Goldman bleibt bei „Sell“ für die Aktie: Fünf Herkulesaufgaben für den neuen Adobe-CEO
Goldman Sachs bleibt bei „Sell“ und listet fünf strategische Fragen auf, die Anil Chakravarthy ab Dezember 2026 beantworten muss.
Werte in diesem Artikel
- Goldman bleibt skeptisch und will erst klare Belege sehen
- Im Kampf um den Workflow zählt nicht mehr nur Modellqualität
- Beim Design-Tool Express droht Rückstand auf Canva zu wachsen
Goldman Sachs belässt die Einstufung für die Adobe-Aktie auf „Sell“ und nennt fünf Herausforderungen für die neue Führung. Anil Chakravarthy übernimmt am 1. Dezember 2026 den CEO-Posten von Shantanu Narayen. Die Bank will vor einer Neubewertung eindeutigere Belege für Strategie und Umsetzung sehen.
Goldman sieht Wettbewerb und KI-Sorgen
Die Analysten begründeten ihr „Sell“ laut Investing.com mit verschärftem Wettbewerb und neuen Marktteilnehmern in potenziellen Wachstumsfeldern. Der Führungswechsel könne laut Goldman ein Katalysator sein.
Entscheidend sei, ob die neue Führung wesentliche strategische Änderungen vornimmt oder den bestehenden Drei- bis Fünfjahresplan weitgehend fortschreibt. Ein erfolgreicher Turnaround hänge laut Goldman davon ab, dass Adobe die Produktarchitektur vereinfacht, Innovation durch Investitionen und gezielte Zukäufe beschleunigt und neue Funktionen in Umsatz ummünzt.
Firefly, Zukäufe und Nutzerwachstum
Beim ersten Punkt verweist Goldman auf die Verlagerung von eigenen Firefly-Modellen hin zur Creative Cloud als Plattform, die KI-Modelle von Drittanbietern bündelt. Damit gehe es weniger um Modellqualität als um die Kontrolle des Workflows. Bei Übernahmen erwartet die Bank eher kleinere Deals für Technologie und Fachkräfte als einen großen Wurf, ähnlich wie bei Salesforce und Workday. Adobe will laut eigener Präsentation Topaz Labs übernehmen.
Die monatlich aktiven Nutzer über Acrobat, Creative Cloud, Express und Firefly hätten im dritten Quartal 2026 laut Goldman eine Milliarde überschritten. Monetarisiert werden soll über Free-to-Paid-Umwandlung, höherpreisige Tarife und Gebühren bei aufgebrauchten GenAI-Credits.
Express hinter Canva, Experience Cloud offen
Uneinheitliche Produktentwicklung habe Express hinter Canva zurückfallen lassen, so Goldman. Die Bank schätzt Express für 2025 auf rund 70 Millionen monatlich aktive Nutzer, während Canva über 265 Millionen erreiche.
Bei der Experience Cloud, die rund ein Viertel der Abonnement-Einnahmen stellt, bleibe offen, ob die Orchestrierungsrolle ein eigenständiges Geschäft wird oder vor allem bestehende Produkte schützt.
Zahlen, Personal und Analysten bei Adobe
Operativ lief das Quartal bis Ende August 2026 solide: Der Umsatz stieg laut Adobe um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden US-Dollar, und die Jahresziele wurden angehoben. Der Auftragsbestand wuchs mit 8 Prozent langsamer, was das Management mit Freemium und Saisonalität erklärte. Zugleich stiegen Umsatzkosten der Subscription von 510 auf 633 Millionen US-Dollar.
Personell ist das Bild unruhig: Der CFO-Posten ist seit Juni 2026 nur kommissarisch durch Steven Day besetzt, David Wadhwani verlässt das Unternehmen.
Die Zahlen im Dezember 2026 werden zeigen, ob die neue Führung Kurs hält.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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