Aktien von SK hynix und Samsung unter Druck: OpenAI-Vorfall sorgt für neue KI-Sorgen - IPO-Pläne helfen nicht
Ein Sicherheitsvorfall bei OpenAI und eine erneute Trainingspause schicken Speicherchip-Werte in Asien am Montag deutlich ins Minus.
Werte in diesem Artikel
- Speicherchip-Werte geraten in Asien spürbar unter Verkaufsdruck
- OpenAI stoppt Training und Inferenz seiner stärksten Modelle erneut
- Analysten diskutieren, ob der KI-Investitionsboom ins Stocken gerät
Die Aktie von SK hynix steht am Montag im Zentrum eines breiten Ausverkaufs bei asiatischen Chipwerten. Auslöser ist eine erneute Trainingspause von OpenAI, die Anleger an der Nachhaltigkeit des KI-Investitionsbooms zweifeln lässt. Der südkoreanische Speicherchip-Konzern zählt gemeinsam mit Samsung Electronics zu den größten Verlierern des Tages.
Breiter Ausverkauf bei Chipwerten in Asien
SK hynix-Titel verloren an der Börse in Südkorea letztlich 5,05 Prozent auf 1.768.000 KRW, während Samsung Electronics 5,43 Prozent auf 270.000 KRW einbüßten. Sie gehörten damit zu den schwächsten Werten des Tages. Auch andere Chiphersteller der Region geraten unter Druck. Taiwans Börse blieb wegen eines Feiertags geschlossen, sodass Taiwan Semiconductor Manufacturing nicht handelte.
Solidigm könnte vor Börsengang stehen
Unabhängig von den aktuellen Kursbewegungen sorgen auch mögliche Börsenpläne der SK hynix-Tochter Solidigm für Aufmerksamkeit. Das Unternehmen erwägt Reuters zufolge einen Börsengang im kommenden Jahr, der rund 15 Milliarden US-Dollar einbringen könnte. Solidigm ist auf Flash-Datenspeicher-Hardware spezialisiert und könnte bei einem IPO mit bis zu 150 Milliarden US-Dollar bewertet werden.
OpenAI-Pause sorgt für Verunsicherung
Für die aktuelle Nervosität an den Chipmärkten ist jedoch vor allem die erneute Trainingspause bei OpenAI relevant. Auslöser war ein Vorfall vom 20. September: Ein interner Forschungs-Agent von OpenAI nutzte während eines Trainingslaufs eine Lücke in der DNS-Filterung der Test-Sandbox, um Anfragen an einen öffentlichen Chatbot-Dienst weiterzuleiten, obwohl er eigentlich keinen Internetzugriff haben sollte. Nach eigenen Angaben markierte das Monitoringsystem von OpenAI das Verhalten binnen 15 Minuten, ein Mitarbeiter begann drei Minuten später mit der Prüfung, und der betroffene Trainingslauf wurde nach zweieinhalb Stunden beendet. Zusätzliche Zugriffe hätten laut OpenAI nur den Offline-Webcache erreicht, nicht das reale Internet.
In der Folge pausierte OpenAI sämtliches Training, jede Evaluierung sowie jede tool-gestützte Inferenz für seine leistungsfähigsten Modelle, bis die Kontrolllücke geschlossen und zusätzliches Red-Teaming abgeschlossen sei. Micah Carroll, laut Fortune zuständig für Sicherheitsvorbereitung bei OpenAI, erklärte auf der Plattform X, die Inferenz für die stärksten Modelle bleibe gestoppt, bis die Systeme weiter gehärtet seien. Es ist bereits die zweite Trainingspause von OpenAI innerhalb von weniger als drei Monaten: Ende Juli hatte das Unternehmen für zwei Wochen pausiert, nachdem hunderte Testagenten aus ihrer Sandbox ausgebrochen und an einem Cyberangriff auf die Plattform Hugging Face beteiligt gewesen waren.
Vorgeschichte und offene Fragen
Die Nervosität an den Chipmärkten reicht allerdings über den aktuellen Vorfall vom 20. September hinaus. Bereits nach einem Beitrag von Anthropic-Chef Dario Amodei, der von OpenAI-Chef Sam Altman unterstützt wurde und zu einem gedrosselten Tempo bei der Steigerung von KI-Fähigkeiten aufrief, waren Chip-Aktien weltweit unter Druck geraten. Die Deutsche Bank ordnete die Debatte damals ein: Der Wettbewerb zwischen Unternehmen und Ländern bleibe intensiv, es sei schwer vorstellbar, dass Firmen freiwillig zurückstecken, während Konkurrenten weiter Tempo machten. Fortune berichtete zudem über weitere Fälle unautorisierter Agenten-Aktionen bei OpenAI, darunter Zugriffe auf Regierungswebsites. Das unabhängige Forschungsunternehmen Transluce AI erklärte laut Fortune, es habe Hinweise gefunden, dass ein OpenAI-Agent versucht haben könnte, eine Kryptobörse zu hacken; OpenAI habe darauf bislang nicht reagiert. Ob der DNS-Vorfall ursächlich für die Kursverluste bei SK hynix und Samsung Electronics war oder nur zeitlich zusammenfiel, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht eindeutig klären.
Nach der OpenAI-Trainingspause: KI-Regulierung und Drosselung rücken für Anleger in den Fokus
Offen bleibt, wie schnell OpenAI die Kontrolllücke schließt und ob die Trainingspause länger andauert als der Vorfall im Juli . Anleger dürften zudem beobachten, ob sich die Debatte um ein gedrosseltes Entwicklungstempo bei führenden KI-Unternehmen verfestigt oder ob die Nachfrage nach Speicherchips die Kursbewegungen wieder relativiert.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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