Erholung bei US-Techaktien bleibt aus: Marvell, AMD, NVIDIA & Co. kommen nicht aus ihrem Kurstal
Der US-Halbleitersektor setzt seine jüngste Schwächephase fort. Die Gründe für die anhaltend schwachen Kurse sind vielfältig.
Werte in diesem Artikel
• US-Chipsektor setzt Abwärtstrend fort
• Broadcom-Ausblick gilt als zentraler Belastungsfaktor
• Schwäche erfasst mehrere große Halbleiterwerte gleichzeitig
Der US-Halbleitersektor gab am Mittwoch mehrheitlich nach. Arm-Aktien verloren an der NASDAQ 5,37 Prozent auf 307,43 US-Dollar, Micron-Titel gaben 4,70 Prozent auf 891,88 US-Dollar nach, Marvell büßte 5,35 Prozent auf 252,59 US-Dollar ein, während Intel 0,82 Prozent auf 107,04 US-Dollar verlor. AMD und NVIDIA notieren mit Abschlägen von 4,86 Prozent auf 452,40 US-Dollar beziehungsweise 3,73 Prozent auf 200,42 US-Dollar ebenfalls schwächer und knüpften an ihre schwache Vortagesentwicklung an. Die neuerlichen Verluste waren keine Überraschung, sondern die Fortsetzung einer Bewegung, die in der vergangenen Woche begann und sich seither verstärkt.
Auslöser: Broadcom enttäuscht beim Ausblick
Den Startschuss lieferte Broadcom mit seinem Quartalsbericht Anfang Juni. Die Zahlen selbst übertrafen die Erwartungen, doch der Konzern beließ seine Jahresziele unverändert, statt sie anzuheben. Für einen Sektor, bei dem eine Wachstumsbeschleunigung eingepreist war, reichte das nicht aus. Die Broadcom-Aktie verlor daraufhin in der Spitze rund 15 Prozent; die Schwäche griff auf Micron, SanDisk, Intel, AMD und Arm über.
Makro: Starke US-Jobdaten und Iran-Eskalation
Zusätzlichen Druck erzeugte ein unerwartet starker US-Arbeitsmarktbericht für Mai, der Zinserhöhungsfantasien der Federal Reserve befeuerte und den Druck auf US-Techwerte verstärkte. Am Mittwoch kommt ein geopolitischer Faktor hinzu: US-Streitkräfte führten in der Nacht Vergeltungsschläge gegen den Iran durch, nachdem iranische Drohnen einen US-Kampfhubschrauber über der Straße von Hormus abgeschossen hatten. Technologiewerte reagieren auf solche Risikoereignisse überproportional.
Struktur: Der "Parabolic 7"-Korb löst sich auf
Die eigentliche Sprengkraft liegt in der Ausgangsbewertung. Stratege Ben Emons von Highline Asset Management bezeichnete eine Gruppe der dynamischsten Halbleiterwerte als "Parabolic 7", darunter SanDisk, Marvell, Micron, Intel, Dell, AMD und Broadcom. Der Korb hat sowohl die Magnificent 7 als auch den SOX-Index seit Mitte 2025 deutlich übertroffen. SanDisk lag zum Zeitpunkt des Abverkaufs seit Jahresbeginn über 600 Prozent im Plus, Micron knapp 300 Prozent, Marvell über 240 Prozent. Bei solchen Vorbewegungen reicht ein moderater Katalysator aus, um koordinierte Positionsauflösungen auszulösen, da viele institutionelle Anleger den Korb als Einheit halten.
Ob der aktuelle Rücksetzer strukturell ist oder lediglich ein technisches Ventil, dürfte sich an den nächsten Datenpunkten zeigen: Micron berichtet seine Quartalszahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026 am 24. Juni, NVIDIA folgt Ende des Monats. Diese Berichte werden zeigen, ob die KI-Nachfrage das Bewertungsniveau trägt oder ob sich der Konsens weiter eintrübt.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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