Rheinmetall-Aktie im Minus: Kritik an Qualitätsmängeln bei Schutzplatten - HENSOLDT, TKMS und RENK im Blick
Qualitätsmängel, Verzögerungen bei Skyranger 30 und eine entschärfte Fliegerbombe: Rheinmetall gerät unter Druck - während die Auftragsbücher weiter prall gefüllt sind.
Werte in diesem Artikel
- Kritik an Lieferzeiten und Qualitätsproblemen bei Rheinmetall
- Rüstungsaktien am Dienstag mit gemischten Vorzeichen
- Volle Auftragsbücher
Gegenwind für Rheinmetall lieferte am Montag Berlins Innensenatorin Iris Spranger, die im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses erklärte, mehr als 5.200 Schutzplatten für Polizeiwesten aus dem Baujahr 2017 hätten vorzeitig ihre Schutzwirkung verloren; bei Kontrollbeschlüssen sei es zu Durchschüssen gekommen. Spranger nannte dies laut der Deutschen Presse-Agentur ein "absolut nicht hinnehmbares" Qualitätsproblem und sprach von einem skandalösen Vorgang. Sie forderte Schadenersatz und kündigte ein Treffen mit Rheinmetall an. Für den Übergang hat die Polizei bereits 2000 neue Schutzplatten mit höherem Schutzstandard für 1,2 Millionen Euro bestellt, die Lieferung ist für September geplant.
Neben dieser Kritik gab es am Montag noch weitere Meldungen, die die Rüstungsindustrie betreffen. So gab die EU-Kommission die Genehmigung von neuen Rüstungshilfen für die Ukraine im Umfang von 6,1 Milliarden Euro bekannt. Die EU-Kommission teilte mit, dass die neuen Mittel für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen seien. Die Finanzhilfen sind Teil eines Unterstützungsdarlehens von bis zu 90 Milliarden Euro, das in mehreren Tranchen ausgezahlt werden soll und der Ukraine nach Angaben der Kommission die Fortsetzung ihres Abwehrkampfes ermöglichen sowie das Land vor einer Staatspleite bewahren soll. Zuvor waren laut Kommissionsangaben bereits Beschaffungspläne im Umfang von rund 16 Milliarden Euro genehmigt worden, wovon 8,35 Milliarden Euro schon ausgezahlt seien. Der Großteil der Beschaffungen soll bei Rüstungsunternehmen aus der EU erfolgen, zu denen auch der Düsseldorfer Technologie- und Verteidigungskonzern Rheinmetall zählt, der neben Landsystemen und Munition zunehmend auch maritime und unbemannte Systeme abdeckt. Trotz dieser grundsätzlich als sektorpositiv eingeordneten Nachricht gaben Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS am selben Tag im XETRA-Handel gemeinsam nach.
Rheinmetall-Aktie unter Druck
Die Rheinmetall-Aktie ist am Montag gemeinsam mit RENK, HENSOLDT und TKMS gefallen. Die eigentlich als sektorpositiv geltende Nachricht der EU-Kommission konnte den Abwärtsdruck bei den vier Werten nicht aufhalten. Am Dienstag geht es via XETRA für Rheinmetall derweil 0,89 Prozent auf 1.115,20 Euro nach unten. HENSOLDT sinkt 0,18 Prozent auf 86,82 Euro, RENK legt 0,62 Prozent auf 46,73 Euro zu und TKMS klettert 0,44 Prozent auf 90,90 Euro.
Kritik an Lieferzeiten belastet Rheinmetall
Die Kursschwäche fällt in eine Phase, in der Rheinmetall mit kritischen Berichten zu einzelnen Programmen konfrontiert ist. Einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital zufolge verschiebt sich die Auslieferung des Flugabwehrsystems Skyranger 30 von Mitte dieses Jahres auf voraussichtlich Mitte 2027. Rheinmetall widersprach dieser Darstellung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur und erklärte, die Serienauslieferung werde insgesamt nur fünf Monate später abgeschlossen als ursprünglich geplant; als Grund nannte das Unternehmen eine vom Kunden gewünschte Anpassung des Boxer-Fahrmoduls auf einen modernisierten Standard. Beim Radpanzerprogramm Schwerer Waffenträger Infanterie, das in Australien gefertigt wird und einen Auftragswert von rund 2,7 Milliarden Euro für 123 Fahrzeuge umfasst, ist laut Aktenvermerk mit einem Verzug von mindestens elf Monaten wegen Qualitätsproblemen zu rechnen. Rheinmetall bestätigte diesen Verzug nicht.
Volle Auftragsbücher
Der operativen Nachrichtenlage stehen weiterhin volle Auftragsbücher gegenüber. Letzte Woche erteilte die Bundeswehr Rheinmetall einen Zusatzauftrag für mobile Rettungsstationen im Wert von über 500 Millionen Euro brutto; damit steigt die Gesamtstückzahl des Programms auf 165 Systeme im Gesamtwert von mehr als 600 Millionen Euro brutto, die Produktion soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Anfang August hatte Rheinmetall zudem vermeldet, der Auftragsbestand überschreite die Marke von 80 Milliarden Euro, allein im zweiten Quartal dieses Jahres kamen Nominierungen im Volumen von 11,37 Milliarden Euro hinzu. Konzernchef Armin Papperger unterzeichnete zudem ein Memorandum of Understanding mit Lockheed Martin für eine gemeinsame ATACMS-Produktion am Standort Unterlüß, aus der Papperger erste Umsätze für 2028 erwartet.
Fliegerbombe auf Rheinmetall-Gelände entschärft
Neben den operativen Nachrichten gab es noch eine weitere News. So ist auf dem Gelände Rheinmetalls im niedersächsischen Unterlüß am Montagabend eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Der 250-Kilogramm-Blindgänger war laut Polizei Bergen bei Erdarbeiten entdeckt worden, woraufhin am späten Nachmittag das Werksgelände sowie der angrenzende Bereich evakuiert wurden. Mehr als 100 Anwohnerinnen und Anwohner mussten zeitweise ihre Häuser verlassen. Gegen Mitternacht meldete der Kampfmittelräumdienst die erfolgreiche Entschärfung der Bombe.
Martina Köhler, Julia Walter, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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