VCI gibt nach schwachem Jahresstart weiter keine Prognose

29.05.26 08:29 Uhr

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Von Stefanie Haxel

DOW JONES--Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland ist laut dem Branchenverband VCI schwach ins Jahr gestartet. Die infolge des Nahostkonfliktes stark gestiegen Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport belasten die Branche massiv. Durch die Sperrung der Straße von Hormus fehlen ihr 20 Prozent der globalen Öl- und Gasproduktion und 5 bis 10 Prozent an chemischen Grundstoffen, wie VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup am Donnerstag gegenüber Journalisten ausführte. Die zuletzt zu verzeichnende höhere Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen sei dem vorsorglichen Aufbau von Lagerbeständen geschuldet. Eine Jahresprognose traut sich der Verband mit Blick auf die geopolitischen Risiken weiterhin nicht zu.

"Vieles von dem, was derzeit in den Auftragsbüchern landet, ist kein Zeichen von Stärke, sondern Ausdruck neuer Unsicherheiten. Viele kaufen auf Sorge vor weiterer Eskalation im Nahen Osten vorsorglich ein", sagte Große Entrup. "Das ist geopolitisches Hamstern, ein panischer Zwischenpeak, von dem kurzfristig auch Teile der deutschen Chemieindustrie profitieren."

Die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie lag in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,8 Prozent unter dem Vorquartal, auf Jahressicht sank die Produktion gar um 6 Prozent, wie der VCI in seinem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht mitteilte. Dabei schrumpfte die Pharmaproduktion mit 8,7 Prozent doppelt so stark wie die Chemie mit 4,3 Prozent. Der Einbruch im Pharmasektor war allerdings auch Vorzieheffekten im Vorjahr wegen drohender US-Zölle auf Pharmaprodukte geschuldet. Die Kapazitätsauslastung war mit 75,1 Prozent jedoch weiterhin unrentabel.

Die Erzeugerpreise zogen gegenüber den Monaten Oktober bis Dezember zwar um 0,2 Prozent an, lagen aber 1,0 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Der Branchenumsatz stieg saisonbereinigt um 2,1 Prozent auf 50,9 Milliarden Euro, lag aber 5,4 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der Verband hatte bereits Mitte März vor Engpässen nicht nur bei Öl und Gas, sondern auch etwa bei Ammoniak und Phosphat, Helium oder Schwefel gewarnt. Knapp die Hälfe der VCI-Mitgliedsunternehmen verzeichnet bereits Engpässe bei einzelnen Produkten, etwa bei Lösemitteln wie Aceton, petrochemischen Grundstoffen oder Harzen. Zwar könnten 82 Prozent der Unternehmen steigende Kosten an ihre Kunden weitergeben. Doch vor allem mittelständische Unternehmen schauen mit Sorge in die Zukunft, sagte Große Entrup.

Der Geschäftsführer des VCI, der die Interessen von rund 2.300 Unternehmen aus Branche vertritt, appellierte an die Politik, Reformen einzuleiten und etwa die Bürokratie abzubauen. "Investoren schauen inzwischen genau hin, wo Genehmigungen schnell laufen, wo Energie bezahlbar ist und wo politische Entscheidungen verlässlich sind. Und immer häufiger fällt die Antwort nicht auf Deutschland", sagte er.

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DJG/sha/mgo

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