Micron-Aktie vor der nächsten Etappe: Was laut einem Analysten für weitere Kursgewinne spricht
Micron Technology hat 2026 bereits eine außergewöhnliche Börsenrally hingelegt. Doch aus Sicht eines Analysten könnte der eigentliche Bewertungshebel erst noch zum Tragen kommen.
Werte in diesem Artikel
- TD Cowen bleibt bei Kaufvotum für Micron Technology-Aktie
- Noch hohes Kurspotenzial, obwohl Margenexpansion fast abgeschlossen sein dürfte
- Ein neues Forschungslabor unterstreicht die langfristigen Ambitionen
Das Analysehaus TD Cowen hat die Kaufempfehlung für die Micron Technology-Aktie bekräftigt und ein Kursziel von 1.600 US-Dollar genannt. Gemessen am Mittwochsschlusskurs des Papiers an der NASDAQ von 926,55 US-Dollar sieht Analyst Krish Sankar somit noch ein Aufwärtspotenzial von satten 72,7 Prozent. Dabei hat die Micron-Aktie seit Jahresbeginn bereits rund 225 Prozent hinzugewonnen.
Am Donnerstag geht es im vorbörslichen NASDAQ-Handel zeitweise um weitere 1,26 Prozent auf 938,25 US-Dollar nach oben.
Der Experte begründete seine Einschätzung mit günstigen Nachfragebedingungen, obwohl die Margenexpansion bereits in einer späten Phase stecke. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob sich ein Einstieg trotz des bereits starken Kursanstiegs in diesem Jahr immer noch lohnen könnte.
TD Cowen: Nachfrage trägt trotz später Zyklusphase
Laut Analyst Krish Sankar befinde sich Micron bei der Nachfrage weiterhin mitten im Zyklus, auch wenn die Bruttomargenexpansion in die Endphase eingetreten und bereits zu rund 80 Prozent abgeschlossen sei. Das Analysehaus rechnet laut "Investing.com" damit, dass die Bruttomargen im zweiten Kalenderquartal 2027 mit rund 89 Prozent ihren Höhepunkt erreichen werden, nach einem Wachstumszyklus von 18 Quartalen.
TD Cowen erwarte für das Novemberquartal einen Gewinn pro Aktie von rund 37 US-Dollar, was laut "Investing.com" oberhalb der Konsenserwartungen liegt. Dies würde allerdings nur ein moderates Übertreffen im einstelligen Prozentbereich darstellen, nachdem die Erwartungen in den drei vorangegangenen Quartalen im Schnitt um 35 Prozent übertroffen wurden. Das Analysehaus geht davon aus, dass sich das Ausmaß positiver Gewinnrevisionen künftig verlangsamen dürfte. TD Cowen sieht das Chance-Risiko-Verhältnis vor der Bilanzvorlage jedoch weiterhin positiv.
Micron-Aktie vor weiterem Kursschub? Nicht nur Gewinnwachstum, sondern Neubewertung im Blick
Der TD Cowen-Analyst argumentiert laut "MarketWatch" zwar, dass die bisherige Kursrally vor allem durch das enorme Gewinnwachstum von Micron getragen wurde. Ein zweiter, bislang weitgehend fehlender Kurstreiber könnte nun jedoch hinzukommen: eine höhere Bewertung der Gewinne durch den Kapitalmarkt. So sei Micron zuletzt auf Basis der erwarteten Gewinne mit einem vergleichsweise niedrigen KGV von 5,77 gehandelt worden. Sankar sieht die Möglichkeit, dass der Markt dem Unternehmen künftig ein KGV von etwa neun zugesteht. In Kombination mit den erwarteten Gewinnen ergäbe sich daraus laut seiner Analyse ein Kurs von rund 1.600 Dollar.
Das Entscheidende an dieser These ist dabei vor allem die dahinterstehende Annahme: Der Markt könnte Micron irgendwann nicht mehr als klassischen zyklischen Speicherhersteller bewerten, sondern als strukturellen Profiteur des KI-Infrastrukturbooms. Darauf setzt der Experte mit seiner "Rerating"-These.
Was bedeutet das für Anleger, die die Rally bei Micron bisher verpasst haben?
Die entscheidende Erkenntnis ist: Eine verpasste Rally ist für sich genommen kein Investmentargument – weder für einen Kauf noch gegen einen Kauf. Wer Micron heute betrachtet, kauft nicht die Aktie von Anfang 2026. Er kauft ein Unternehmen mit massiv gestiegenen Erwartungen.
Für einen Einstieg sprechen die fundamentalen Veränderungen im Speichergeschäft: die starke KI-Nachfrage, die Bedeutung von HBM, die hohen Margen und die Aussicht auf längerfristig bessere Nachfragebedingungen als in früheren Speicherzyklen. Auf der anderen Seite steht die inzwischen deutlich höhere Fallhöhe. Der Markt erwartet bereits viel. Selbst ein hervorragendes Quartal könnte deshalb enttäuschen, wenn der Ausblick nicht noch besser ausfällt. Zudem haben die vergangenen Handelstage gezeigt, wie empfindlich KI-Aktien auf Zweifel am weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur reagieren können.
Für Nachzügler ist Micron damit vor allem eine Wette darauf, dass sich der Charakter des Unternehmens dauerhaft verändert. Wer glaubt, dass HBM und KI-Speicher zu einem strukturell größeren und profitableren Markt führen und Micron seine Stellung dort ausbauen kann, findet in der aktuellen Bewertung weiterhin eine Investmentthese. Wer dagegen davon ausgeht, dass sich die derzeit außergewöhnlichen Margen irgendwann wieder dem historischen Speicherzyklus annähern, muss die aktuelle Bewertung wesentlich kritischer betrachten.
Carolin Ludwig, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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