Wer bezahlt Anthropics KI-Boom? Diese Investoren bauen die Rechenzentren
Anthropic sichert sich mit Macquarie Asset Management und dem Staatsfonds GIC neue Partner für den Aufbau eigener Rechenzentren.
Werte in diesem Artikel
- Anthropic, Macquarie Asset Management und GIC gründen die Infrastrukturplattform Theseus Infrastructure
- Macquarie und GIC übernehmen den Großteil der Eigenkapitalfinanzierung und das Eigentum an den Anlagen
- Konkrete Investitionssummen und Standorte wurden bislang nicht genannt
Anthropic startet neue Rechenzentren-Kooperation mit Macquarie und GIC
Anthropic hat am 10. August eine strategische Partnerschaft mit Macquarie Asset Management und dem singapurischen Staatsfonds GIC verkündet. Ziel der Zusammenarbeit ist der Aufbau einer neuen Plattform mit dem Namen Theseus Infrastructure, die Rechenzentren für den KI-Dienst Claude entwickeln, betreiben und langfristig vermieten soll, wie aus der gemeinsamen Mitteilung der Partner hervorgeht. Jede Anlage soll gezielt auf die wachsenden Kapazitätsanforderungen von Anthropic zugeschnitten sein.
Die drei Unternehmen wollen gemeinsam neue Standorte identifizieren und entwickeln, wobei der Fokus zunächst auf den USA liegt. Über konkrete Investitionssummen, die Zahl der geplanten Standorte oder einen Zeitplan äußerten sich die Beteiligten nicht. Bloomberg berichtete unter Berufung auf die Ankündigung, dass weder Kapitalzusagen noch Angaben zur Leistung der Anlagen in Gigawatt genannt wurden.
Theseus Infrastructure: Diese Rolle spielt die neue Plattform
Theseus Infrastructure fungiert als eigenständige Struktur, die zwischen Anthropic und den finanzierenden Partnern vermittelt. Laut der Pressemitteilung von Macquarie werden die von Macquarie Asset Management verwalteten Fonds gemeinsam mit GIC Eigentümer der Plattform und übernehmen den Großteil der Eigenkapitalfinanzierung für jedes Projekt. Anthropic selbst hält demnach keinen Eigentumsanteil an den Anlagen, sondern mietet die Kapazitäten über langfristige Verträge an.
Der Nachrichtendienst The Next Web ordnete diese Konstruktion als Finanzierungsmodell ein, das der eigentlichen Baumaßnahme vorausgeht. Ein dediziertes KI-Rechenzentrum bindet über Jahre Kapital, bevor die erste Serverreihe Erträge liefert. Theseus verlagert dieses Risiko auf Investoren, die sich auf vertraglich abgesicherte Infrastruktur-Cashflows spezialisiert haben, während Anthropic die Kosten über Mietzahlungen statt über Investitionsausgaben trägt.
Wer finanziert die Rechenzentren von Anthropic?
Die Finanzierungsrolle von Macquarie und GIC unterscheidet sich damit deutlich von einem klassischen Bauauftrag. Macquarie Asset Management verwaltete nach eigenen Angaben zum 31. März ein Vermögen von 722,1 Milliarden australische Dollar. Das Unternehmen besaß zuvor den Rechenzentrumsbetreiber Aligned Data Centers, den es am 20. Juli für 40 Milliarden US-Dollar an ein Konsortium aus AI Infrastructure Partnership, MGX und BlackRocks Global Infrastructure Partners verkauft hatte. Nur drei Wochen später kündigte Macquarie mit Theseus eine neue Plattform an.
GIC bringt nach eigener Darstellung als Verwalter der Devisenreserven Singapurs eine langjährige Erfahrung in Infrastrukturinvestitionen mit und ist nach Unternehmensangaben mit mehr als 2.500 Mitarbeitenden an elf Finanzstandorten in über 40 Ländern aktiv. Die Australian Financial Review berichtete zudem, dass GIC bereits über eine Partnerschaft mit dem Nasdaq-notierten Rechenzentrumsbetreiber Equinix und der kanadischen Canada Pension Plan Investment Board in US-Rechenzentren investiert. Beim Theseus-Projekt kommt nach Angaben der Zeitung eine weitere Finanzierungsbeteiligung des Staatsfonds hinzu.
Anthropic als Ankermieter
Anthropic übernimmt in der neuen Struktur die Rolle des Ankermieters und verpflichtet sich laut der Pressemitteilung von Macquarie, Erhöhungen der Strompreise auszugleichen, die Verbraucher durch die neuen Anlagen sonst tragen müssten. Diese Zusage steht laut Unternehmensangaben im Einklang mit Verpflichtungen, die Anthropic bereits Anfang des Jahres angekündigt hatte.
Wie The Next Web berichtete, hatte Anthropic im Februar zugesagt, sämtliche Kosten für notwendige Netzausbauten im Zusammenhang mit eigenen Rechenzentren zu übernehmen, neue Stromerzeugungskapazitäten passend zur eigenen Nachfrage aufzubauen, den Stromverbrauch in Spitzenzeiten zu drosseln und mit weniger Wasser zu kühlen. Für Fälle, in denen Anthropic Kapazitäten in bestehenden Rechenzentren anmietet, hatte das Unternehmen laut demselben Bericht damals lediglich angegeben, weitere Wege zu prüfen, um die Auswirkungen der eigenen Workloads auf die Strompreise zu adressieren. Die neue Zusage im Rahmen von Theseus gilt dem Bericht zufolge nun auch für die dort errichteten, speziell für Anthropic gebauten Anlagen. Eine unabhängige Prüfstelle oder Regulierungsbehörde, die diese Zusage kontrolliert, wird in der Mitteilung nicht genannt.
Rechenzentren-Deal fügt sich in Anthropics Infrastrukturstrategie ein
Die Kooperation mit Macquarie und GIC ist nicht die erste große Infrastrukturinitiative von Anthropic. Im November 2025 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Investition von 50 Milliarden US-Dollar in den Aufbau eigener Rechenzentren gemeinsam mit dem britischen Anbieter Fluidstack angekündigt, mit ersten Standorten in Texas und New York. Laut der damaligen Mitteilung von Anthropic sollten dabei rund 800 dauerhafte Arbeitsplätze und 2.400 Bauarbeitsplätze entstehen, wobei die Standorte im Laufe des Jahres 2026 in Betrieb gehen sollten. Anthropic-Chef Dario Amodei bezeichnete die Infrastruktur damals laut der Unternehmensmitteilung als Voraussetzung dafür, leistungsfähigere KI-Systeme für wissenschaftliche Fortschritte zu entwickeln.
Anders als beim Fluidstack-Deal, bei dem Anthropic die Investitionssumme selbst bezifferte, trägt das Unternehmen bei Theseus kein Eigenkapitalrisiko. Nach der Einordnung von The Next Web passt dieser Schritt zu einem Muster, das sich in der Branche verstärkt: Meta habe Leasingverpflichtungen für Rechenzentren im Umfang von 279 Milliarden US-Dollar aus der eigenen Bilanz ausgelagert, und Google garantiere mittlerweile Mietzahlungen von 44 Milliarden US-Dollar für Gebäude, die der Konzern nie besitzen werde. Anthropic selbst least laut demselben Bericht bereits Rechenkapazität von Google-TPUs im Rahmen einer solchen Vereinbarung und hatte zudem einen Kredit über 35 Milliarden US-Dollar aufgenommen, um mit Unterstützung von Google Chips an fünf Rechenzentren zu leasen, wie Investing.com berichtete.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Alphabet A (ex Google)
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Alphabet A (ex Google)
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Mehaniq / Shutterstock.com
