ifo-Prognose: Deutsche Wirtschaft vor Wachstum - gegenläufige Kräfte sorgen für Unsicherheit

Das Münchner ifo-Institut rechnet damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr um jeweils 0,8 Prozent steigen wird.
Bisher hatte das ifo-Institut für dieses Jahr einen Zuwachs von 0,8 Prozent und für das nächste Jahr von 1,2 Prozent veranschlagt. "Während ein massiver Energiepreisschock durch den Nahost-Konflikt die Konjunktur bremst, stützt eine stark expansive Finanzpolitik das Wachstum. Die Wirtschaft steht konjunkturell im Zeichen gegensätzlicher Kräfte", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Das moderate Wachstum sei jedoch teuer erkauft und belaste die Staatskassen massiv. Aufgrund hoher staatlicher Mehrausgaben für Infrastruktur, Verteidigung und Klimaneutralität werde das Finanzierungsdefizit des Staates von 2,8 Prozent im Vorjahr auf voraussichtlich 4,1 Prozent im Jahr 2026 und sogar 4,9 Prozent im Jahr 2027 steigen.
Gleichzeitig sorge der Energiepreisschock durch den Iran-Krieg für einen Kaufkraftverlust von rund 34 Milliarden Euro, was die Inflation im Jahr 2026 auf 2,9 Prozent treiben werde, bevor sie 2027 auf 2,7 Prozent sinken dürfte.
Für die kommenden Jahre zeichnete das ifo-Institut ein düsteres Bild und mahnte tiefgreifende Reformen an. Da der demografische Wandel und eine schwache Produktivität das langfristige Wachstumspotenzial bis zum Ende des Jahrzehnts auf historisch niedrige 0,1 Prozent drückten, wirkten die aktuellen staatlichen Geldspritzen lediglich wie eine kurze Atempause.
Zudem sei die Prognose mit Risiken behaftet: Sie stehe und falle mit der Entspannung im Nahen Osten - sollten der Konflikt erneut eskalieren und die Energiepreise hoch bleiben, drohten deutlich stärkere konjunkturelle Bremsspuren.
DJG/apo/hab
Dow Jones Newswires
Weitere News
Bildquellen: Smit / Shutterstock.com