Studie: Deutschland droht Klimaziel 2030 zu verfehlen


BERLIN (Dow Jones)--Deutschland hat seine Treibhausgasemissionen im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent erhöht und droht ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen den Anschluss an sein Klimaziel für das Jahr 2030 zu verlieren. Nach einer Auswertung der Klimaschutzorganisation Agora Energiewende stieg 2021 der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) um rund 33 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil von Ökostrom an der gesamten Stromerzeugung hat sich im vergangenen Jahr verringert, während die Kohleverstromung ein Comeback erlebte. Die Gebäude- und Verkehrssektoren verfehlten 2021 ihre gesetzlich festgelegten Klimaziele.

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Haupttreiber für den Emissionsanstieg auf 772 Millionen Tonnen CO2 waren 2021 laut Agora Energiewende die wirtschaftliche Teilerholung nach dem Pandemiejahr 2020, eine höhere Kohleverstromung bedingt durch stark gestiegene Gaspreise, ein Rückgang der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien sowie eine kühlere Witterung.

"Einerseits ist 2021 das Jahr, in dem sich Deutschland die ambitioniertesten Klimaziele seiner Geschichte gesetzt hat. Andererseits wächst die Umsetzungslücke weiter, die die neue Bundesregierung jetzt dringend mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schließen muss", sagte Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende. "Insbesondere beim Klimaschutz im Gebäudebereich und bei den Erneuerbaren Energien gibt es großen Aufholbedarf."

Deutschland will bis 2030 seine Treibhausgasemissionen um mindestens 65 Prozent zum Vergleichsjahr 1990 reduzieren. Das Ziel für 2020, den Ausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, verfehlte Deutschland. Die Reduktion belief sich lediglich auf 38 Prozent, so Aurora.

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Laut Agora-Analyse verfehlte der Gebäudesektor nach 2020 nun auch 2021 das im Klimaschutzgesetz festgelegte Klimaziel, diesmal um 12 Millionen Tonnen CO2. Der Verkehrssektor habe seine Ziele knapp verfehlt, obwohl die Mobilität der Deutschen coronabedingt noch immer eingeschränkt war. Die Emissionen der Industrie hingegen lagen auf dem Zielpfad, weil die Produktion auch 2021 noch etwas gedämpft war.

"Die wirtschaftliche Erholung des vergangenen Jahres war nicht grün. Angesichts des fortgesetzten Konjunkturaufschwungs ist ein weiterer Emissionsanstieg 2022 bereits absehbar. Nur ein schnell wirksames und umfassendes Sofortprogramm der neuen Bundesregierung kann verhindern, dass die Schere zwischen Klimazielen und Klimamaßnahmen noch weiter aufgeht", sagte Müller.

Rückgang bei Ökostrom - Comeback von Kohle

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Ökostromanteil vor allem aufgrund des insgesamt steigenden Stromverbrauchs und ungünstigerer Wetterbedingungen, wie Agora erklärte.

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Der Anteil der erneuerbaren Energien aus Wind und Solar fiel im vergangenen Jahr auf 40,5 Prozent an der gesamten Stromerzeugung im Vergleich zu 43,6 Prozent 2020. Ihr Anteil am Stromverbrauch, also abzüglich des Exportüberschusses, lag 2021 nur noch bei 42,3 Prozent - im Vorjahr hatten sie dank Sondereffekten noch den Höchstwert von 45,6 Prozent erreicht.

Im vergangenen Jahr gab es laut der Agora-Analyse bei der Stromproduktion aus Windkraftanlagen den größten Einbruch aller Zeiten. Gleichzeitig erzielte die Kohleverstromung einen Rekordzuwachs. Sie erhöhte ihren Anteil an der Stromerzeugung bedingt durch hohe Gaspreise um knapp ein Fünftel auf 27,8 Prozent - nach großen Verlusten im Jahr 2020.

"Der starke Rückgang bei den erneuerbaren Energien zeigt die Versäumnisse der Energiepolitik der letzten Jahre auf. Um den Ökostrom-Anteil bis 2030 wie im Koalitionsvertrag vorgesehen nahezu zu verdoppeln, braucht es nun einen massiven und schnellen Ausbau von Wind- und Solaranlagen", sagte Müller. "Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Eine Ausbauoffensive für Solarenergie kann schon ab 2022 dazu beitragen, die Ökostromlücke zu schließen."

Agora forderte, dass die neue Bundesregierung das im Koalitionsvertrag angekündigte Klimaschutz-Sofortprogramm in diesem Jahr abschließt. Mit der Vollendung des Atomausstiegs 2022 und dem laufenden Kohleausstieg müsse das Sofortprogramm eine neue Dynamik für das Erreichen der 2030-Klimaziele schaffen.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/err

(END) Dow Jones Newswires

January 07, 2022 07:32 ET (12:32 GMT)

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