Streit um Geschichte: Polen und Ukraine auf Konfrontationskurs


WARSCHAU (dpa-AFX) - Wenige Wochen vor einer wichtigen Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine in Polen schwelt ein Geschichtsstreit zwischen Warschau und Kiew ungelöst weiter und spaltet die polnische Außenpolitik. Ministerpräsident Donald Tusk gestand in einem Post auf X eine gewisse Ratlosigkeit ein. Weil diplomatische Kontakte keine Lösung gebracht hätten, sollten der polnische Präsident Karol Nawrocki und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj direkt miteinander sprechen, schrieb er. "Die Zusammenarbeit liegt im Interesse unserer Staaten und Völker, der Konflikt hingegen im Interesse Moskaus."

Werbung

Kiew ehrt umstrittene Untergrundkämpfer

Selenskyj hatte den Streit Ende Mai ausgelöst, als er einer Armee-Einheit den Beinamen "Helden der UPA" verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten aber Massaker an Zehntausenden Polen in der heutigen Westukraine verübt.

In Polen stieß die Ehrung der UPA parteiübergreifend auf Empörung. Der rechtskonservative Präsident Nawrocki sagte, Selenskyj sollte der polnische Weiße-Adler-Orden aberkannt werden. Er beriet am Montag in Warschau mit dem Gremium, das die höchste Auszeichnung der Republik Polen vergibt, wie ein Sprecher sagte. Der Präsident werde seine Entscheidung bald bekanntgeben, meldete die Nachrichtenagentur PAP nach diesen Angaben.

Noch zwei Wochen bis zu Wiederaufbau-Konferenz

Zuvor hatte am Wochenende Selenskyjs Kanzleichef Kyrylo Budanow in Warschau mit Vertretern von Regierung und Präsidialamt gesprochen, ohne dass ein Ausweg aus dem Streit bekannt wurde. In Danzig (Gdansk) soll am 25. und 26. Juni eine Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine stattfinden, an der die EU, die G7 und andere Geber beteiligt sind. Polen und die Ukraine sind gemeinsam Gastgeber.

Werbung

Polen stecke in einer Zwickmühle, analysierte die Warschauer Zeitung "Rzeczpospolita" am Dienstag. Es könne die Verherrlichung der UPA nicht hinnehmen, es dürfe als Verbündeter der Ukraine und Ankerstaat der EU- und Nato-Sicherheit im Osten aber auch den Konflikt nicht eskalieren lassen. "Sollte die Konferenz in Danzig ein Reinfall werden, werden wir deutlich schwächere Verhandlungspositionen haben", schrieb das Blatt.

Außenminister: Orden für Schröder, aber nicht für Selenskyj?

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski riet Nawrocki, sich die Aberkennung des 2023 an Selenskyj verliehenen Ordens gut zu überlegen. Sonst behalte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der für Kremlchef Wladimir Putin gearbeitet habe, seinen Weiße-Adler-Oden, Selenskyj, der gegen Putin kämpfe, verliere ihn aber, schrieb Sikorski auf X./fko/DP/stw

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.