Aktien von Micron, Intel, AMD, CrowdStrike und Co. mit historischer Rally: Was nach dem Rekordquartal zählt
Chip- und Cyberwerte haben gerade ihr stärkstes Quartal überhaupt hinter sich gebracht, doch die entscheidende Frage stellt sich für Anleger erst jetzt.
Werte in diesem Artikel
- Micron, Intel und AMD trieben historische Rally der Chipwerte an
- Palo Alto Networks und CrowdStrike verbuchten ihr bestes Quartal überhaupt
- Fürs zweite Halbjahr rückt nun die gestreckte Bewertung in den Fokus
Das zweite Quartal 2026 dürfte als Ausnahmequartal in die Börsengeschichte eingehen. Die Anteilsscheine von Micron, Intel und AMD wurden durch eine der heftigsten Aufwärtsbewegungen der Halbleitergeschichte angetrieben: Dabei sprang die Micron-Aktie an der NASDAQ im abgelaufenen Jahresviertel um rund 242 Prozent nach oben, während die Intel-Aktie um 216 Prozent kletterte und Papiere von AMD Gewinne in Höhe von 186 Prozent einfuhren. Daneben legten auch die Anteilsscheine der beiden Cyberkonzerne Palo Alto Networks und CrowdStrike im gleichen Zeitraum kräftig um rund 113 Prozent bzw. rund 95 Prozent zu und verbuchten damit laut CNBC ihr bestes Quartal überhaupt. Die kräftigen Aufwärtsbewegungen speisen sich dabei aus derselben Quelle, der Nachfrage nach künstlicher Intelligenz. Für Anleger verschiebt sich der Fokus nun vom Rückblick auf den Ausblick und die Frage, ob der Rückenwind auch durch das zweite Halbjahr trägt oder die Fantasie längst eingepreist ist.
Die Rally reicht weit über den Marktführer hinaus
Der Auslöser für die spektakuläre Performance im zweiten Quartal war eine Umschichtung innerhalb des KI-Handels. Statt allein auf den Branchenprimus NVIDIA zu setzen, griffen Investoren im Quartal breit nach den Zulieferern des KI-Ausbaus, also nach Speicher, Prozessoren und Netzwerktechnik. Wie Barclays-Analyst Anshul Gupta laut "CNBC" sagte, habe die "Umschichtung von KI-Hyperscalern hin zu KI-Enablern [...] die Euphorie der Anleger auf Halbleiterwerte verlagert und für spektakuläre Kursrallyes gesorgt".
Wie tief der Umschwung reicht, zeigte Micron: Im am 24. Juni 2026 vorgelegten Quartalsbericht vervielfachte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf 41,46 Milliarden US-Dollar und übertraf den Analystenkonsens von 35,69 Milliarden deutlich, die Bruttomarge sprang auf 84,9 Prozent nach 39 Prozent ein Jahr zuvor. Die Micron-Aktie stieg allein daraufhin an nur einem Handelstag um 15,74 Prozent nach oben und erreichte zeitweise ein neues Rekordhoch. Die NVIDIA-Aktie selbst blieb im jüngsten Quartal indes mit einem Plus von nur 14,7 Prozent auffällig zurück.
Cybersecurity wird zur Pflicht im Zeitalter der KI-Agenten
Auf der Softwareseite trieb ein verwandter Motor die Kurse. Autonome KI-Agenten vermehren sich in Unternehmensnetzen rasant und vergrößern die Angriffsfläche, weshalb der Schutz von Identitäten zum gefragtesten Feld der Branche geworden ist. Palo Alto Networks reagierte darauf mit dem Abschluss der rund 25 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme des Identitätsspezialisten CyberArk und meldete für das am 31. Januar 2026 beendete Geschäftsquartal wiederkehrende Erlöse im Sicherheitsgeschäft von 6,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CrowdStrike drehte in die schwarzen Zahlen, mit einem Nettogewinn von 27,8 Millionen US-Dollar nach 104,3 Millionen Verlust ein Jahr zuvor, und hob die Umsatzprognose fürs laufende Geschäftsjahr auf bis zu 5,96 Milliarden US-Dollar an. Beide Konzerne gehören zu den frühen Partnern, wenn KI-Labore ihre Systeme absichern.
Das zweite Halbjahr entscheidet über die Bewertung
Nun dürfte jedoch eine Bewährungsprobe folgen. Nach der Rally notieren viele Titel auf dem höchsten erwarteten KGV seit Jahren, ein erheblicher Teil des künftigen Wachstums ist damit vorweggenommen. Wie schmal der Grat ist, führte CrowdStrike Anfang Juni vor: Trotz überraschend guter Zahlen und angehobener Ziele reagierte die Aktie nach der Bilanzvorlage mit deutlichen Kursverlusten.
Zusätzlich markierten sowohl der NASDAQ Composite als auch der marktbreite S&P 500 in diesem Jahr wiederholt Rekordstände, was den Spielraum für Enttäuschungen zusätzlich verengt. Rückenwind könnte im zweiten Halbjahr von der geplanten MI400-Reihe von AMD kommen sowie von den Rechenzentrumsbudgets der großen Technologiekonzerne, die laut Branchenschätzungen in diesem Jahr auf rund 700 Milliarden US-Dollar zulaufen.
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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