Aktien von BASF und Evonik im Fokus: Mögliche Weichenstellung für Übernahme sorgt für Kursgewinne
Das Kuratorium der größten Anteilseignerin von Evonik, die RAG-Stiftung, hat sich mit dem Übernahmeangebot der BASF für den Chemiekonzern befasst.
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Das Gremium habe sich in einer Online-Sitzung vom Stiftungsvorstand über das Interesse der BASF an Evonik informieren lassen, teilte die Stiftung in Essen mit. "Die konkreten Inhalte und Ergebnisse der Sitzung sind vertraulich", hieß es in einer Stellungnahme. Weitere Angaben machte die Stiftung nicht.
BASF soll 22,15 Euro je Aktie geboten haben, was mehr als 10,3 Milliarden Euro für alle Evonik-Papiere bedeutet hätte. Das Angebot wurde abgelehnt.
Vor knapp zwei Wochen hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung bekannt gemacht, dass es ein Angebot gibt. Evonik sprach von einer unverbindlichen "Ansprache" durch die BASF. "Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet." Gespräche fänden derzeit nicht statt. BASF hatte mitgeteilt: "Fortgang und Ausgang der Sondierungen sind gegenwärtig offen."
RAG-Stiftung hält aktuell rund 43 Prozent der Evonik-Aktien
Aufgabe der RAG-Stiftung ist die dauerhafte Finanzierung der Folgekosten des 2018 eingestellten deutschen Steinkohlebergbaus. So muss im Ruhrgebiet etwa dauerhaft Grubenwasser aus den stillgelegten Bergwerken abgepumpt werden, damit es das Grundwasser nicht verschmutzt. Erwirtschaftet werden die Ewigkeitskosten aus zahlreichen Kapitalanlagen. So ist die Stiftung unter anderem an mehr als 20.000 Unternehmen beteiligt. Größte Einzelbeteiligung ist der Evonik-Anteil. Die Stiftung hält derzeit laut Unternehmen 43 Prozent.
Der Buchwert des gesamten Vermögens zum Jahresende 2025 lag nach Angaben der Stiftung bei 15,9 Milliarden Euro. Sitz der Stiftung ist Essen. Mitte Juni hatte sie knapp 30 Beschäftigte.
Dem Kuratorium gehören 13 Mitglieder an, vor allem Politikerinnen und Politiker. Fünf davon sind automatisch durch ihr Amt Mitglied: die jeweiligen Ministerpräsidenten von NRW und Saarland, die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der Vorsitzende der IGBCE. Das Kuratorium bestellt den Vorstand. "Über Entscheidungen von grundlegender Bedeutung wird das Kuratorium regelmäßig informiert", heißt es auf der Internetseite der Stiftung.
Evonik profitiert weiter von Übernahmespekulationen
Übernahmefantasie hat den Aktienkurs des Spezialchemiekonzerns Evonik am Freitag weiter nach oben getrieben. So könnten vor dem Wochenende Weichenstellungen in puncto der Bestrebungen der BASF anstehen, den MDAX-Konzern zu kaufen. Mit bis zu 21,54 Euro erreichten die Evonik-Papiere den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2025. Zuletzt stiegen sie noch um 1,72 Prozent auf 21,34 Euro. Die BASF-Anteilsscheine notierten mit 51,91 Euro 0,27 Prozent im Minus.
Laut einer Sprecherin der RAG-Stiftung, der mit 43 Prozent größten Evonik-Anteilseignerin, tagt das Kuratorium der Stiftung an diesem Freitag. Zudem berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Branchenkreise, dass ebenfalls am heutigen Freitag der BASF-Aufsichtsrat beraten wird.
Erst vor rund zwei Wochen hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als größte Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Angebot der BASF für den Spezialchemiekonzern aus Essen gibt. Laut der "Financial Times" stand ein Angebot in Höhe von 22,15 Euro je Evonik-Aktie im Raum. Vor ersten Berichten über die Pläne der BASF hatten die Evonik-Aktien gut 18 Euro gekostet, aktuell notieren sie etwas über 21 Euro.
Europäische Chemieunternehmen profitieren aktuell zwar ein Stück weit von einer Sonderkonjunktur durch die teilweise Sperrung der Straße von Hormus infolge des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Die Sperrung der wichtigen Seefahrtroute führte zu Ölengpässen vor allem in Asien, was der dort ansässigen Konkurrenz europäischer Chemiekonzerne schwer zu schaffen machte und teils immer noch macht. Gleichzeitig steckt die europäische Chemieindustrie aber schon länger in der Krise, die Konkurrenz aus Asien wächst. Viele Konzerne bauen um und streichen Stellen, so auch BASF und Evonik. Daher ist eine mögliche Übernahme auch ein politisch aufgeladenes Thema.
So hatte vor wenigen Tagen die oppositionelle SPD eine Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen an Evonik vorgeschlagen. Die Landesregierung solle prüfen, ob das Land selbst als Gesellschafterin aktiv werde, "und somit RAG-Stiftung und Land NRW über 50 Prozent plus X am Konzern verfügen", heißt es in einem Antrag der SPD-Landtagsfraktion.
Abseits von politischen Gedankenspielen hätte eine Übernahme von Evonik durch den DAX-Konzern BASF für die RAG-Stiftung durchaus positive Aspekte. Zu diesem Schluss kommt Dirk Sammüller von Greiff Capital und Fondsberater des Greiff Special Opportunities. Wichtig für die RAG-Stiftung sind vor allem beständige Dividendenzuflüsse, denn sie muss die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus tragen.
Durch eine Einigung mit der BASF könne die RAG-Stiftung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, so Sammüller. Sie würde die ohnehin geplante Anteilsverringerung an Evonik erheblich vorantreiben und wäre zugleich an einem neuen Chemieriesen beteiligt. Dafür muss allerdings der Preis stimmen. "Eine Nachbesserung in Richtung 23 bis 25 Euro wäre der naheliegende nächste Schritt." Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg hält sogar eine Offerte von 24 bis 25 Euro für denkbar.
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ESSEN/LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX)
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Bildquellen: Jonathan Weiss / Shutterstock.com, BASF SE
