Palantir-Aktie springt an: Verlustserie beendet - NVIDIA-Allianz als Treiber
Nach ihrer schlimmsten Verlustserie des Jahres macht die Palantir-Aktie einen großen Sprung. Der Auslöser wirft jedoch eine unbequeme Frage auf.
Werte in diesem Artikel
- Palantir-Aktie erholt sich kräftig nach der neuen NVIDIA-Partnerschaft
- Erholung folgt auf die schwerste Verlustserie des laufenden Jahres
- Palantir-Chef Karp kritisiert das Tokenmodell von OpenAI und Anthropic scharf
Nach sieben Handelstagen in Folge im Minus, die am vergangenen Donnerstag in einem neuen 52-Wochen-Tief bei 106,37 US-Dollar kulminierten, hat sich das Blatt bei Palantir im Anschluss gewendet. Am Mittwoch kletterte die Aktie an der NASDAQ um kräftige 7,77 Prozent auf 125,73 US-Dollar und verbuchte damit die beste Serie von vier Handelstagen seit mehr als einem Jahr. Seit dem Tief vom 25. Juni summiert sich das Plus auf etwa 17 Prozent. Auslöser ist eine neue strategische Kooperation mit NVIDIA zur Entwicklung von KI-Modellen für US-Behörden.
Wie die NVIDIA-Allianz die Stimmung dreht
Die zum Wochenstart verkündete Partnerschaft verknüpft NVIDIAs KI-Plattform mit Palantirs Ontology-System zu einer sicheren "intelligenten Engine" für Training und Einsatz von KI-Modellen bei US-Behörden. Palantir-Chef Alex Karp erklärte am Mittwoch gegenüber Barron's, worin für ihn der Reiz der Allianz liegt: Es gehe um "Kontrolle über die eigene Rechenleistung, die Modelle, den Datenstapel und den eigenen Alpha". Karp verwies zudem auf Palantirs kritische Infrastruktur in den USA, der Ukraine und Israel und betonte, dass praktisch jeder militärische Einsatz von KI-Sprachmodellen auf der Ontology-Plattform seines Unternehmens laufe. Es ist nicht die erste Kooperation der beiden Konzerne, doch sie traf für Palantir-Investoren einen besonders empfindlichen Zeitpunkt.
Vom Jahrestief zur Erholung
Der Rebound wirkt umso bemerkenswerter vor dem Hintergrund des Kursverlaufs: Die Palantir-Aktie lag 2026 zwischenzeitlich deutlich im Minus, allein im Juni verlor der Titel rund 25 Prozent und durchbrach während der siebentägigen Verlustserie mehrere charttechnische Unterstützungen. Am gestrigen Mittwoch zogen auch andere Softwarewerte wie ServiceNow und Salesforce an, nachdem das Analysehaus Guggenheim beide Titel auf Kaufen hochgestuft und die These eines KI-bedingten Softwaresterbens als unrealistisch zurückgewiesen hatte, wie Barron's berichtet. Auch The Motley Fool ordnet den Kurssprung in eine breitere Rotation zurück in Software-Aktien ein und verweist zusätzlich auf einen reduzierten Short-Bestand des bekannten Investors Michael Burry als stützenden Faktor.
CEO attackiert Anthropic und OpenAI
Zum Nebenschauplatz wurde ein Interview von Palantir-CEO Alex Karp am Mittwoch, in dem Karp sich vom Preismodell bei OpenAI und Anthropic distanzierte. Laut CNBC sagte er, beim Tokenmodell sei "etwas komplett schiefgelaufen", da Unternehmen zunehmend nur noch Zeit mit Token verschwendeten, statt einen echten Ertrag zu erzielen. Palantir hatte bereits am Dienstag auf der Plattform X ein neunpunktiges Manifest zur "KI-Souveränität" veröffentlicht, das Kritik am sogenannten "Tokenmaxxing" übt und Unternehmen zum Erhalt der eigenen Datenhoheit aufruft. Karp sieht offene KI-Modelle als Antwort für frustrierte Unternehmenschefs.
Our thoughts on the importance of AI sovereignty.
1. Your AI sovereignty dictates your institution’s future. Sovereignty is the precondition for choice. Relinquishing sovereignty transfers the future choices of your institution to others, who are likely to exploit it for their…Werbung- Palantir (@PalantirTech) July 1, 2026
Kritischer Blick: Trägt die Erholung?
Die Erleichterung an der Börse ändert nichts daran, dass der technische Schaden aus der Verlustserie nach Einschätzung von Barron's noch nicht ausgeglichen ist und die Aktie trotz des jüngsten Sprungs weiterhin deutlich unter ihrem Stand vom Jahresbeginn notiert. Eine einzelne, wenn auch prominente Kooperation mit NVIDIA beseitigt zudem nicht die grundsätzliche Marktsorge, die den Kurs erst hatte abstürzen lassen: die Befürchtung, dass generative KI etablierte Softwareanbieter langfristig aus dem Geschäft drängen könnte.
Ob der Deal tatsächlich neues, wiederkehrendes Geschäft für Palantir bedeutet oder vor allem als Signal an Investoren und Politik gedacht ist, lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Informationen nicht abschließend beurteilen. Wertvolle Informationen dürften die nächsten Quartalszahlen Anfang August liefern.
Am Donnerstag setzte sich die positive Entwicklung fort: Die Palantir-Aktie gewann letztlich an der NASDAQ 2,84 Prozent auf 129,30 US-Dollar.
Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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