ROUNDUP/Elefant im Raum: Commerzbank-Aktionäre gegen Unicredit


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WIESBADEN (dpa-AFX) - Andrea Orcel bleibt der Commerzbank-Hauptversammlung (Commerzbank) fern - doch der UniCredit-Chef und seine Übernahmepläne für den Dax-Konzern (DAX) sind das bestimmende Thema des Aktionärstreffens. Vor der Halle in Wiesbaden begrüßen Mitarbeiter mit "Unicredit go away"-Transparenten, in der Halle tragen Beschäftigte T-Shirts mit der Aufschrift "We own yellow". Frenetischer Applaus unterbricht immer wieder die Reden von Aufsichtsratschef Jens Weidmann und Vorstandschefin Bettina Orlopp. Deren Botschaft ist eindeutig: Finger weg vom Kaufangebot der Unicredit.

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Wer seine Aktien an die italienische Großbank verkaufe - und das auch noch unter Wert - handele sich erhebliche Risiken ein. Neben den großen Hürden für eine Umsetzung der Unicredit-Pläne müssten die Aktionäre als künftige Miteigentümer der Mailänder Bank auch deren hauseigene Probleme mittragen, warnt Aufsichtsratschef Weidmann und spricht von "einem erhöhten Exposure gegenüber italienischen Staatsanleihen, einer deutlich höheren Quote notleidender Kredite und einem immer noch signifikanten Russlandgeschäft". Die Unicredit ist eine der größten noch aktiven Auslandsbanken in Russland, auch wenn sie jüngst den Verkauf russischer Geschäftsteile an einen Investor vom Persischen Golf eingeleitet hat.

Kaufangebot für sämtliche Commerzbank-Anteile

Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank kontrolliert, hatte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Unicredit-Chef Andrea Orcel bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So will die Mailänder Großbank bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden.

Nach jüngsten Angaben hat sich die italienische Großbank für weitere Anteile den Kaufpreis gesichert und kommt damit zusammen auf 38,87 Prozent der Stimmrechte. Der Bund, der noch gut 12 Prozent hält, lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ebenso ab wie Management, Betriebsrat und Belegschaft des Instituts.

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Die Unicredit habe "das Tor zur Übernahme ganz weit geöffnet und es gibt nicht mehr viel, was dem entgegenzusetzen wäre", meint Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Commerzbank sei daher "gut beraten, jetzt das Maximum für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und uns Aktionäre herauszuholen - wenn es dafür nicht schon zu spät ist".

Orlopp: Bleiben trotz aggressivem Vorgehen gesprächsbereit

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont bei dem Aktionärstreffen: "Mit dem vorliegenden Angebot versucht die Unicredit, die Commerzbank zu einem Preis zu übernehmen, der den fundamentalen Wert und das Potenzial unserer Bank nicht angemessen widerspiegelt." Der Vorstand der zweitgrößten börsennotierten Bank in Deutschland stemmt sich mit dem Abbau von weiteren 3.000 Jobs und mehr KI-Einsatz sowie ambitionierten Gewinn- und Renditezielen bis 2030 gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen Orcels.

"Von Beginn an war der Prozess geprägt von öffentlichem Druck und einer zunehmend aggressiven Vorgehensweise", sagt Orlopp. "Nichtsdestotrotz - und das möchte ich in aller Klarheit betonen: Wir bleiben offen für Gespräche. Sofern es eben eine echte Bereitschaft gibt, die von uns aufgezeigten Punkte zu diskutieren - mit der klaren Absicht, unseren Aktionären eine attraktive Prämie zu bieten."

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Finanziert die Commerzbank ihre eigene Übernahme?

Hendrik Schmidt vom Deutsche-Bank-Vermögensverwalter DWS (DWS Group GmbHCo) gibt zu bedenken: Die Unicredit sei der größte Profiteur der Commerzbank-Rekorddividende von 1,10 Euro für das Geschäftsjahr 2025. Die Mailänder Großbank, die im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes zum Einstieg genutzt hatte, kassiere knapp 350 Millionen Euro, rechnet Schmidt vor. "Nicht nur rhetorisch frage ich den Vorstand: Finanziert das Unternehmen Commerzbank auf diese Weise seine eigene - in Klammern zunehmend - feindliche Übernahme?"

Die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka lobt die Entwicklung der Commerzbank, die 2025 das beste operative Ergebnis in ihrer 156-jährigen Geschichte erzielt hat, und kritisiert Orcel. Es stehe "weiterhin ein Elefant im Raum" und dieser benehme sich "eher wie einer im Porzellanladen: ungestüm und nicht freundlich", sagt Andreas Thomae von Deka Investment.

Das seien keine guten Voraussetzungen, um sich an einen Tisch zu setzen und vernünftig über mögliche Perspektiven zu sprechen. Thomae appelliert an Vorstand und Belegschaft: "Lassen Sie Taten sprechen! Der beste Schutz vor einer Übernahme ist die eigene Wertsteigerung."/ben/stw/DP/stw

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Datum Rating Analyst
08.09.26 Commerzbank Neutral JP Morgan Chase & Co.
07.08.26 Commerzbank Buy Deutsche Bank AG
07.08.26 Commerzbank Neutral JP Morgan Chase & Co.
06.08.26 Commerzbank Kaufen DZ BANK
06.08.26 Commerzbank Neutral JP Morgan Chase & Co.

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