Tesla-Aktie: Warum der Unitree-Börsengang in Shanghai ein gutes Omen für Optimus ist
Ein Roboterbauer aus Hangzhou lässt das Vermögen seines Gründers an einem einzigen Handelstag um Milliarden steigen und liefert damit einen Fingerzeig für Teslas eigene Pläne.
Werte in diesem Artikel
- Chinesischer Roboterrivale sorgt für Aufsehen und wirft ein Schlaglicht auf Optimus
- Analysten sehen den Massenmarkt für humanoide Roboter näher rücken als gedacht
- Tesla baut in Fremont an einer eigenen Fabrik für seinen humanoiden Roboter
Der Börsengang von Unitree Robotics in Shanghai hat gezeigt, wie groß das Anleger-Interesse an humanoiden Robotern inzwischen ist. Für Tesla ist das nicht nur Konkurrenz, sondern auch ein Beleg dafür, dass der Markt, auf den CEO Elon Musk mit Optimus setzt, an Fahrt aufnimmt. Die Tesla-Aktie notierte am Montag an der NASDAQ letztlich 3,83 Prozent schwächer bei 348,95 US-Dollar.
Unitree elektrisiert Anleger in Shanghai
Unitree Robotics, offiziell Yushu Technology Co., feierte am vergangenen Mittwoch sein Debüt am Technologiesegment STAR Market in Shanghai. Die Aktie des humanoiden Roboterbauers legte intraday zeitweise um bis zu 629 Prozent zu, zum Handelsschluss stand ein Plus von 460 Prozent auf 845,00 Yuan gegenüber dem Ausgabepreis von 150,80 Yuan zu Buche. Am Donnerstag folgte ein Rückgang um 18,7 Prozent, am Freitag gab die Aktie weitere 2,1 Prozent auf 672,41 Yuan ab. Möglich wurde die extreme Bewegung durch die Handelsregeln des STAR Market: In den ersten fünf Handelstagen gilt keine tägliche Kursobergrenze, danach greift ein Schwankungsdeckel von 20 Prozent pro Tag.
Mit dem Börsengang nahm Unitree rund 6,1 Milliarden Yuan ein, die Privatanleger-Tranche war Berichten zufolge mehr als 8.000-fach überzeichnet. Für Gründer und Vorstandschef Wang Xingxing, der laut Reuters rund ein Fünftel des Unternehmens hält, bedeutete der Debüttag ein Buchvermögen von mehr als 12 Milliarden US-Dollar. Sein Gesamtvermögen wurde anschließend auf rund 16 Milliarden US-Dollar beziffert. Unitree ist der erste an einer Festlandbörse gelistete Hersteller humanoider Roboter Chinas und zählt unter anderem Tencent, Alibaba und die KI-Firma DeepSeek zu seinen Investoren.
Was das für die Tesla-Aktie bedeutet
Für die Tesla-Aktie ist der Rummel um Unitree kein Grund zur Sorge, sondern eher ein Indiz für die Marktdynamik, auf die Elon Musk mit seinem humanoiden Roboter Optimus setzt. Tesla wandelt einen Teil seiner Fabrik in Fremont in eine Optimus-Fertigung um, die Kapazität von einer Million Robotern jährlich anpeilt, auch wenn Musk vor einem zunächst "quälend langsamen" Hochlauf gewarnt hat. Für 2026 plant der Elektroautobauer nach Angaben von Benzinga Ausgaben von mehr als 25 Milliarden US-Dollar für KI-Rechenleistung, Robotaxis und Optimus, wobei die Ausgaben in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter steigen sollen.
JPMorgan-Analysten um Tim Huang sehen einen Wendepunkt für die Massenproduktion humanoider Roboter nahen und rechnen mit einem Anstieg der weltweiten Auslieferungen von 18.000 Einheiten im Jahr 2025 auf 60.000 im laufenden Jahr. Bis 2030 könnten es demnach 1,75 Millionen Einheiten werden. Morgan Stanley erhöhte seine Prognose für Chinas Auslieferungen humanoider Roboter im Juni 2026 auf 50.000 Einheiten. Zudem soll der chinesische Markt für humanoide Roboter von 2 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr auf 15 Milliarden US-Dollar bis 2030 wachsen. Unitree konkurriert nach Reuters-Angaben direkt mit Tesla und dem Robotik-Spezialisten Boston Dynamics.
Geopolitik als Bremsklotz für Unitree
Ganz frei von Risiken ist Unitrees Expansion nicht. Das Pentagon setzte den Roboterbauer im Juni 2026 auf eine Liste chinesischer Militärunternehmen, was die künftige Nutzung von Unitree-Technologie durch das US-Militär einschränkt, ohne eine Sanktion darzustellen. Im Juli 2026 nahm zudem die US-Kommunikationsaufsicht FCC ausländisch gefertigte humanoide und vierbeinige Roboter auf ihre Covered List, was die Zulassung künftiger Unitree-Modelle in den USA erschwert. Solche Hürden könnten Tesla mit Optimus einen Standortvorteil auf dem heimischen Markt verschaffen, während chinesische Anbieter dort auf regulatorische Widerstände treffen.
Auch Zulieferer könnten von der Entwicklung profitieren: Speicherchiphersteller Micron Technology sieht in humanoiden Robotern einen potenziell bedeutenden neuen Absatzmarkt, da Humanoide nach eigenen Angaben bis zu zehnmal mehr Speicher benötigen könnten als ein durchschnittliches Fahrzeug.
Der Analystenkonsens zur Tesla-Aktie fällt laut TipRanks unterdessen neutral aus: Im Schnitt liegt das Kursziel bei 385,04 US-Dollar. Die Spanne der Einzelschätzungen reicht von 130 bis 505 US-Dollar. JPMorgan-Analyst Rajat Gupta bestätigte am 19. August eine Hold-Einstufung mit Kursziel 445 US-Dollar, während GLJ Research-Analyst Gordon Johnson die Aktie am 18. August auf Sell abstufte und das Kursziel von 1.000 auf 200 US-Dollar kappte, was die Spannbreite der Einschätzungen zur Tesla-Aktie verdeutlicht.
Ob sich der Optimismus rund um humanoide Roboter in belastbaren Stückzahlen niederschlägt, dürfte sich auch an Teslas nächstem Zahlentermin zeigen. Bis dahin bleibt der Fremont-Umbau für die Optimus-Fertigung der wichtigste Gradmesser dafür, wie schnell Tesla dem chinesischen Tempo folgen kann.
Julia Walter, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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