Rubelkrise

Moskau verkauft Geldreserven zur Stützung des Rubels


Moskau verkauft Geldreserven zur Stützung des Rubels

Angesichts der dramatischen Rubelkrise wirft jetzt auch die russische Regierung ihre Milliarden-Währungsreserven auf den Markt.

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"Wir verkaufen so viel wie nötig ist", sagte ein Behördensprecher der Agentur Interfax am Mittwoch in Moskau. In den Wochen zuvor hatte bereits die russische Zentralbank Milliarden an Devisenreserven verkauft. Der schwache Rubel schmälert auch die Einnahmen ausländischer Unternehmen, die dort Geschäfte machen: Apple stoppte den Onlineverkauf seiner iPhones und iPads in Russland, um die Preise anzupassen. Der Wirtschaftsverband DIHK rechnet im kommenden Jahr mit noch trüberen Aussichten für deutsche Unternehmen in Russland.

Zur Stützung der schwachen Währung begann das russische Finanzministerium am Mittwoch damit, Devisenreserven zu verkaufen. Für diese Finanz-Operation könnten sieben Milliarden US-Dollar (5,6 Mrd Euro) verwendet werden. "Die Regierung und die Zentralbank haben gemeinsam mit ernsthaften Schritten begonnen, diese Orgie auf dem Devisenmarkt anzuhalten", unterstrich auch der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, Andrej Beloussow, der Agentur Interfax zufolge. Nach rasantem Einbruch stabilisierte sich der Rubel im Tagesverlauf etwas. Moskau sieht die Talfahrt vorerst gestoppt.

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Am Vortag war es zu panikhaften Verkäufen des russischen Währung gekommen, die seit Monaten wegen des Ölpreisverfalls unter Druck steht. Eine massive Zinserhöhung der Zentralbank verpuffte. Der Wertverlust seit Jahresanfang betrug mehr als 50 Prozent.

Angesichts von Rubelverfall und sinkender Kaufkraft der Russen rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit drastischen Rückgängen bei deutschen Exporten nach Russland. In diesem Jahr werde das Minus etwa 20 Prozent betragen. Auch deutsche Unternehmen litten unter der "dramatisch sinkenden Kaufkraft" der Russen, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Die Erlöse deutscher Firmen in Russland gingen zurück, weil sie wegen des Rubelverfalls in Euro nur noch die Hälfte dessen wert seien, was sie vor Jahresfrist einbrachten, erklärte Treier.

Von der Krise sind zahlreiche deutsche Großkonzerne, aber auch der Mittelstand betroffen. Wie andere Unternehmen betonte Deutschlands größter Energieversorger Eon aber, dass er trotz Einbußen durch den schwachen Rubel am Russland-Geschäft festhalten will.

"Deutsche Autofabriken sind bereits seit einigen Wochen auf Kurzarbeit geschaltet oder entlassen Mitarbeiter", berichtete Treier vom DIHK. Noch stiegen vor allem bei Konsum- und Gebrauchsgütern die Umsätze, weil russische Bürger ihr Geld noch ausgäben, bevor es weiter an Wert verliere. "Diese Entwicklung wird jedoch befristet sein, bis Ersparnisse aufgebraucht sind", sagte Treier in dem Zeitungsinterview. Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW, Marcel Fratzscher, warnte, nicht nur der sinkende Ölpreis, sondern auch die zuletzt massive Kapitalflucht würden das Land in eine tiefe Rezession stürzen.

Apple will in Russland dennoch weiter an der Preisschraube drehen. "Unser Online-Shop in Russland ist derzeit nicht verfügbar und wir überarbeiten die Preise", sagte Apple-Sprecher Alan Hely der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Zuvor hatte Apple bereits die Preise in Russland etwa für sein iPhone 6 um 25 Prozent angehoben.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte, die Rubelkrise sei zum Großteil "Psychologie". Präsident Putin wird seinem Sprecher Dmitri Peskow zufolge an diesem Donnerstag während seiner alljährlichen großen Pressekonferenz wohl auch über die Wirtschaft des Landes sprechen. Eine außerordentliche Stellungnahme zuvor - etwa zur Rubelschwäche - plane Putin nicht.

Die EU-Kommission zeigte sich "sehr besorgt" über den Verfall des Rubels und die Wirtschaftskrise in Russland. Unmittelbar vor dem EU-Gipfel in Brüssel hieß es am Mittwoch aus Kommissionskreisen in Berlin: "Niemand hat Interesse daran, dass die russische Wirtschaft in eine tiefe Depression stürzt."/bbi/DP/bgf

MOSKAU (dpa-AFX)

Bildquellen: VLADJ55 / Shutterstock.com, Elena Schweitzer / Shutterstock.com

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