Beste Börsenphase steht bevor: Doch dieser Indikator warnt Aktien-Anleger
Von November bis April läuft es an der Wall Street historisch besonders gut. Doch Jim Paulsens Indikator für die Finanzbedingungen sendet ein ungewöhnlich negatives Signal.
Werte in diesem Artikel
• November bis April gilt historisch als stärkste Sechsmonatsphase am US-Aktienmarkt
• Jim Paulsens Indikator signalisiert derzeit deutlich restriktive Finanzbedingungen
• Unter vergleichbaren Bedingungen fiel die historische S&P 500-Performance schwächer aus
Paulsen warnt vor der starken Börsensaison
Die traditionell starke Börsenphase von November bis April könnte Anleger dieses Mal enttäuschen. Der erfahrene Marktstratege Jim Paulsen warnt mit Blick auf die Saison 2026/27 davor, allein aufgrund des historischen Kalendereffekts optimistischer für den US-Aktienmarkt zu werden. Hintergrund sind die zuletzt deutlich restriktiver gewordenen Finanzbedingungen in den USA. MarketWatch griff Paulsens Einschätzung Ende September auf.
Die Warnung steht einem bekannten saisonalen Muster gegenüber. Historisch entwickelte sich der Aktienmarkt zwischen November und April im Durchschnitt besser als in den sechs Monaten von Mai bis Oktober. Darauf basiert auch die Börsenweisheit „Sell in May and go away“. Eine Garantie für Kursgewinne bietet das Muster allerdings nicht. Paulsen zufolge verzeichnete die starke Sechsmonatsphase in knapp 25 Prozent der Fälle negative Kursrenditen. Zuletzt war dies unter anderem 2007/08, 2015, 2019 und 2024 der Fall.
Finanzbedingungen haben sich deutlich verschärft
Im Mittelpunkt von Paulsens Warnung steht ein von ihm entwickelter Indikator für die US-Finanzbedingungen. In die Kennzahl fließen mehrere Faktoren ein, darunter die Renditen zwei- und zehnjähriger US-Staatsanleihen, die Zinsstrukturkurve, die Entwicklung des US-Haushalts, das reale Geldmengenwachstum, der Ölpreis, die Reallöhne und die Inflation. Während die Bedingungen von Ende 2024 bis Anfang 2026 noch überwiegend unterstützend waren, haben sich seit Mai sieben der acht betrachteten Faktoren in eine restriktivere Richtung bewegt. Paulsens Financial Conditions Gauge befindet sich damit im restriktivsten Viertel seiner historischen Beobachtungen seit 1970. Bereits am 21. September hatte Paulsen in seinem Newsletter „Paulsen Perspectives“ auf die Verschärfung aufmerksam gemacht. Er widersprach dabei der Einschätzung der US-Notenbank, wonach die breiten Finanzbedingungen nicht als restriktiv einzustufen seien. Paulsen argumentiert, dass mehrere seiner vorlaufenden Faktoren für eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten sprechen.
Historisch deutlich schwächere S&P 500-Renditen
Für Anleger ist vor allem Paulsens Auswertung früherer Marktphasen relevant. Befanden sich die Finanzbedingungen seit 1970 im restriktivsten Viertel, erzielte der S&P 500 während der anschließenden Monate November bis April laut der von MarketWatch aufgegriffenen Analyse im Durchschnitt eine annualisierte Rendite von 4,79 Prozent. Im Viertel mit den lockersten Finanzbedingungen waren es dagegen 18,4 Prozent. Paulsen warnt deshalb davor, das Ende der saisonal schwächeren Sommermonate automatisch als Signal für eine höhere Aktienquote oder den Einsatz zusätzlicher Hebel zu betrachten. Seine Analyse stellt das saisonale Muster nicht grundsätzlich infrage. Sie verweist vielmehr darauf, dass die Entwicklung der Finanzbedingungen in der Vergangenheit erheblichen Einfluss darauf hatte, wie erfolgreich die traditionell starke Börsenphase tatsächlich ausfiel. Für die Saison 2026/27 sieht Paulsen aufgrund der seit Mai restriktiven wirtschaftlichen und geldpolitischen Faktoren Anlass zur Vorsicht.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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