Palantir im Fokus

Palantir-Aktie leichter: Proteste gegen ICE-Software treffen auf Rekordquartal und Karps KI-Warnung


Palantir-Aktie leichter: Proteste gegen ICE-Software treffen auf Rekordquartal und Karps KI-Warnung

In Honolulu demonstrierten Bürgerrechtsgruppen gegen Palantir, während CEO Alex Karp die KI-Branche erneut scharf kritisiert.

Werte in diesem Artikel
Aktien

151.72 EUR -0.28 EUR -0.18 %

  • Bürgerrechtsgruppen ziehen wegen ICE-Kooperation gegen Palantir vor Gericht
  • Karp wirft KI-Laboren marxistische Züge vor und warnt vor Vermögensungleichheit
  • Analystenhäuser bleiben nach starkem Quartal mehrheitlich optimistisch
Werbung

Vor dem Pacific Guardian Center in Honolulu demonstrierten Bürgerrechtsgruppen am Montag gegen Palantir Technologies und dessen Überwachungssoftware, die nach Ansicht der Organisatoren US-Einwanderungsbehörden bei Abschiebemaßnahmen unterstützt. Die Kundgebung fällt in eine Phase, in der Palantir nach einem Rekordquartal im Rampenlicht steht und CEO Alex Karp mit ungewöhnlich scharfen Warnungen zur Marktmacht großer KI-Labore auffällt.

Protest in Honolulu richtet sich gegen ICE-Kooperation

Mehrere Bürgerrechtsgruppen, darunter die ACLU of Hawaii, das Indivisible Hawaii Statewide Network, die Oahu Rapid Response Coalition und Hawaii J20+, versammelten sich am Montag für eine Stunde vor dem Pacific Guardian Center. Die Organisatoren äußerten Sorge über den Einsatz von Palantir-Technologie durch US-Bundesbehörden, insbesondere die Einwanderungsbehörde ICE und die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP, die auf Software zurückgreifen sollen, um aus staatlichen Datenbanken Personen und Orte für Abschiebemaßnahmen zu identifizieren.

Catherine Titzer von der ACLU of Hawaii forderte ein ordentliches Rechtsverfahren für jeden US-Bürger und kritisierte, dass Unternehmen wie Palantir, das Datenanalyse- und KI-Plattformen wie Gotham und Foundry für staatliche und kommerzielle Kunden entwickelt, Verträge mit der US-Regierung schließen, ohne dass der Datenzugriff durch einen Durchsuchungsbeschluss abgesichert sei. Die Demonstranten nannten zudem Bedenken bezüglich Massenüberwachung, vorausschauender Polizeiarbeit und Eingriffen in die Privatsphäre als Beweggründe für ihre Teilnahme.

Werbung

Karp wirft KI-Laboren marxistische Tendenzen vor

Palantir positioniert sich als Anbieter model-agnostischer Software, die Kunden die volle Kontrolle über eigene Daten und KI-Prompts belässt, statt diese an Dritt-KI-Labore abzugeben. Im Aktionärsbrief zu den Zahlen des zweiten Quartals 2026 warnte Palantir-CEO Karp erneut, führende KI-Forschungslabore seien für Unternehmen zu wenig vertrauenswürdig. Wörtlich schrieb er, es gebe marxistische Untertöne im eigenen Geschäft, während andere, darunter viele Entwickler großer Sprachmodelle, wissentlich oder unwissentlich versuchten, die Produktionsmittel ihrer vermeintlichen Partner zu übernehmen.

Schon im Podcast-Interview mit Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner hatte Karp im Juli 2026 gewarnt, künstliche Intelligenz könne eine enorme neue Vermögensungleichheit schaffen, da wenige Beteiligte zehn- bis hundertmal reicher würden, während sich der Lebensstandard der meisten Menschen nur moderat verbessere. Er bezeichnete dies als das größte Problem des Landes und kritisierte zusätzlich die aus seiner Sicht übertriebene Vermarktung von KI durch deren Hersteller als beunruhigend.

Rekordquartal und angehobene Prognose stützen Palantir-Aktie

Am 3. August hatte Palantir Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt: Der Umsatz kletterte um 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,94 Milliarden US-Dollar. Das US-Commercial-Geschäft wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar, das US-Regierungsgeschäft um 90 Prozent auf 809 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen schloss im Quartal Gesamtvertragswerte von 3,37 Milliarden US-Dollar ab, ein Plus von 49 Prozent, darunter ein Rekordwert von 2,13 Milliarden US-Dollar an US-Commercial-Vertragsvolumen. Das GAAP-Nettoergebnis lag bei 1,06 Milliarden US-Dollar bei einer Marge von 55 Prozent.

Werbung

Palantir hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 8,15 bis 8,16 Milliarden US-Dollar an und stellte für das US-Commercial-Geschäft ein Wachstum von mindestens 134 Prozent auf über 3,42 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Karp bezeichnete das Quartal als "otherworldly" und verwies auf die Nachfrage im Bereich souveräner KI-Lösungen.

Bank of America Securities-Analystin Mariana Perez Mora bestätigte wenige Tage nach der Zahlenvorlage ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 255 US-Dollar, während UBS-Analyst Karl Keirstead sein Kursziel am Tag nach der Zahlenvorlage von 200 auf 220 US-Dollar anhob und bei Buy blieb. Deutsche Bank-Analyst Brad Zelnick stufte die Aktie am selben Tag von Hold auf Buy hoch und nannte ein Kursziel von 200 US-Dollar. Im NASDAQ-Handel am Dienstag begab sich die Palantir-Aktie auf Richtungssuche und wechselte im Verlauf mehrfach das Vorzeichen. Zum Handelsende stand dann ein Minus von 0,17 Prozent auf 174,94 US-Dollar an der Kurstafel.

Ob sich die Proteste gegen die ICE-Zusammenarbeit auf weitere US-Städte ausweiten, dürfte auch davon abhängen, wie Palantir öffentlich auf die Kritik reagiert. Für die Aktie rückt derweil bereits der nächste Zahlentermin im November 2026 in den Blick, an dem sich zeigen dürfte, ob sich die Wachstumsdynamik aus dem Sommer fortsetzt.

Julia Walter, Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Piotr Swat / Shutterstock.com

Aktuelle Palantir Aktie News

Werbung

Palantir Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Palantir nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

Keine Analysen gefunden.