BYD-Aktie fällt: Warum der E-Autobauer zu einem "europäischen Unternehmen" werden will
Auf der IAA in Hannover kündigte BYD weit mehr an als nur die Produktion eines neuen Lkw-Modells in Europa ab 2027: den Anspruch, komplett zum europäischen Hersteller zu werden.
Werte in diesem Artikel
- Neues Nutzfahrzeug-Portfolio auf der IAA Transportation vorgestellt
- BYD will ab 2027 erste Lkw in Europa bauen und langfristig alles hier fertigen
- Lokale Produktion soll EU-Einfuhrzölle auf chinesische E-Fahrzeuge umgehen
Auf der IAA Transportation in Hannover hat BYD sein bislang umfassendstes Portfolio an emissionsfreien Nutzfahrzeugen vorgestellt und kündigte zudem den Bau von Lastwagen in Europa an, verbunden mit einem deutlich größeren Versprechen: Langfristig soll jedes in Europa verkaufte Fahrzeug des chinesischen Herstellers auch hier produziert werden. Für Anleger ist dies neben einer Produktankündigung die Aussicht auf einen Strategiewechsel, der weit über das Lkw-Geschäft hinausreicht. Denn BYD-Vizepräsidentin Stella Li sagte auf der Messe laut "Reuters", langfristig wolle der Konzern dadurch faktisch zu einem "europäischen Unternehmen" werden.
Vom Importeur zum Lokalproduzenten
Konkret zeigte BYD in Hannover mit dem Modell ETT 44 seinen ersten schweren Lastwagen für den europäischen Markt, der im Jahr 2027 auf die Straße kommen soll. Parallel kündigte der Konzern ein Servicepaket für Flottenbetreiber an, das Finanzierung, solarbetriebene Ladeinfrastruktur und ein Werkstattnetz mit mobilem Pannendienst umfasst. Mit diesem Paket tritt BYD im Nutzfahrzeugmarkt nicht nur als Fahrzeugbauer auf, sondern auch als Anbieter von Finanzierung und Infrastruktur, ein Geschäftsmodell, das etablierte europäische Lkw-Hersteller bislang selbst prägen. Das Lkw-Geschäft ist damit die logische Fortsetzung dessen, was BYD bei Pkw bereits begonnen hat: den Aufbau einer eigenen Fertigung auf europäischem Boden statt des reinen Exports aus China.
Zölle als Rechenexempel
Die Ansage fällt nicht zufällig in eine Zeit, in der die EU seit Ende Oktober 2024 Sonderzölle auf batterieelektrische Autos aus China erhebt. BYD zahlt darauf rund 17 Prozent, zusätzlich zum allgemeinen Einfuhrzoll von 10 Prozent, während US-Konkurrent Tesla dank geringerer Sonderzollstufe auf rund 7,8 Prozent kommt. Wer in Europa fertigt, entgeht jedoch beiden Abgaben komplett. Entsprechend gab Li gegenüber "Reuters" auch an, dass die Zölle lediglich einen kurzfristigen Druck darstellen würden, bis die lokale Produktion hochgefahren sei.
Genau diese Logik scheint nun auch das Geschäft mit Elektro-Lastwagen umzutreiben: Die TRATON-Marke MAN und andere europäische Nutzfahrzeughersteller fordern von Brüssel seit Monaten Sonderzölle auf chinesische Elektro-Lkw nach dem Vorbild der Pkw-Regelung. BYDs frühzeitige Ankündigung einer lokalen Lkw-Fertigung liest sich auch als Reaktion auf diesen politischen Druck, noch bevor er zu echten Kosten wird.
Der Zeitplan hat schon einmal gerissen
Die großen Worte aus Hannover stehen allerdings im Kontrast zur bisherigen Umsetzung. Das Pkw-Werk im ungarischen Szeged sollte laut BYDs eigener Ankündigung von der IAA im September 2025 noch Ende jenes Jahres die Produktion aufnehmen. Tatsächlich startete lediglich eine Testfertigung im Januar 2026, und Stella Li bestätigte im Juni, dass die reguläre Serienproduktion erst im vierten Quartal anlaufen solle, und damit fast ein Jahr später als ursprünglich geplant. Ein zweites Werk in der Türkei, für das BYD eine Investition von einer Milliarde US-Dollar in Aussicht gestellt hatte, liegt komplett auf Eis, ohne dass der Konzern einen neuen Zeitplan nennt.
Reaktion der BYD-Aktie und die Chancen für Anleger
Für Anleger rückt mit der neuen Produktionsankündigung in Europa ein neues Wachstumsfeld des chinesischen Autobauers in den Fokus. Denn dies könnte langfristig neue Umsatzquellen bedeuten. Allerdings trifft BYD in Europa auf etablierte Nutzfahrzeughersteller mit starker Wettbewerbsposition, gegen die man sich zunächst behaupten muss.
Womöglich fiel die Reaktion der BYD-Aktie in Hongkong auch deshalb verhalten aus: Das Papier verlor am Dienstag letztlich 1,43 Prozent auf 79,05 HKD.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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