Chinas KI-Giganten Tencent und Alibaba im KI-Wettlauf: Was Anleger bei den Aktien wissen müssen
Tencent und Alibaba treiben den KI-Wettlauf in China mit neuen Modellen, Chips und milliardenschweren Investitionen voran. Worauf Anleger jetzt achten sollten.
Werte in diesem Artikel
- Neues Bildmodell Hy Image 3.5 lässt Tencent-Aktie in Hongkong steigen
- Alibaba zeigt parallel neuen KI-Chip und milliardenschwere Cloud-Pläne
- Investoren ziehen Vergleiche zwischen Tencents WeChat-Strategie und Meta
Chinas Internetriese Tencent hat mit der Vorschauversion Hy Image 3.5 seines Hunyuan-Bildgenerierungsmodells für Kursfantasie gesorgt: Die Aktie klettert in Hongkong am Dienstag letztlich um 5,02 Prozent auf 451,60 HKD. Auch Konkurrent Alibaba wurde von Anlegern für Neuigkeiten belohnt: Die Alibaba-Aktie legte schließlich 1,95 Prozent auf 114,80 HKD zu, denn Tencents Vorstoß fiel zeitlich mit Alibabas Vorstellung eines neuen KI-Chips zusammen und verschärft damit den Wettlauf um KI-Führerschaft in China.
Tencent mit neuem Produktstart
Tencent hatte zuvor seine Hy Image 3.5 Preview veröffentlicht. Das Unternehmen testete das neue Bildmodell intern mit Hunderten hauseigenen Designern und sah die Ergebnisse nach eigenen Angaben auf Augenhöhe mit ByteDances Seedream 5.0 Pro sowie leicht vor Googles Nano Banana Pro und Alibabas Qwen-Image-3.0 Pro. Externe Benchmark-Zahlen veröffentlichte der Konzern nicht.
Hinter der Entwicklung stehen laut Bloomberg zwei frühere OpenAI-Mitarbeiter: Chef-KI-Wissenschaftler Yao Shunyu, der die KI-Infrastruktur und Benchmarking-Standards überarbeitet hat, sowie Tian Yonglong, der seit Juli das Vision-Language-Team der Hunyuan-Gruppe leitet. Yao positioniert sich demnach öffentlich gegen ein Training von Modellen allein für Leaderboard-Werte und betont stattdessen Produktintegration und die Lösung realer Probleme.
Alibaba kontert mit neuem Chip
Der Start von Hy Image 3.5 fiel auf den Tag, an dem auch Chinas Technologiekonzern Alibaba seine Apsara-Konferenz in Hangzhou eröffnete. Konzernchef Eddie Wu stellte dort den neuen KI-Chip Zhenwu V900 Accelerator vor, der laut Wu die dreifache Leistung des Vorgängers Zhenwu M890 erreicht und sich in Clustern von bis zu 500.000 Einheiten zum Training von KI-Modellen kombinieren lässt. Wu bezeichnete den Chip selbst als "stärksten KI-Chip" in China. Zudem kündigte er an, die Rechenzentrumskapazität bis 2032 auf über 20 Gigawatt auszubauen und ein KI-Modell mit bis zu 10 Billionen Parametern zu trainieren.
Wu erklärte zudem, das Qwen-Team von Alibaba erforsche rekursive Selbstverbesserung bei seinen Modellen, und bezeichnete die KI-getriebene Kundennachfrage als außergewöhnlich robust und wachstumsfördernd für Alibaba Cloud. Der Nettogewinn des Konzerns war im Juni-Quartal wegen Margendrucks durch KI-Investitionen um 75 Prozent eingebrochen, während der Umsatz aus KI-Cloud und Rechenleistung im Juni-Quartal deutlich stieg.
Investor zieht Vergleich zu Meta
Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments, sagte laut Bloomberg, einige Investoren zögen Parallelen zwischen Tencent und Meta, insbesondere angesichts des einzigartigen sozialen Ökosystems von WeChat und dessen Potenzial für einen persönlichen KI-Assistenten im großen Maßstab. Nach Einschätzung von Bloomberg sei die zeitliche Nähe von Tencents Produktstart zu Alibabas Konferenz ein Signal, dass der Konzern zu Branchenführern wie ByteDance aufschließen wolle.
Sind Chinas KI-Giganten eine Investition wert?
Für Anleger steht bei Tencent und Alibaba weniger die Frage im Vordergrund, ob die beiden Konzerne bei der KI mithalten können, sondern ob sich die hohen Investitionen auch in nachhaltigem Wachstum auszahlen. Alibaba verzeichnete zuletzt ein Plus von 45 Prozent bei den Umsätzen mit KI-Cloud- und Compute-Diensten, während der Nettogewinn im Juni-Quartal zugleich um 75 Prozent zurückging. Tencent kann dagegen sein großes WeChat-Ökosystem für die Integration von KI-Anwendungen nutzen. Entscheidend wird für Anleger damit, wie schnell aus den neuen Modellen und der zusätzlichen Rechenkapazität wachsende Umsätze und Gewinne entstehen – und wie stark die dafür notwendigen Investitionen die Margen belasten.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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