Sektor-Favoriten

Industrie schlägt Tech: Das sind Morningstars Sektor-Favoriten


Industrie schlägt Tech: Das sind Morningstars Sektor-Favoriten

Warum Industriewerte vorn liegen und wo Morningstar sonst noch Chancen sieht.

Werte in diesem Artikel
Aktien

55.45 EUR 0.22 EUR 0.40 %

50.56 EUR 0.54 EUR 1.08 %

93.22 EUR 0.40 EUR 0.43 %

21.90 EUR 0.22 EUR 0.99 %

39.20 EUR 2.09 EUR 5.63 %

117.75 EUR -2.55 EUR -2.12 %

62.23 EUR 1.43 EUR 2.35 %

31.40 EUR -0.60 EUR -1.88 %

427.20 EUR 3.80 EUR 0.90 %

435.00 EUR -2.30 EUR -0.53 %

35.86 EUR -0.38 EUR -1.06 %

188.86 EUR -0.74 EUR -0.39 %

Rohstoffe

89.25 USD 1.53 USD 1.74 %

83.24 USD 1.11 USD 1.35 %

  • Industriewerte führen 2026 die Sektor-Performance an, nicht die Technologie
  • SpaceX und Starlink setzen klassische Telekomwerte wie Comcast unter Druck
  • Morningstar nennt für jeden Sektor seine Favoriten fürs dritte Quartal
Werbung

Nach dem scharfen Kursrutsch infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran hat sich der US-Aktienmarkt im ersten Halbjahr kräftig erholt, angeführt von Technologiewerten. Bei der Performance seit Jahresbeginn liegt aber ausgerechnet die Industrie vorn, während sich die Technologiebranche mit Platz zwei begnügen muss. Energieaktien wiederum fielen nach der Ölpreise-Rally im ersten Quartal zuletzt ans Ende des Sektorenfeldes zurück. Morningstar hat für alle elf US-Sektoren die Ausblicke und die favorisierten Aktien für das dritte Quartal vorgelegt, von Rohstoffen über Kommunikation bis hin zu Versorgern.

Rohstoffe und Industrie: Zykliker mit unterschiedlichem Bewertungsbild

Bei den Rohstoffwerten reichte es im zweiten Quartal nach einem starken Jahresauftakt nur für kleine Zuwächse. Seth Goldstein, Senior-Stratege bei Morningstar, hält den Großteil des Sektors inzwischen für fair bewertet oder teuer, sein Favorit bleibt der Industriegashersteller Linde. Ganz anders das Bild bei Industriewerten: Der Sektor legte in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 35 Prozent zu und gilt laut Morningstar-Direktor Suryansh Sharma inzwischen als voll bewertet. Dennoch sieht er punktuell Chancen, etwa bei Landmaschinen, Luft- und Raumfahrt sowie im Bausektor. Zu seinen bevorzugten Werten zählt der Gebrauchtwagenhändler CarMax.

SpaceX bringt Comcast & Co ins Wanken

Im Kommunikationssektor sorgte im zweiten Quartal ausgerechnet ein Raumfahrtunternehmen für Gesprächsstoff: SpaceX. Über das Satelliteninternet Starlink macht der Konzern klassischen Kabelnetzbetreibern wie Comcast zunehmend Konkurrenz, was Anleger nervös macht. Morningstar-Sektordirektor Michael Hodel hält trotzdem an Comcast als einem seiner bevorzugten Werte fest.

Werbung

Konsumsektoren trennen sich in defensiv und zyklisch

Bei den defensiven Konsumwerten reichte es im zweiten Quartal nur für einen mageren Zuwachs, den drittschwächsten Wert unter allen Sektoren. Sektordirektorin Erin Lash sieht darin eine Chance für langfristig orientierte Anleger: Über die Hälfte der von Morningstar abgedeckten Aktien gilt inzwischen als unterbewertet, allen voran der Reinigungsmittelhersteller Clorox. Zyklische Konsumwerte schnitten im Quartalsvergleich besser ab, hinken aber wegen Inflation und steigender Spritpreise über die vergangenen zwölf Monate weiter hinter dem breiten Markt her. Auch hier gilt mehr als die Hälfte der Werte als günstig, besonders in den Bereichen Bekleidung und Reise. Lash setzt hier unter anderem auf den Sportartikelkonzern Nike.

Energie und Finanzwerte kämpfen mit Gegenwind

Energiewerte erlebten eine Achterbahnfahrt: Nach der Ölpreis-Rally durch den Iran-Krieg führten sie im ersten Quartal die Sektorentabelle an, nur um im zweiten Quartal nach einem Friedensabkommen wieder abzurutschen. Morningstar-Energieexperte Joshua Aguilar hält den Sektor derzeit für fair bewertet, sieht aber bei einem möglichen Angebotsüberschuss Chancen, etwa bei Devon Energy. Finanzwerte wiederum blieben im zweiten Quartal hinter dem Gesamtmarkt zurück und zählen mit der zweitschwächsten Zwölfmonatsperformance zu den Nachzüglern, belastet von Sorgen um KI-Disruption und Risse im Kreditgeschäft abseits der Banken. Analyst Sean Dunlop hält die Verluste für wenig differenziert und setzt unter anderem auf Bank of America.

Gesundheit und Immobilien: solide Bilanz trotz Kursdelle

Gesundheitswerte zeigten im zweiten Quartal eine gemischte Entwicklung und blieben zusammen mit Finanzwerten hinter dem Gesamtmarkt zurück, holten über das vergangene Jahr aber dank etwas mehr Klarheit in der Gesundheitspolitik ordentlich auf. Sektorchefin Karen Andersen sieht bei Krankenversicherern und einigen Life-Science-Werten weiterhin Gegenwind, hält Biopharma-Titel aber für aussichtsreich, darunter den Medizintechnikkonzern GE HealthCare Technologies. Immobilienwerte legten seit Jahresbeginn insgesamt zu, liegen über zwölf Monate aber weiterhin deutlich hinter dem breiten Markt. Fast 60 Prozent der von Morningstar abgedeckten Immobilienaktien gelten als unterbewertet, ein weiteres Drittel als fair bewertet. Analyst Kevin Brown zählt unter anderem den Büroimmobilienspezialisten Kilroy Realty zu seinen Favoriten.

Werbung

Technologie und Versorger: zwei Bewertungswelten

Im Technologiesektor gab es im zweiten Quartal deutliche Kursgewinne in einzelnen Bereichen, während Softwarewerte und einige der größten Marktschwergewichte zurückblieben. Analyst Dan Romanoff hält Hardware und Chipwerte für leicht überbewertet, Software dagegen für günstig, sieht aber auch unter den Branchenriesen weiterhin Kaufgelegenheiten wie NVIDIA und Microsoft. Versorger befinden sich seit drei Jahren in einer Aufwärtsbewegung, die vor allem vom steigenden Strombedarf der Rechenzentren getragen wird, verlor im zweiten Quartal aber an Schwung. Die Analysten Travis Miller und Andrew Bischof bleiben mit Blick auf den weiter wachsenden Energiebedarf der KI-Branche optimistisch und nennen DTE Energy als einen ihrer bevorzugten Werte.

Ob sich das Bild zum Ende des dritten Quartals erneut dreht, dürfte stark davon abhängen, wie sich die Lage zwischen den USA und dem Iran weiterentwickelt und ob sich die Gewinnerwartungen für die zweite Jahreshälfte bestätigen. Anleger dürften daher vor allem auf die anstehende Berichtssaison der einzelnen Sektoren achten.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Einschätzungen und Kurspotenziale von Analysten sind keine Garantie für künftige Entwicklungen, insbesondere zyklische und energienahe Sektoren bleiben von geopolitischen Entwicklungen abhängig.

Anzeige: CarMax und tausende weitere Wertpapiere provisionsfrei bei finanzen.net zero.

Bildquellen: sergign / Shutterstock.com, metamorworks / Shutterstock.com