Südkorea-ETF

Franklin FTSE Korea ETF: Warum dieser Südkorea-ETF nur einen Bruchteil dessen kostet, was die MSCI-Konkurrenz verlangt


Franklin FTSE Korea ETF: Warum dieser Südkorea-ETF nur einen Bruchteil dessen kostet, was die MSCI-Konkurrenz verlangt

Der Südkorea-Index steht im laufenden Jahr 2026 unter den fünf renditestärksten ETF-Indizes überhaupt. Ein Blick auf die Gründe zeigt eine bemerkenswerte Wende vom Kriegsrecht-Schock zur Weltspitze.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Von sechs verfügbaren Südkorea-ETFs bildet nur dieser den FTSE Korea ab, alle anderen den MSCI Korea, da beide Indexanbieter das Land unterschiedlich einstufen.
  • Mit 0,09 Prozent Kosten pro Jahr ist der Fonds nur rund ein Fünftel bis ein Siebtel so teuer wie seine MSCI-Konkurrenten.
  • Im laufenden Jahr zählt der zugrunde liegende Index zu den fünf renditestärksten unter allen ETF-Indizes weltweit, übertroffen nur von drei Energie-Rohstoffen und einer einzelnen Kryptowährung.

Warum es diesen ETF nur wegen einer Klassifizierungsfrage überhaupt gibt

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Der Franklin FTSE Korea UCITS ETF bildet den FTSE Korea 30/18 Capped Index nach und ist der einzige unter den sechs verfügbaren Südkorea-ETFs, der einen FTSE-Index statt eines MSCI-Index abbildet. Der Indexanbieter MSCI klassifiziert Südkorea bis heute als Schwellenland, während FTSE das Land bereits seit 2009 den Industrieländern zurechnet. Diese unterschiedliche Einordnung erklärt, warum es für Südkorea gleich zwei parallele Indexwelten mit leicht unterschiedlicher Zusammensetzung gibt. Der FTSE Korea 30/18 Capped Index umfasst dabei mit 156 bis 161 Unternehmen ein etwas breiteres Universum als der MSCI Korea Index mit rund 100 Titeln. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im Juni 2019 aufgelegt.

Warum dieser ETF nur einen Bruchteil der MSCI-Konkurrenz kostet

Mit 0,09 Prozent laufenden Kosten pro Jahr ist dieser Fonds deutlich günstiger als sämtliche MSCI-Korea-Alternativen, die zwischen 0,45 und 0,65 Prozent verlangen. Ein spezifischer methodischer Grund dafür lässt sich nicht eindeutig belegen, da beide Ansätze eine ähnlich breite koreanische Aktienauswahl physisch abbilden. Am plausibelsten lässt sich der Preisunterschied damit erklären, dass Franklin Templeton mit seiner FTSE-Produktfamilie gezielt eine besonders kostengünstige Positionierung bei Einzelländer-ETFs verfolgt, unterstützt durch tendenziell günstigere Lizenzgebühren für FTSE-Indizes im Vergleich zum stärker etablierten und entsprechend teureren Markennamen MSCI. Im Einklang mit den niedrigen Kosten ist der Fonds mit 3,7 Milliarden Euro mit weitem Abstand der größte Südkorea-ETF am Markt, mehr als das Dreifache des nächstgrößten Wettbewerbers.

Was das 30/18 Capped für Anleger bedeutet, und warum die FTSE-Variante etwas besser abschneidet

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Der Zusatz 30/18 Capped im Indexnamen bedeutet, dass das größte Einzelunternehmen im Index auf maximal 30 Prozent begrenzt wird, alle übrigen Unternehmen auf maximal 18 Prozent, überprüft und angepasst wird das vierteljährlich. Dieser Mechanismus verhindert eine völlig unkontrollierte Dominanz einzelner Werte, lässt aber zwischen zwei Überprüfungsterminen durchaus zu, dass ein Unternehmen durch Kursgewinne vorübergehend über die eigentliche Kappungsgrenze hinauswächst, bis die nächste Anpassung erfolgt. Bemerkenswert ist, dass dieser FTSE-Ansatz auf Sicht von einem, drei und fünf Jahren durchgehend eine etwas höhere Rendite erzielt hat als vergleichbare MSCI-Korea-ETFs. Das lässt sich am ehesten mit dem etwas breiteren Anlageuniversum sowie leicht unterschiedlichen Gewichtungen zum jeweiligen Überprüfungszeitpunkt erklären.

Samsung Electronics und SK Hynix: Warum sie gerade jetzt so stark performen

Zusammen bringen es Samsung Electronics und SK Hynix auf fast 50 Prozent des gesamten Fonds. Samsung Electronics ist ein breit diversifizierter Elektronikkonzern mit Geschäftsfeldern von Speicherchips über Smartphones bis zu Haushaltsgeräten und einer eigenen Auftragsfertigung für Chips. SK Hynix dagegen ist ein reiner Speicherchip-Spezialist, fokussiert auf Arbeitsspeicher-Chips vom Typ DRAM und NAND-Flash-Speicher. Beide Unternehmen stellen wichtige Speicherchip-Technologien her, die es in dieser Form auch schon vor Jahren gab, was die Frage aufwirft, warum sie gerade jetzt so außergewöhnlich stark performen. Die Antwort liegt in einer relativ neuen, spezialisierten Produktkategorie namens High Bandwidth Memory, kurz HBM, einem besonders leistungsfähigen Speichertyp, der erst mit dem Aufkommen moderner KI-Beschleuniger ab 2023 in großem Maßstab benötigt wird. Diese HBM-Nachfrage kam zusätzlich zum klassischen, weiterhin bestehenden Bedarf an herkömmlichen Speicherchips hinzu und hat die weltweite Nachfrage nach Speicherchips insgesamt auf ein historisch beispielloses Niveau gehoben, bei gleichzeitig knappen Fertigungskapazitäten. SK Hynix hat sich dabei als führender HBM-Zulieferer für die größten KI-Chip-Hersteller der Welt positioniert, während auch Samsung seine eigene HBM-Fertigung massiv ausbaut.

Vom Kriegsrecht-Schock zur Weltspitze: Was 2022 und 2024 belastete, und was seither trägt

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2022 verlor der Fonds 24,3 Prozent, wie die meisten Aktien-ETFs weltweit, ausgelöst durch die schnellen Leitzinserhöhungen der großen Notenbanken. 2024 war dagegen ein für Korea spezifisches Verlustjahr mit minus 17,2 Prozent, während viele andere Märkte in diesem Jahr deutlich zulegten. Der Auslöser dafür war eine politische Krise historischen Ausmaßes. Im Dezember 2024 verhängte der damalige Präsident Yoon Suk Yeol überraschend das Kriegsrecht, musste es nach heftigen Protesten und einer Abstimmung im Parlament aber nur Stunden später wieder aufheben, bevor er im Anschluss seines Amtes enthoben wurde. Südkorea war damit 2024 der schwächste große Aktienmarkt Asiens, verstärkt durch eine deutlich schwächelnde Landeswährung. Die Wende kam mit dem im Sommer 2025 gewählten neuen Präsidenten Lee Jae Myung, der umfassende Unternehmensreformen versprach, um die Transparenz großer Konzerne zu erhöhen und die Rechte von Minderheitsaktionären zu stärken. Das war damit ein direkter Angriff auf den sogenannten Korea-Discount, unter dem koreanische Aktien wegen komplexer Konzernstrukturen und schwacher Aktionärsrechte traditionell gehandelt wurden. Gemeinsam mit dem beschriebenen HBM-Boom von Samsung und SK Hynix trieb das den Fonds 2025 auf 72,5 Prozent Rendite, im laufenden Jahr bislang sogar auf 89,9 Prozent, womit der zugrunde liegende Index aktuell zu den fünf renditestärksten unter allen ETF-Indizes weltweit zählt, übertroffen nur von drei Energie-Rohstoff-Indizes und einer einzelnen Kryptowährung (Hyperliquid).

Warum die Abhängigkeit von nur zwei Unternehmen ein reales Risiko bleibt

Die zehn größten Positionen vereinen 68,8 Prozent des Fonds, wobei Samsung Electronics und SK Hynix allein fast die Hälfte ausmachen. Diese Konzentration verstärkt sowohl die aktuellen Chancen als auch die Risiken erheblich. Wie real diese Risiken sind, zeigte sich zuletzt im Juni 2026, als eine Eskalation des Nahost-Konflikts rund um den Iran zu einem Tageseinbruch des koreanischen Leitindex von über 7 Prozent führte, wobei Gewinnmitnahmen bei Samsung und SK Hynix besonders stark ausfielen. Auch die grundsätzliche Zyklik der Speicherchip-Preise, die in der Vergangenheit wiederholt zwischen Knappheit und Überkapazitäten wechselte, bleibt ein Risiko, ebenso wie die politische Lage, die trotz der aktuellen Reformbemühungen erst wenige Monate zuvor noch für erhebliche Verwerfungen gesorgt hatte.

Hohe Schwankung als Kehrseite der außergewöhnlichen Rendite

Die Volatilität liegt dementsprechend über ein Jahr bei 57,6 Prozent, über drei Jahre bei 38,7 Prozent und über fünf Jahre bei 33,0 Prozent, durchweg deutlich höher als bei breiter gestreuten Länder-ETFs oder selbst anderen konzentrierten Themen-ETFs. Das erklärt sich aus der extremen Abhängigkeit von nur zwei, sehr volatilen Halbleiterunternehmen sowie der grundsätzlich höheren Schwankungsanfälligkeit eines auf ein einzelnes, noch dazu politisch zuletzt sehr unruhiges Land konzentrierten Fonds. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 34,0 Prozent, deutlich höher als bei breiter gestreuten ETFs, ein direkter Beleg dafür, dass die aktuell außergewöhnlichen Renditen mit einem entsprechend hohen Rückschlagrisiko einhergehen.

Für welche Strategie sich dieser Südkorea-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als gezielte, spekulative Beimischung für Anleger, die überzeugt sind, dass sowohl die Unternehmensreformen zur Beseitigung des Korea-Discounts als auch der KI-getriebene Speicherchip-Boom über die kommenden Jahre anhalten, und die bereit sind, dafür eine außergewöhnlich hohe Schwankungsbreite und eine extreme Konzentration auf nur zwei Unternehmen zu akzeptieren. Wer ausschließlich auf Kosten und Fondsgröße achtet, findet mit diesem Fonds den mit Abstand günstigsten und größten Zugang zu diesem Markt. Ein langer Anlagehorizont sowie das Bewusstsein, dass politische Krisen wie im Dezember 2024 den Markt jederzeit erneut erschüttern können, sind für dieses Investment Grundvoraussetzung.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf wenige Einzelpositionen und ein einzelnes Land kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.

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Bildquellen: Chintung Lee / Shutterstock.com, swissmacky / Shutterstock.com

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