Merkel schließt Baustopp von Nord Stream 2 nicht aus
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel will wegen des Giftanschlags auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny den Stopp der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 nicht mehr ausschließen. Das erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.
"Die Kanzlerin hat sich der Äußerung des Außenministers vom Wochenende angeschlossen", erklärte Seibert. "Die Bundeskanzlerin sieht es auch so, dass es falsch ist, etwas auszuschließen."
Man berate gemeinsam mit den Partnern der Europäischen Union über mögliche Konsequenzen. Es sei noch zu früh, um "unserer gemeinsame, mit den Partnern gründlich beratene europäische Reaktion" bereits heute darzulegen.
Maas hatte am Wochenende erstmals mit dem Stopp des vorwiegend russisch-deutschen Gasröhrenprojekts Nord Stream 2 gedroht. "Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Russen uns zwingen, unsere Haltung zu Nord Stream 2 zu ändern", sagte Maas zu Bild am Sonntag. Zuvor hatte die Bundesregierung eine Verknüpfung des Falls Nawalnys mit dem deutsch-russischen Gasprojekt vermieden. Seibert betonte, dass Nord Stream 2 kein rein russisch-deutsche Projekt sei, sondern auch andere europäische Ländern investiert seien.
Die Bundesregierung rief Russland auch erneut dazu auf, sich zur Vergiftung von Nawalny zu erklären. Laut Maas gibt es "viele Indizien" dafür, dass der russische Staat hinter dem Giftanschlag steckt. Seibert sagte, Merkel habe bislang noch nicht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Fall Nawalny gesprochen.
Ein Stopp von Nord Stream 2 könnte zu wirtschaftlichen Schaden bei mehr als 100 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern führen, von denen laut Bundesregierung etwa die Hälfte aus Deutschland stammt.
Die etwa 2.100 Kilometer lange Ostsee-Pipeline soll Gas direkt von Russland nach Deutschland bringen und ist nahezu fertig gestellt. Das Nord-Stream-2-Konsortium wird vom russischen Gazprom-Konzern angeführt, der die Hälfte der Finanzierung des 9,5 Milliarden Euro schweren Projekts aufbringt. Zu den Beteiligten gehören die deutschen Unternehmen Uniper und Wintershall.
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September 07, 2020 06:19 ET (10:19 GMT)