Goldpreis: Russisches Edelmetall strömt nach Hongkong und ordnet den Handel neu
Hongkong hat in sieben Monaten mehr russisches Gold importiert als im gesamten Rekordjahr 2025, während westliche Staaten Beschränkungen für russisches Gold verhängt haben.
- Hongkong hat die westlichen Beschränkungen für russisches Gold nicht übernommen
- Chinas offizielle Goldbestände wachsen, Peking eröffnet zusätzliche Importzentren
- Russische Goldlieferungen nach Hongkong steigen, während andere einbrechen
Hongkong hat von Januar bis Juli insgesamt 112,7 Tonnen Gold russischer Herkunft importiert und damit den bisherigen Jahresrekord von 92,1 Tonnen aus 2025 übertroffen.
Rekordzahlen aus Hongkong
Die Zahlen stammen aus einer Analyse von BullionVault auf Basis der Daten des Census and Statistics Department Hongkong. Im Jahr 2021, vor Russlands Einmarsch in die Ukraine, kamen nur 3,3 Tonnen russisches Gold in die Stadt, was 0,6 Prozent der nicht-monetären Goldimporte entsprach. In den ersten sieben Monaten 2026 lag der Anteil bei 14,7 Prozent.
Die gesamten nicht-monetären Goldimporte erreichten von Januar bis Juli 2026 knapp 766 Tonnen. Allein im Juni gingen mehr als 150 Tonnen ein, das höchste Monatsvolumen seit mehr als zehn Jahren.
Sanktionen verschieben die Ströme
Die London Bullion Market Association nahm im März 2022 alle sechs russischen Gold- und Silberraffinerien von ihren Good-Delivery-Listen. London war zuvor der zentrale Handelsplatz für russische Produzenten, 2019 bis 2021 entsprachen die Exporte nach Großbritannien etwa zwei Dritteln der russischen Minenproduktion. Adrian Ash von BullionVault sagte CNBC, die Lieferungen nach Großbritannien und in andere sanktionierende Länder seien "eingebrochen".
Vita Spivak von Gatehouse Advisory Partners erklärte, der Großteil des Goldes gehe aufs chinesische Festland, da China keine Sanktionen verhängt habe.
Pekings Rolle und der Wettlauf mit Singapur
Chinas offizielle Goldbestände stiegen im ersten Halbjahr 2026 laut S&P Global um mehr als 40 Tonnen, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Die People's Bank of China meldete zudem für August ein Plus von 20 Tonnen auf 2.387 Tonnen, den 22. Monat in Folge mit Zukäufen.
Hongkong führte im Juli ein neues Clearing-System für Gold ein und wirbt um Zentralbanken als Lagerkunden. Rhona O'Connell von StoneX sieht die Stadt im "Wettlauf mit Singapur" um die Hub-Führung und bei der Infrastruktur etwa sechs Monate vorn.
Prognosen für den Goldpreis
Die LBMA-Delegiertenumfrage erwarte laut Kitco in zwölf Monaten rund 5.013,30 US-Dollar je Unze. Die Umfrage von 2025 hatte 4.980,30 US-Dollar erwartet.
Neuere Monatsdaten aus Hongkong werden zeigen, ob der Zufluss russischen Goldes anhält und ob Chinas zusätzliche Importzentren - darunter Shenzhen und Peking - den Anteil der Stadt spürbar drücken.
Folgen für Gold-Anleger
Diese Daten zeigen eine Verlagerung von Handelsströmen, keine neue Nachfrage. Russisches Gold verschwindet durch die Sanktionen nicht vom Weltmarkt, es fließt nur über andere Kanäle, statt über London jetzt über Hongkong nach China. Für den Goldpreis ist das an sich weitgehend neutral, denn das Angebot bleibt ungefähr gleich.
Interessanter ist die Käuferseite. Dass die chinesische Notenbank seit 22 Monaten in Folge zukauft und Hongkong gezielt um Zentralbanken als Lagerkunden wirbt, zeigt ein strukturelles Motiv: Staaten wollen Reserven halten, die außerhalb westlicher Sanktionsreichweite liegen. Dieses Motiv der „Sanktionsresistenz“ ist langfristig und politisch getrieben. Es verschwindet nicht mit dem nächsten Zinsentscheid der Fed, und das spricht für eine stabile Nachfragebasis.
Allerdings sollten die Zahlen nicht überbewertet werden. 20 Tonnen im Monat sind für die PBoC solide, aber kein Gamechanger, zumal der Markt die offiziellen chinesischen Daten ohnehin skeptisch liest.
Die Meldung stützt Gold eher als langfristigen Portfoliobaustein als kurzfristige Spekulation. Ein häufig genannter Rahmen ist ein strategischer Anteil von etwa 5 bis 15 Prozent am Gesamtvermögen. Wer schon investiert ist, findet in den Daten keinen zwingenden Grund für eine Änderung. Wer einsteigen oder aufstocken will, kann die hohe Schwankungsbreite über gestaffelte Käufe oder einen Sparplan abfedern, statt alles auf einmal zu investieren.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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