Rheinmetall-Aktie trotz neuem US-Navy-Auftrag weiter im Sinkflug - HENSOLDT, RENK & TKMS im Blick
Die Rheinmetall-Aktie rutscht weiter ab, obwohl die kanadische Tochtergesellschaft einen neuen Auftrag der US-Navy an Land zieht.
Werte in diesem Artikel
- Rheinmetall-Aktie setzt Talfahrt am Freitag fort
- Rheinmetall Canada liefert US-Navy Ersatzteile für Bodenstartgeräte
- Auftragswert liegt im einstelligen Millionenbereich, Auslieferung bis Ende 2028
Die Rheinmetall-Aktie setzte ihre Talfahrt am Freitag via XETRA fort und verlor im Handelsverlauf letztlich 3,38 Prozent auf 1.034,00 Euro. Damit reißt der Abwärtstrend nicht ab, der die deutschen Rüstungswerte seit Wochenbeginn begleitet: Auslöser sind kritische Berichte über Lieferverzögerungen und Qualitätsmängel, die zeitweise auf der gesamten Branche lasteten. Ausgerechnet in diese schwierige Woche fällt nun eine operative Nachricht mit positivem Vorzeichen, die zeigt, wie wenig einzelne gute Meldungen derzeit gegen den Abwärtsdruck ausrichten: Die kanadische Tochtergesellschaft des Konzerns hat einen neuen Auftrag von der US-Marine an Land gezogen. Die Kluft zwischen operativem Fortschritt und Kursverlauf, die den Sektor bereits seit dem Rekordquartal im August begleitet, setzt sich damit fort.
Die Aktien anderer deutscher Rüstungsunternehmen bewegten sich am Freitag tiefer: Während RENK-Anteilsscheine 0,96 Prozent auf 43,16 Euro fielen, verloren auch HENSOLDT-Aktien 2,52 Prozent auf 79,70 Euro. Die TKMS-Aktie notierte derweil 0,12 Prozent schwächer bei 83,20 Euro.
Rheinmetall Canada liefert Ersatzteile für die US-Navy
Rheinmetall Canada beliefert die US-Marine mit Ersatzkomponenten für die mobilen Bodenstartgeräte des Typs MSU-200NAV, mit denen die Marine an Land und an Bord von Schiffen Flugzeugtriebwerke startet. Der Auftrag des US-Verteidigungsministeriums läuft über die Canadian Commercial Corporation und hat nach Unternehmensangaben einen Wert im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, die Auslieferung ist zwischen Ende 2026 und Ende 2028 vorgesehen. Konkret liefert der Standort im kanadischen Saint-Jean-sur-Richelieu Ersatzteile für zwei zentrale Bauteile: den Anlasser, der den Turbinenbetrieb einleitet, sowie die digitale Vollautoritäts-Triebwerkssteuerung, die Leistung, Ablaufsteuerung und Sicherheit der Turbine regelt. Wie aus der Mitteilung von Rheinmetall Canada hervorgeht, sei die MSU auf Zuverlässigkeit, Effizienz und langfristige Verfügbarkeit ausgelegt und dank kompakter Bauweise und geringem Gewicht auch per Lufttransport zu vorgeschobenen Einsatzbasen verlegbar. Der Standort in Quebec übernimmt Entwicklung, Modernisierung und Instandhaltung der Systeme und sichert damit nach eigener Darstellung die langfristige Verfügbarkeit dieser Fähigkeit für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten.
Kritik an Lieferzeiten und Qualität belastet den ganzen Sektor
Der eigentliche Grund für die Kursschwäche liegt jedoch woanders: Bundeswehr und Beschaffungsamt hatten bereits zum Wochenbeginn Verzögerungen bei wichtigen Rüstungsprojekten bemängelt, zusätzlich kursierten erneut Berichte über mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Rheinmetall-Konzernkreis. Am Montag verlor die Aktie deshalb deutlich und zählte zu den schwächeren Werten im DAX, am Dienstag setzte sich der Rückgang fort, bevor am Mittwoch eine kurze Erholung folgte. In der Folge gerieten auch die Wettbewerber unter Druck, weil Anleger ähnliche Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue auch bei ihnen nicht ausschließen. Dass diese Sorgen selbst durch starke Geschäftszahlen kaum zerstreut werden, zeigte sich bereits Anfang August: Rheinmetall hatte für das zweite Quartal einen Umsatz von 3,289 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 69 Prozent gegenüber 1,949 Milliarden Euro im Vorjahresquartal, verbunden mit einem Rekordauftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro. Die Aktie büßte am Tag der Vorlage trotzdem zeitweise rund neun Prozent ein, weil der Konzern die Umsatzprognose für 2026 nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 senkte.
Wie es für die Rheinmetall-Aktie weitergehen könnte
Für die Einschätzung der weiteren Kursentwicklung bleibt der Auftragseingang aus Kanada ein Baustein von vielen, aber kein Befreiungsschlag: Er bestätigt die operative Breite des Konzerns im Bereich der militärischen Bodenunterstützung, ändert aber nichts an den grundsätzlichen Zweifeln, die derzeit den Kurs belasten. Auf der Analystenseite bleibt das Bild trotz der schwierigen Woche mehrheitlich konstruktiv. Zwölf von 13 der von TipRanks erfassten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Demgegenüber steht lediglich eine Halteempfehlung. Das mittlere Kursziel liegt bei 1,701.67 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 63,81 Prozent zum letzten Schlusskurs entspricht.
Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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