Vonovia-Aktie dreht in Plus: Rechtsstreit belastet zeitweise - Immobilien-Nachfrage kühlt sich ab
Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia wird von einem Rechtsstreit und dem schwierigen Zinsumfeld belastet.
Werte in diesem Artikel
Im Streit um den Aufbau von Mini-Solaranlagen, sogenannten Balkonkraftwerken, durch Mieter hat die Deutsche Umwelthilfe eine Klage eingelegt. Die Unterlassungsklage sei beim Oberlandesgericht (OLG) in Hamm eingegangen, sagte ein OLG-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.
Die Klage richtet sich gegen den Wohnungskonzern Vonovia mit Sitz in Bochum. Der WDR hatte zuvor über die Klage berichtet. Der Verband kritisiert, dass Vonovia, wie auch andere Wohnungsgesellschaften, seine Mieter eine Gestattungsvereinbarung unterschreiben lässt, bevor diese auf ihren Balkonen Solaranlagen installieren dürfen. Darin sieht die Umwelthilfe ein unzulässiges Ausbremsen und eine unzulässige Hürde.
Ablehnung nur unter strengen Bedingungen
Nach dem Gesetz müssen Mieter zwar eine Erlaubnis des Vermieters einholen und die Anlage bei der Bundesnetzagentur in ein Register eintragen. Vermieter dürfen die Erlaubnis nach einer Gesetzesänderung aber nur ablehnen, wenn sie konkrete oder schwerwiegende Nachteile vorbringen können. Ästhetische Vorbehalte oder die pure Ablehnung von Sonnenenergie zählen nicht.
Die Politik wollte damit ein Signal setzen, um auch in Mietwohnungen die Energiewende zu fördern. Die Energie einer Photovoltaikanlage kann der Mieter über eine übliche Steckdose in den eigenen Stromkreislauf der Wohnung einspeisen und damit die Stromkosten senken.
Wann über die Klage verhandelt wird, ist noch Angaben des Gerichtssprechers noch offen.
Immobiliennachfrage kühlt ab: Zinsumfeld belastet
Mit Inflationssorgen und stark gestiegenen Bauzinsen schrecken viele Menschen vor dem Hausbau oder Wohnungskauf zurück. Das Hamburger Gewos-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung erwartet, dass sich die Nachfrage nach Immobilien dieses Jahr deutlich abkühlt.
Grund für die Trendwende nach zwei Jahren mit steigenden Verkäufen sei ein schlechtes Umfeld infolge des Iran-Kriegs, das zu Kaufzurückhaltung führe. "Neben den Bauzinsen ziehen auch die Baupreise und die allgemeine Teuerung wieder stärker an", schreibt Gewos-Immobilienexperte Sebastian Wunsch. Dazu kämen Sorgen über Kriege und Zollkonflikte sowie eine etwas strengere Kreditvergabe von Banken.
"Erheblicher Dämpfer"
Konkret prognostiziert Gewos, dass die Zahl der Käufe von Wohnimmobilien - Eigenheime, Eigentumswohnungen, Mehrfamilienhäuser und Wohnbauland - in diesem Jahr auf rund 612.000 sinkt. Das wären 4,4 Prozent weniger als 2025. Der Umsatz mit Wohnimmobilien dürfte zudem um 2,0 Prozent auf knapp 211 Milliarden Euro fallen. Bei Wirtschaftsimmobilien seien etwas größere Rückgänge zu erwarten.
Im zweiten Quartal habe die Nachfrage nach Wohneigentum "einen erheblichen Dämpfer" erhalten, sagt Wunsch. So seien die Anfragen auf Inserate bei Immobilienportalen gesunken und Vermarktungszeiträume gestiegen.
Besonders stark dürfte 2026 demnach die Zahl der Eigenheimkäufe schrumpfen mit einem Minus von mehr als fünf Prozent. Ähnlich sehe es bei Wohnbauland aus. Die Transaktionen von Mehrfamilienhäusern dürften dagegen leicht wachsen, denn Investoren profitieren von steigenden Mieten.
Gewos analysiert jährlich abgeschlossene Kaufverträge für alle kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Für die Prognose wurden Daten der Gutachterausschüsse aus dem ersten Halbjahr verwendet. Noch 2025 und 2024 waren der Immobilien-Umsatz und die Verkäufe laut Gewos deutlich gestiegen.
Bauzinsen auf Hoch seit Mai 2011
Hauptgrund für die Abkühlung am Immobilienmarkt sind gestiegene Kreditzinsen infolge des Iran-Kriegs. Zuletzt stiegen die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,25 Prozent jährlich, schrieb die Analysefirma Barkow Consulting. Da sei der höchste Stand seit Mai 2011.
Da Bauherren und Hauskäufer oft hohe Summen per Kredit finanzieren, können schon kleine Aufschläge teuer werden und Pläne durchkreuzen. Experten halten weitere Zinsanstiege für möglich. "Wir nähern uns bei den Bauzinsen langsam den möglichen 4,5 Prozent", schreibt Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung.
Nach Ansicht von Gewos-Experte Wunsch deuten die schwachen Verkäufe von Bauland auf Rückschläge im Wohnungsbau hin. Die Baugenehmigungen, die sich jüngst stark erholten, könnten wieder sinken. "Auch mittelfristig sehen wir aktuell nur ein begrenztes Wachstumspotenzial für den deutschen Immobilienmarkt."
Vonovia-Aktie & Co. im Blick
Aufgrund des schwierigen Zinsumfelds befinden sich Immobilienkonzerne in einem regelrechten Abwärtsstrudel. Heute ließ sich jedoch eine Erholung beobachten: Im XETRA-Handel stieg die Vonovia-Aktie letztlich um 0,53 Prozent auf 17,98 Euro. Die Papiere von TAG Immobilien notierten unterdessen 0,79 Prozent höher bei 11,47 Euro./als/DP/zb
HAMM/FRANKFURT (dpa-AFX)
Ausgewählte Hebelprodukte auf TAG Immobilien
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf TAG Immobilien
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Vonovia SE