Wirtschaftsforscher sehen Gießkannen-Prinzip bei Energiehilfen kritisch
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Kritisch haben sich die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute bei der Vorstellung ihrer Frühjahrsprognose zur Politik der Bundesregierung angesichts der hohen Energiepreise geäußert. Sie appellierten an die Bundesregierung, mit ihren Hilfen wegen der hohen Energiepreise auch den strukturellen Wandel hin zu einem geringeren Verbrauch von fossiler Energie zu ermutigen.
Die Hilfen sollten auf bedürftige Haushalte beschränkt werden. Gleichzeitig sollten durch die hohen Preise Anreize zum geringeren Verbrauch erhalten bleiben.
"Wir sagen nicht, der Markt soll alles allein regeln", sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Nur, die wirtschaftspolitische Unterstützung soll zielführend sein." Eine Politik, die die Energienachfrage weiter stützt, sei in einer solchen Situation eben kontraproduktiv. "Wir sagen nicht, es soll keine Staatseingriffe geben, sondern andere als die breite Subventionierung von Energie."
Wichtig sei in der aktuellen Situation, dass wegen des realen Kaufkraftverlusts aufgrund der hohen Inflation gezielt einkommensschwachen Haushalten geholfen werde. Nötig seien bedürftigkeitsbasierte Transfers.
"An der Tanksäule, bei der Gasrechnungen für die Heizung sollte dann nicht jeder Haushalt entlastet werden, sondern diejenigen mit geringen Einkommen. Also einkommensbasiert und nicht über alle mit der Gießkanne", so Holtemöller.
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April 13, 2022 06:07 ET (10:07 GMT)