Milliardenwette im All

Rocket Lab holt mit Iridium-Übernahme zum Schlag gegen SpaceX aus


Rocket Lab holt mit Iridium-Übernahme zum Schlag gegen SpaceX aus

Rocket Lab will Iridium für 8 Milliarden US-Dollar schlucken und kopiert damit das Erfolgsrezept von SpaceX. Droht dem Musk-Konzern nun ernsthafte Konkurrenz?

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• Rocket Lab übernimmt Iridium für rund 8 Milliarden US-Dollar
• Satellitennetz ergänzt Raketen- und Raumfahrtgeschäft
• Finanzierung und Behördenfreigaben bleiben zentrale Risiken

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Rocket Lab baut sich seinen eigenen Weltraumkonzern zusammen. Für rund 8 Milliarden US-Dollar will der Raketenbauer den Satellitenbetreiber Iridium Communications übernehmen und sich damit vom reinen Startdienstleister zu einem vertikal integrierten Anbieter wandeln, der Trägerraketen, Satellitenbau und ein eigenes Funknetz unter einem Dach bündelt. Das Vorbild liefert ausgerechnet der größte Rivale: Genau dieses Zusammenspiel aus Raketen und einem proprietären Netz hat SpaceX mit seinem Starlink-Geschäft an die Spitze gebracht. Erstmals rückt damit ein börsennotierter Wert in die Nähe des Modells, das Elon Musks Konzern, der seit Mitte Juni 2026 an der Börse ist, erfolgreich gemacht hat.

Erfolgsrezept von SpaceX nachgebaut

In seiner Investorenpräsentation spricht Rocket Lab selbst von einer Abkürzung. Iridium löse auf einen Schlag die drei größten Hürden beim Aufbau eines Satellitenfunkgeschäfts: den Zugang zu knappem Funkspektrum, die lange Durststrecke zwischen Investition und erstem Umsatz sowie die Jahre, die der Aufbau eines zahlenden Kundenstamms verschlingt. Iridium bringt ein global koordiniertes Netz aus 66 Satelliten im erdnahen Orbit mit, dazu Spektrum im L-Band und mehr als 2,55 Millionen Abonnenten aus Behörden, Verteidigung, Luft- und Schifffahrt. Vor allem aber liefert das Geschäft wiederkehrende Erträge: 2025 setzte Iridium 871,7 Millionen US-Dollar um, knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahr, bei einem operativen EBITDA von 495 Millionen US-Dollar und damit einer Marge von 57 Prozent. Künftig sollen Rocket Labs Raketen die Satelliten ins All bringen und dadurch die bisher externen Startkosten einsparen.

Der Abstand zu Musks Schwergewicht bleibt riesig

So überzeugend die Logik klingt, die Größenverhältnisse bleiben extrem. SpaceX kam zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie auf eine Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar und setzte im jüngsten Geschäftsjahr etwa 18,7 Milliarden US-Dollar um, ungefähr das Zwölffache der insgesamt rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die Rocket Lab und Iridium gemeinsam erlösen. Rocket Lab selbst schreibt weiter rote Zahlen, bei einem Jahresumsatz von zuletzt 601,8 Millionen US-Dollar und einem Plus von knapp 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Iridium liefert zwar Gewinn und Cashflow, ist mit einem einzigen Netz aber kein Gegengewicht zu Starlink, das mit Tausenden Satelliten den Massenmarkt für Satelliteninternet besetzt. Rocket Lab zielt aber auch nicht auf Breitband für Endkunden, sondern auf sicherheitskritische Nischen wie Behördenfunk, Navigation und Verbindungen direkt zum Endgerät.

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Wo der Plan wackelt

Die Finanzierung zeigt, wie groß der Bissen für Rocket Lab ist. Den Baranteil von 27 US-Dollar je Iridium-Aktie - Teil eines Gesamtangebots von 54 US-Dollar je Anteil, das einer Prämie von rund 24 Prozent auf den Schlusskurs vom 26. Juni entspricht - stemmt das Unternehmen über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden US-Dollar von Deutsche Bank und Wells Fargo sowie über weiteres Fremd- und Eigenkapital. Letzteres kann die Anteile bestehender Aktionäre verwässern. Hinzu kommt das regulatorische Risiko: Der Abschluss ist erst für Mitte 2027 geplant und hängt an der Zustimmung der Iridium-Aktionäre und der Behörden, die bei Spektrum und nationaler Sicherheit genau hinsehen dürften. Und SpaceX baut seinen Vorsprung längst weiter aus, etwa mit orbitaler Recheninfrastruktur für künstliche Intelligenz.

Für Anleger ist die Auswahl überschaubar. SpaceX ist seit dem 12. Juni 2026 zwar unter dem Kürzel SPCX an der NASDAQ notiert, doch der frei handelbare Anteil ist mit gut vier Prozent des Kapitals winzig, die Stimmrechte liegen zu über 80 Prozent bei Musk. Die liquideren Wetten auf das vertikal integrierte Modell bleiben damit Rocket Lab und, bis zum Abschluss, Iridium. Der nächste harte Prüfstein steht jedoch schon vor dem Closing an: Gelingt der Neutron-Rakete der für das vierte Quartal 2026 geplante Erstflug, untermauert Rocket Lab seinen Anspruch, im mittelschweren Startsegment eine echte Alternative zu SpaceX zu sein. Misslingt er, steht der gesamte Plan über acht Milliarden in deutlich düsterem Licht.

So reagieren die Aktien

Die Aktie von Rocket Lab, die am Montag an der NASDAQ rund 16 Prozent zulegen konnte, zeigte sich am Dienstag letztlich 3,71 Prozent höher bei 101,65 US-Dollar. Iridium präsentierte sich nach einem Kurssprung von 25,44 Prozent im regulären Handel bei 54,85 US-Dollar 0,48 Prozent fester. Überschaubare Sorgenfalten zeigten sich bei SpaceX-Anlegern: Nach einem kräftigen Plus von 7,15 Prozent zum Wochenstart gewann die Aktie 4,06 Prozent auf 170,86 US-Dollar.

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Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: SpaceX

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07.07.26 SpaceX Buy Deutsche Bank AG
07.07.26 SpaceX Overweight JP Morgan Chase & Co.
07.07.26 SpaceX Outperform Bernstein Research
07.07.26 SpaceX Outperform RBC Capital Markets
07.07.26 SpaceX Buy Goldman Sachs Group Inc.