Nach 530% Kursplus: Analysten erwarten bei Micron-Aktie noch deutlich mehr - Wie realistisch sind die Ziele?
Nach 500 Prozent Plus im Jahr: Analysten bleiben extrem optimistisch für Micron. Ende des Monats stehen die neuen Quartalszahlen an.
Werte in diesem Artikel
- Stifel hält an seinem hohen Kursziel für Micron fest
- Wachstumstempo bei Speicherchips dürfte künftig nachlassen
- Neue Quartalszahlen stehen bald auf der Agenda
Weit über 500 Prozent Kursplus haben Anleger von Micron auf Sicht der letzten zwölf Handelsmonate in ihren Depots. Doch ein Analyst sieht die Aktie auf diesem Niveau noch lange nicht ausgereizt.
Stifel bekräftigt Kaufempfehlung für die Micron-Aktie
Stifel-Analyst Brian Chin hat seine Kaufempfehlung für die Micron-Aktie ungeachtet der hohen Kursgewinne der vergangenen Monate beibehalten. Auch das hohe Kursziel von 1.500 US-Dollar behielt der Marktexperte bei und begründete dies mit langen Lieferzeiten für Lithografieanlagen, strengen technischen Qualifizierungshürden und ausverkauften HBM-Kapazitäten bis 2027, die Micron kurzfristig vor Marktanteilsverlusten schützen sollen. Ein industrieweites Wafer-Angebotswachstum von über 40 Prozent wäre nötig, um das strukturelle Defizit auszugleichen, so seine Einschätzung.
Auch TD Cowen-Analyst Krish Sankar bekräftigte vor wenigen Tagen seine Kaufempfehlung, mit einem Kursziel von 1.600 US-Dollar. Der Analystenkonsens aus 30 Stimmen liegt laut TipRanks bei "Strong Buy" mit einem mittleren Kursziel von 1.564,44 US-Dollar und einer Spanne von 1.100 bis 2.200 US-Dollar. Die Micron-Aktie hätte damit noch kräftig Luft nach oben: Vorbörslich wird der Anteilsschein an der NASDAQ bei 1.031,90 US-Dollar gehandelt – ein leichtes Minus von 1,17 Prozent nach einer starken Vortagesentwicklung.
Wachstumstempo bei Speicherchips dürfte nachlassen
Stifel-Experte Chin rechnet für das Kalenderjahr 2027 mit einer Abschwächung des DRAM-Bit-Versandwachstums auf 15 bis 20 Prozent, nachdem es 2026 noch bei 25 bis 29 Prozent gelegen habe. Als Gründe nennt er Zeitpläne neuer Reinräume und zunehmend knappe Anlagenverfügbarkeit. Damit erwartet er eine moderatere Ergebnisüberraschung als in den Vorquartalen, auch wenn Micron im vierten Geschäftsquartal und im ersten Quartal des kommenden Fiskaljahres weiterhin über den Konsensschätzungen abschneiden dürfte.
Gleichzeitig könnte sich der Bit-Preis für HBM4 im Zuge der Vertragsverhandlungen für 2027 verdoppeln, was die Bruttomarge zusätzlich stützen soll, so Chins Einschätzung. Eine mögliche Preiserhöhung im zweiten Geschäftsquartal, das im Februar endet, könnte die Margen weiter stärken. Ein Citigroup-Analyst gehe zudem davon aus, dass sich die Unterversorgung am Speichermarkt bis 2031 verschärfe, getrieben von der wachsenden Nachfrage durch künstliche Intelligenz.
Micron zwischen Rekordzahlen und Rechtsstreit
Im dritten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres erzielte Micron einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar und einen GAAP-Gewinn je Aktie von 24,67 US-Dollar. CEO Sanjay Mehrotra habe von starken Quartalsergebnissen und einem noch stärkeren Ausblick für das vierte Quartal gesprochen, für das Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von etwa 86 Prozent und einem Non-GAAP-Ergebnis je Aktie von 31,00 US-Dollar in Aussicht stellte. Die Ergebnisse zum vierten Geschäftsquartal legt Micron am Mittwoch (30. September 2026) vor.
Daneben kündigte das Unternehmen den Bau eines neuen Forschungslabors in Boise, Idaho, an, für das über das kommende Jahrzehnt zehn Milliarden US-Dollar investiert werden sollen. Im Patentstreit mit Netlist gewann Micron dagegen eine Berufung, das Gericht stufte die Argumente von Netlist als nicht überzeugend ein. Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass Produktionsfortschritte des chinesischen Herstellers ChangXin Memory Technologies die Stifel-These bislang nicht erschüttert hätten.
Ob Stifels Zuversicht Bestand hat, entscheidet sich spätestens mit den Quartalszahlen, die Ende des Monats auf der Agenda stehen – dann muss Micron zeigen, ob Umsatz und Marge die eigene Prognose erreichen.
Micron-Aktie: Lohnt sich der Einstieg?
Für Anleger bleibt die Micron-Aktie trotz der starken Kursgewinne mit Chancen und Risiken verbunden. Die hohen Kursziele von Stifel und anderen Analysten spiegeln die Erwartungen an eine anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherchips und HBM wider. Gleichzeitig ist die Bewertung nach dem kräftigen Kursanstieg anspruchsvoller geworden, während das erwartete langsamere DRAM-Wachstum und mögliche Schwankungen bei Speicherpreisen für Unsicherheit sorgen. Ob ein Einstieg zum aktuellen Kurs infrage kommt, hängt damit insbesondere davon ab, wie Anleger das weitere Gewinnwachstum, die HBM-Nachfrage und das bereits im Aktienkurs enthaltene Wachstumspotenzial einschätzen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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