Zalando-Aktie sackt kräftig ab: BaFin prüft mögliche Verstöße beim Jahresabschluss

Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat bei Zalando eine Prüfung des Konzernabschlusses und des zugehörigen Lageberichts eingeleitet.
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Es liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der im DAX notierte Konzern gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat, wie die BaFin am Freitag in Bonn und Frankfurt mitteilte. Die möglichen Verstöße stehen den Angaben zufolge im Kontext der About-You-Übernahme. Zalando habe im Anhang des Konzernabschlusses Angaben zu einer Transaktion mit einem nahestehenden Unternehmen im Rahmen des Erwerbs der About You möglicherweise fehlerhaft unterlassen. Da die BaFin die Prüfung öffentlich bekannt gemacht habe, werde sie die Öffentlichkeit über ihr Ergebnis informieren. "Dies geschieht unabhängig davon, ob sie bei der Prüfung Fehler in der Rechnungslegung feststellt oder nicht."
Zalando steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit der Bafin. Der Online-Modehändler teilte in einer Stellungnahme mit: "Nach Einschätzung der Zalando SE handelt es sich um einen rein formellen, aber materiell unwesentlichen Aspekt in den Anhangsangaben." Alle relevanten Informationen zum Erwerb der About-You-Anteile seien vollständig öffentlich zugänglich gewesen.
Übernahme von About You sollte Synergien fördern
Zalando hatte About You im Sommer 2025 übernommen. Durch die Integration will das Management 2026 Synergien von 40 Millionen Euro erzielen. 2028 sollen sie sich dann auf 100 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Mit About You will Zalando stärker Modetrends aufgreifen und dabei verstärkt auf Influencer setzen.
Anfang Januar hatte Zalando die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt mit 2.700 Beschäftigten angekündigt. Es ist eines von vier Logistikzentren in Europa, die im Zuge der Übernahme von About You geschlossen werden sollen. Die Schließung in Erfurt wurde von der Thüringer Landespolitik kritisiert.
Anleger flüchten: Aktie mit kräftigen Verlusten
Bei den Aktien von Zalando ist am Freitag deshalb mit hohen Kursverlusten zu rechnen. Die Untersuchung des Konzernabschlusses und Lageberichts durch die deutsche Finanzaufsicht BaFin brockte dem Kurs schon im vorbörslichen Handel auf Tradegate einen Verlust von 16,5 Prozent auf 22,20 Euro ein gegenüber dem XETRA-Schluss am Vortag. Im Tief waren es am Morgen sogar gut 20 Prozent auf 21,20 Euro.
Zum Schluss des XETRA-Haupthandels belief sich das Minus nur noch auf 6,32 Prozent bei 24,92 Euro. Damit war die Zalando-Aktie dennoch Schlusslicht im DAX am Freitag.
Auf den ersten Blick scheine die Angelegenheit nicht so gravierend zu sein wie zuletzt eine Untersuchung der BaFin beim Spezialverpackungshersteller Gerresheimer, merkte ein Börsianer an. "Aber ob das hilft?" zeigte sich der Broker skeptisch.
Zalando-Aktien hatten zuletzt einen guten Lauf, dieser dürfte nun zunächst beendet sein. Vom Tief von Mitte Mai bei 18,61 Euro hatten sich die Papiere um mehr als 40 Prozent erholt und am Vortag mit 27 Euro den höchsten Stand seit Mitte Oktober vergangenen Jahres erreicht. Nun aber dürfte der Kurs wieder unter die einfache 200-Tage-Linie bei 23,37 Euro fallen, die als Indikator für den längerfristigen Trend gilt.
Analysten bleiben gelassen
Die BaFin habe mit ihrer Prüfung der Konzernbilanz eine wenig hilfreiche Schlagzeile geliefert, schrieb Analyst Andrew Ross von der Investmentbank Barclays. Basisszenario bleibe, dass es sich um ein lösbares Problem handle. Bis zum Ergebnis der Prüfung bleibe sie aber eine Belastung für die Aktien, so der Experte in einer ersten Einschätzung.
Richard Edwards von Goldman Sachs wies darauf hin, dass der Onlinehändler die Bilanzprüfung als rein formell bezeichnet habe, und keine Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung erwarte.
Ziele des Onlinehändlers
Für 2026 peilt Zalando ein Wachstum des Bruttowarenvolumens (GMV) und der Erlöse um 12 bis 17 Prozent an. Beim bereinigten operativen Gewinn (Ebit) wird ein Anstieg auf 660 bis 740 Millionen Euro erwartet. 2025 verbuchte Zalando einen Umsatz von 12,3 Milliarden Euro. Das Bruttowarenvolumen lag bei 17,6 Milliarden Euro. Operativ wurden bereinigt 591 Millionen Euro verdient.
Mittelfristig strebt der Online-Händler für 2028 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 8 bis 13 Prozent für Bruttowarenvolumen und Umsatz an sowie eine bereinigte operative Marge von 6 bis 8 Prozent.
/zb/stk
BONN/FRANKFURT (dpa-AFX)
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