestellt worden war. Bei einer Nachkontrolle wurden zudem Mängel bei der Schutzausrüstung festgestellt.
Die Nutzungsgenehmigung für die erste Ausbaustufe der Zellproduktion wurde Ende August erteilt, der Antrag für die zweite Ausbaustufe wegen eines formalen Mangels zunächst abgelehnt. Zusätzlich wurde CATL wegen Mängeln bei der Kennzeichnung und Lagerung von Gefahrstoffen mit einer Geldbuße belegt. Bereits im Juni hatten die Behörden die Betriebslizenz des chinesischen Batterie-Separator-Herstellers Semcorp in Debrecen entzogen, nachdem erhöhte Metallkonzentrationen im Grundwasser festgestellt worden waren. Das Verkehrs- und Investitionsministerium teilte vergangenen Monat mit, dass als Schlüsselinvestitionen eingestufte Projekte künftig nicht mehr von Umwelt-, Naturschutz- und Planungsvorschriften ausgenommen sind. Verstöße können zu einer mindestens sechsmonatigen Sperre für neue Baugenehmigungen führen. Betroffen sind neben CATL auch Samsung SDI und SK On. Die verschärfte Prüfung bei CATL könnte damit auch für BYDs Werk in Szeged relevant werden, das denselben neuen Umweltauflagen unterliegt.
Ungarn verschärft Kontrolle chinesischer Investitionen
Unter Viktor Orbán hatte Ungarn chinesische Investitionen in die Elektroauto- und Batterieindustrie aktiv gefördert. 2024 vereinbarten beide Länder bei einem Treffen mit Präsident Xi Jinping eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit. Die neue Regierung strebt bislang keinen grundsätzlichen Rückzug aus der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China an, plant aber eine neue Behörde zur Umweltüberwachung von Batteriewerken mit der Möglichkeit von Produktionsstopps bei Verstößen. Fabriken, die gegen Umweltauflagen verstoßen, sollen zudem keine bevorzugte Behandlung in Genehmigungsverfahren mehr erhalten.
BYD-Aktie bereits unter Druck
Die politische Unsicherheit könnte sich auch auf die Entwicklung der BYD-Aktie auswirken. Diese hat im bisherigen Jahresverlauf bereits deutlich nachgegeben: Anleger verzeichneten einen Verlust von 17 Prozent – trotz der Expansionspläne des Unternehmens.
Für BYD spielt Ungarn eine zentrale Rolle, da die Fertigung vor Ort den EU-Ausgleichszoll von 17 Prozent zusätzlich zum Standardzoll von 10 Prozent auf in China gefertigte Elektroautos vermeidet. Die EU-Kommission hatte den zusätzlichen Ausgleichszoll Ende 2024 verhängt.
Genehmigungen werden zum wichtigen Faktor für Anleger
Ob die verschärfte Prüfung durch Budapest die Zeitpläne in Szeged und Debrecen weiter verzögert, dürfte sich in den kommenden Monaten an den Genehmigungsverfahren für die zweite Ausbaustufe bei CATL sowie am Fortschritt der Fahrzeugmontage bei BYD zeigen. Zudem bleibt das seit März 2025 laufende Verfahren der EU-Kommission zur Szeged-Investition nach der Verordnung über ausländische Subventionen ein offener Punkt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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