IW: Wirtschaft holt 2021 angesichts von Corona-Impfungen auf
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft Ende 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Das Bruttoinlandsprodukt wachse 2021 um 4,0 Prozent - nach einem starken Einbruch von rund 5,25 Prozent im Jahr 2020. Das sagten die Kölner Ökonomen in ihrer neuen Konjunkturprognose voraus. "Die zweite Corona-Welle hat den Wirtschaftsaufschwung des Sommers ausgebremst", erklärte IW-Konjunkturchef Michael Grömling. "Doch die Entwicklung mehrerer Impfstoffe macht Hoffnung."
Voraussetzung dafür, dass Ende kommenden Jahres in der gesamtwirtschaftlichen Leistung das Vorkrisenniveau erreicht werde, sei, dass die Impf-Offensive gelinge und Konsumenten und Investoren Zuversicht gewännen. Nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2020 stark eingebrochen ist, habe sie sich im dritten Quartal kräftig erholt. Doch die gestiegene Verunsicherung in der zweiten Corona-Welle dämpfe erneut Konsum und Investitionen, obgleich die Grenzen offen und die Lieferketten stabil seien. Besonders belastet der Lockdown Tourismus, Gastgewerbe und Kultur.
Das neue Jahr beginnt nach der Prognose des IW "ohne Besserung, die deutsche Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal 2021 weiter". Im Baugewerbe könnten Arbeitskräfte fehlen, die international weiter angespannte Infektionslage bremse den Export. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf ihr altes Niveau von 19 Prozent wirke ab Januar negativ auf den Konsum. Ab dem Frühjahr nehme die Wirtschaft aber wieder endlich Fahrt auf.
Mehr Konsum und Investitionen erwartet
Von den Impfungen seien ab dem zweiten Quartal 2021 erste positive Effekte auf das Gesundheitssystem und das Wirtschaftsleben zu erwarten, auch bei Deutschlands Handelspartnern. "Wenn das Impfen gut anläuft und die Infektionszahlen sinken, werden die Menschen zuversichtlicher und konsumieren und investieren mehr", sagte IW-Direktor Michael Hüther.
Die Erholung der Weltwirtschaft belebe dann den Außenhandel: Die deutschen Exporte wachsen 2021 laut IW um 7 Prozent, können den Rückgang aus diesem Jahr von 11 Prozent aber nicht gutmachen. Der private Konsum lege 2021 um knapp 4 Prozent zu. Einerseits trübe die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Andererseits könnten sich Einkommensteuerzahler im kommenden Jahr auf deutlich mehr Netto vom Brutto freuen. Außerdem sei in der Krise viel Geld aufs Sparkonto gelegt worden, was 2021 wieder verstärkt ausgegeben werde. Die Inflation bleibe niedrig.
Unternehmen investierten in der Krise typischerweise weniger - entsprechend schrumpften die Ausrüstungsinvestitionen 2020 um 14 Prozent. Die Investitionen sollen 2021 aber um 7 Prozent zulegen. Der Arbeitsmarkt erhole sich nur moderat. Insgesamt verharre die Arbeitslosigkeit 2021 bei gut 2,7 Millionen, die Quote bleibt bei knapp 6 Prozent. Die öffentlichen Haushalte bleiben 2021 im Minus, das Staatsdefizit fällt nach den Berechnungen der Ökonomen aber 2021 mit einem Minus von rund 4,25 Prozent um zwei Punkte geringer aus als im Krisenjahr 2020.
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December 08, 2020 03:59 ET (08:59 GMT)