Onlinehandel wehrt sich gegen Regulierungsforderungen
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Onlinehandel in Deutschland hat mit "großem Unverständnis" auf Forderungen nach einer Regulierung der Branche reagiert. Zum wiederholten Mal forderten Politiker der CDU, dass zum Schutz und Hilfe des stationären Handels und der Innenstädte der Onlinehandel zusätzlich besteuert oder begrenzt werden solle, monierte der Bundesverband Onlinehandel (BVOH). "Leider zeigen diese Einschätzungen zum Onlinehandel wieder einmal, wie falsch die Politik die Lage einschätzt", beklagte der Verband.
Über die Hälfte aller Onlinebestellungen würden von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) verarbeitet. In Deutschland sorgten rund 160.000 gewerbliche Unternehmen dafür, dass die Verbraucher benötigte Produkte erhielten. Auch kauften viele Unternehmen der Dienstleistungsbranche und kleinere Produktionsfirmen bei diesen KMU-Händlern ein. Alleine bei KMU-Onlinehändlern seien laut einer neuen Studie über 1,7 Millionen Beschäftigte tätig und in diesem Jahr über 250.000 neue Mitarbeiter eingestellt worden. Der Verband betonte, "dass Onlinehandel nicht gleich Amazon ist". Über 50 Prozent der Bestellungen auf Amazon gingen an KMU-Händler, die über Amazon verkauften.
Verbandspräsident Oliver Prothmann führte die Versuche, den Onlinehandel zu regulieren und mit weiteren Abgaben zu belegen, auf eine "Wahrung des Besitzstandes des stationären Handels" sowie fehlende Steuerzahlungen zurück. "Subventionen in auslaufende Geschäftsmodelle, wie wir es aus der Stahlindustrie und Kohleabbau kennen, verzögern die Erneuerung des Handels, aber sorgen nicht dafür, dass er gesundet", betonte er. Es wäre der Regierung möglich gewesen, über eine Digitalsteuer große Online-Konzerne zusätzlich zu besteuern. "Dies hat die Bundesregierung, die aktuell nach weiteren Steuern ruft, verhindert", betonte Prothmann.
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December 21, 2020 04:15 ET (09:15 GMT)