Bayer übertrifft Gewinnerwartungen - Agrarsparte überzeugt: Aktie steigt
Bayer hat im zweiten Quartal dank eines starken Agrargeschäfts die Erwartungen übertroffen. Der Konzern bestätigte zudem seinen währungsbereinigten Umsatzausblick für 2026.
Werte in diesem Artikel
Bayer hat dank guter Agrargeschäfte und Kostensenkungen die Erwartungen im zweiten Quartal übertroffen. Zudem legten in der Pharmasparte die Verkaufszahlen noch recht neuer Medikamente weiter deutlich zu. JPMorgan-Analyst Richard Vosser sprach in einer ersten Reaktion von starken Geschäftszahlen, die zu steigenden Gewinnerwartungen am Markt führen dürften.
Auf XETRA stieg der Aktienkurs schlussendlich um 2,4 Prozent auf 48,25 Euro. Nach dem jüngsten Rücksetzer vom Kurssprung Ende Juni legten die Papiere damit wieder zu. Ende Juni hatte ein Erfolg vor dem obersten US-Gericht in den Streitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosatbasierter Unkrautvernichter eine Rally ausgelöst.
Starkes Agrargeschäft treibt Bayer-Gewinn
Der US Supreme Court hatte entschieden, dass Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden kann. Das Oberste Gericht berief sich dabei darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien - damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen auf Basis angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen worden sein.
Und auch im Tagesgeschäft lief es zuletzt besser. In den drei Monaten bis Ende Juni stieg der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang erwartet.
Dabei steigerte die Agrarsparte Crop Science bei einem moderaten Umsatzwachstum ihren operativen Gewinn um fast ein Drittel auf 902 Millionen Euro, wobei auch niedrigere Herstellungskosten durch Effizienzprogramme halfen. Zudem profitierte der DAX-Konzern von Zuwächsen im Geschäft mit Soja- sowie Baumwoll-Saat infolge der Wiederzulassung Dicamba-basierter Produkte in den USA. So hatte die US-Umweltbehörde im Februar die Zulassung von Dicamba-Herbiziden in 34 US-Bundesstaaten wiederhergestellt. Das hilft der Nachfrage nach Saatgut für Dicamba-tolerante Soja- und Baumwollpflanzen.
Neue Medikamente stützen Pharmageschäft
Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten sank das operative Ergebnis wegen höherer Kosten für die Vermarktung neuer Arzneien zwar etwas auf 1,055 Milliarden Euro, allerdings lief es besser als von Analysten erwartet. Hier wachsen die Geschäfte mit noch jungen Medikamenten wie dem Krebsmittel Nubeqa sowie Kerendia zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen sowie Herzinsuffizienz deutlich, was hilft, fortgesetzte Umsatzeinbrüche beim Blutgerinnungshemmer Xarelto sowie dem Augenmedikament Eylea abzufedern. Die beiden Kassenschlager leiden nach Patentabläufen unter Generika-Konkurrenz.
Unter dem Strich verblieb bei Bayer ein Konzerngewinn von 219 Millionen Euro, nach einem Verlust von 199 Millionen vor einem Jahr. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein Plus von 2,2 Prozent.
Bayer hält an Konzernstruktur fest
Bayer-Chef Bill Anderson will vorerst an der Konzernstruktur mit drei separaten Geschäften festhalten. Entscheidend sei der Fokus auf fünf Prioritäten: die Verbesserung der Pharma-Pipeline, die Steigerung der Profitabilität im Agrarbereich, die Eindämmung der Rechtsrisiken sowie der Abbau von Schulden und Bürokratie.
"Im Moment denken wir, dass der beste Plan darin besteht, weiterhin konsequent an diesen fünf Themen zu arbeiten, weil sie uns in jedem Szenario besser machen werden - egal, ob wir zusammenbleiben, etwas verkaufen oder etwas hinzufügen", sagte Anderson in der virtuellen Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen. Eine Aufspaltung schloss er zugleich nicht grundsätzlich aus. Bayer bleibe offen und werde die Möglichkeiten immer wieder prüfen.
Investoren hatten nach dem wichtigen Sieg im Glyphosat-Streit vor dem Obersten Gerichtshof der USA Ende Juni die strategische Ausrichtung des Konzerns wieder stärker in den Blick genommen. Vor drei Jahren hatten einige Anleger nach Andersons Amtsantritt auf eine Aufspaltung gedrängt. Heute sei Bayer jedoch in einer deutlich besseren Position, erklärte der Konzernchef.
Bayer baut Bürokratie weiter ab
Beim Bürokratieabbau sieht Anderson deutliche Fortschritte durch das Programm "Dynamic Shared Ownership", das vor allem auf den Abbau von Leitungspositionen und Hierarchien setzt. Bayer sei heute wahrscheinlich eines der am wenigsten bürokratischen Großunternehmen. Im abgelaufenen Quartal wurden im Zuge des Programms keine weiteren Stellen abgebaut. Anderson schloss einen weiteren Stellenabbau allerdings nicht aus.
Bayer senkt Prognose für Verschuldung
Den währungsbereinigten Umsatzausblick für 2026 von 45 bis 47 Milliarden Euro bestätigte Bayer; inklusive Wechselkurseffekten stieg der Ausblick leicht auf 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro.
Die Prognosen für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben exklusive sowie inklusive Wechselkurseffekten unverändert bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro beziehungsweise bei 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro.
Optimistischer blickt die Bayer-Chefetage auf die Verschuldung. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende nun bei 29 bis 30 Milliarden Euro liegen, statt bei den bisher avisierten 32 bis 33 Milliarden Euro. Grund ist ein vor wenigen Wochen bekannt gegebener Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo Global Management. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge drei Milliarden Euro Eigenkapital.
Bayer arbeitet weiter an Glyphosat-Vergleich
Bayer-Chef Anderson treibt die angestrebte Lösung des Glyphosat-Rechtsstreits auch über den Erfolg vor dem Obersten Gerichtshof hinaus voran. Am 19. August steht eine Anhörung für eine mögliche endgültige Genehmigung eines Anfang des Jahres angekündigten Sammelvergleichs zur Beilegung der Roundup-Rechtsstreitigkeiten in den USA an. Die Entscheidung des Richters wird im weiteren Jahresverlauf erwartet.
Im Rahmen des Vergleichs wird Bayer bis zu 21 Jahre lang abnehmende, gedeckelte jährliche Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leisten. Anderson zufolge wird zudem erwogen, einige Kläger in den Sammelvergleich aufzunehmen, die zunächst davon ausgeschlossen waren. Dazu soll die Zeit bis zur abschließenden Anhörung vor dem zuständigen Gericht in St. Louis genutzt werden. Weitergehend wollte sich der Bayer-Chef dazu nicht äußern.
LEVERKUSEN (dpa-AFX) und Dow Jones Newswires
Ausgewählte Hebelprodukte auf Bayer
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Bayer
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Arseniy Krasnevsky / Shutterstock, Taina Sohlman / Shutterstock.com
Aktuelle Bayer Aktie News
Bayer Analysen
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Bayer nach folgenden Kriterien zu filtern.
Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 10.08.26 | Bayer Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 05.08.26 | Bayer Buy | Deutsche Bank AG | |
| 05.08.26 | Bayer Buy | UBS AG | |
| 05.08.26 | Bayer Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 05.08.26 | Bayer Buy | Goldman Sachs Group Inc. |
