DWS Top Dividende: Ohne Vergleichsindex zu über 20 Prozent Jahresrendite
Ein Goldproduzent führt die Liste der größten Positionen dieses Dividendenfonds an, der bewusst auf einen Vergleichsindex verzichtet und in den vergangenen zwölf Monaten über 20 Prozent zugelegt hat.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Fonds tritt ganz bewusst ohne Vergleichsindex an, was die Frage aufwirft, woran Anleger seinen Erfolg überhaupt festmachen können.
- Mit einem Goldproduzenten an der Spitze der größten Positionen setzt der Fonds einen Akzent, den man bei einem weltweiten Dividendenfonds nicht unbedingt erwartet.
- Der US-Anteil liegt für einen global anlegenden Fonds ungewöhnlich niedrig und dahinter steckt mehr als nur Zufall.
Was der Fonds anstrebt und warum er bewusst ohne Vergleichsindex auskommt
Der DWS Top Dividende LD (ISIN DE0009848119) zählt zu den bekanntesten deutschen Dividendenfonds und wird seit der Auflage der Anteilklasse im Jahr 2003 von der DWS Investment GmbH aktiv verwaltet. Ziel ist laut den Basisinformationen mittel- bis langfristiger Wertzuwachs, den das Fondsmanagement vor allem über Aktien in- und ausländischer Unternehmen mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite erreichen will. Bei der Titelauswahl fließen mehrere Kriterien zusammen: eine Dividendenrendite über dem Marktdurchschnitt, die Nachhaltigkeit dieser Rendite und ihres Wachstums, das historische und erwartete Gewinnwachstum sowie das Kurs-Gewinn-Verhältnis der jeweiligen Aktie. Ausdrücklich hält sich die DWS dabei eine Hintertür offen, denn die Dividendenrendite muss laut den Anlagekriterien nicht in jedem Einzelfall über dem Marktdurchschnitt liegen, wenn die übrigen Kennzahlen stimmen.
Der Fonds berücksichtigt zudem ökologische und soziale Merkmale und fällt damit unter Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung, verfolgt aber ausdrücklich keine explizite ESG- oder Nachhaltigkeitsstrategie im engeren Sinne. Besonders bemerkenswert ist, dass der Fonds ohne Bezugnahme auf eine Benchmark verwaltet wird. Das Fondsmanagement muss sich also nicht daran messen lassen, einen bestimmten Index zu schlagen, sondern trifft seine Titelauswahl frei nach den genannten Dividendenkriterien. Für Anleger bedeutet das mehr Freiheit für das Management, aber auch, dass ein gewohnter Vergleichsmaßstab fehlt.
Wie Anleger den Fonds ohne Benchmark einordnen können
Ohne festen Vergleichsindex lässt sich die Frage, ob der Fonds einen Mehrwert bietet, nicht an einer einzigen Kennzahl festmachen. Sinnvoller ist ein Dreiklang aus mehreren Blickwinkeln. Erstens die eigene Zielsetzung: Wer gezielt in dividendenstarke, tendenziell wertorientierte Unternehmen investieren möchte und dafür bewusst eine andere Branchen- und Länderstruktur als beim globalen Aktienmarkt in Kauf nimmt, bekommt mit diesem Fonds genau das. Zweitens die Risikokennzahlen des Fonds selbst im Zeitverlauf, etwa Volatilität und maximaler Verlust, die weiter unten eingeordnet werden. Drittens ein informeller Blick auf einen breiten globalen Aktienindex wie den MSCI World als Orientierungsgröße, um einzuschätzen, ob die eingegangenen Risiken und die erzielte Rendite in einem plausiblen Verhältnis zueinanderstehen. Die empfohlene Haltedauer von fünf Jahren ist dabei ein wichtiger Rahmen, denn kurzfristige Schwankungen einzelner Monate sagen über einen aktiv verwalteten, dividendenorientierten Fonds wenig aus.
Die Wertentwicklung der vergangenen Jahre und was dahintersteckt
Die Wertentwicklung des Fonds fällt zuletzt auffällig stark aus. Über zwölf Monate steht ein Plus von 22,3 Prozent zu Buche, über drei Jahre eine jährliche Rendite von 13,2 Prozent und über fünf Jahre von 9,7 Prozent. Über zehn Jahre liegt die jährliche Rendite bei 7,08 Prozent, seit Auflegung bei 8,84 Prozent. Die jüngste Wertentwicklung liegt damit spürbar über dem langfristigen Durchschnitt des Fonds.
Ein wesentlicher Treiber dafür lässt sich direkt an der größten Position ablesen. Der Goldpreis hat in den vergangenen Quartalen kräftig zugelegt und mehrfach neue Rekordstände erreicht, getragen von anhaltenden Käufen der Notenbanken, Zinssenkungserwartungen und geopolitischer Unsicherheit, die Gold als vermeintlich sicheren Hafen attraktiver gemacht haben. Davon profitieren Goldproduzenten wie die größte Einzelposition des Fonds überproportional, da bei einem höheren Goldpreis ihre Margen deutlich steigen, ohne dass sie mehr fördern müssen. Der zweite große Treiber liegt im Technologiesektor. Die zweitgrößte Position des Fonds profitiert dort von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Halbleitern für Anwendungen der künstlichen Intelligenz, die zu Rekordumsätzen und einer angehobenen Umsatzprognose des Unternehmens geführt hat. Zusammen mit stabilen Beiträgen aus dem Pharma- und Energiesektor ergibt sich so die überdurchschnittlich starke Wertentwicklung der jüngeren Vergangenheit.
Die drei größten Positionen: Goldproduzent, Chiphersteller und Pharma-Riese
Mit 3,7 Prozent Gewichtung ist Agnico Eagle Mines die größte Einzelposition des Fonds. Das kanadische Unternehmen zählt zu den größten Goldproduzenten der Welt und betreibt Minen vor allem in Kanada, aber auch in Finnland, Mexiko und Australien. Dass ausgerechnet ein Rohstoffwert die Liste anführt, passt zur Kombination aus Dividendenstärke und dem beschriebenen Rückenwind durch den Goldpreis. Auf Platz zwei folgt mit 3,3 Prozent Gewichtung Taiwan Semiconductor Manufacturing, kurz TSMC. Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter produziert Chips für praktisch alle namhaften Technologiekonzerne und profitiert aktuell besonders stark vom Boom rund um KI-Hardware. Die drittgrößte Position mit 3,0 Prozent Gewichtung ist Johnson & Johnson, ein breit aufgestellter Pharma- und Medizintechnikkonzern mit Geschäft in der Arzneimittelentwicklung, bei Medizinprodukten und in der Diagnostik.
Die Gewichtung dieser drei Werte ergibt sich aus dem Zusammenspiel der genannten Auswahlkriterien: hohe beziehungsweise nachhaltige Dividendenrendite, solides Gewinnwachstum und ein aus Sicht des Managements angemessenes Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wichtig für Anleger ist dabei, dass es dem Fonds erkennbar nicht um die höchste Ausschüttungsrendite an sich geht. Für 2026 werden bei Agnico Eagle Mines 0,83 Prozent, bei TSMC 0,99 Prozent und bei Johnson & Johnson 2,02 Prozent Dividendenrendite erwartet, allesamt Werte, die für sich genommen nicht spektakulär hoch sind. Entscheidender scheint die Qualität und Verlässlichkeit der Ausschüttung zu sein. Besonders deutlich zeigt sich das bei Johnson & Johnson, das seine Dividende seit 64 Jahren in Folge erhöht hat und damit zu den sogenannten Dividendenkönigen zählt, Unternehmen mit einer mindestens fünfzigjährigen ununterbrochenen Historie steigender Ausschüttungen. Auch TSMC zahlt bereits seit über zwei Jahrzehnten regelmäßig Dividende und hat die Ausschüttung in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben, wenngleich das Unternehmen anders als Johnson & Johnson nicht jedes Jahr automatisch erhöht, sondern die Höhe stärker am jeweiligen Geschäftsverlauf ausrichtet.
Länderverteilung: Warum der US-Anteil bewusst niedrig gehalten wird
Bei einem weltweit anlegenden Aktienfonds liegt der US-Anteil häufig bei 60 bis 70 Prozent, orientiert am Gewicht der USA in globalen Indizes. Beim DWS Top Dividende fällt der US-Anteil mit 31,1 Prozent deutlich niedriger aus. Wer gezielt nach Unternehmen mit überdurchschnittlicher und nachhaltiger Dividendenrendite sucht, landet zwangsläufig häufiger bei europäischen und kanadischen Werten, da viele US-Wachstumsunternehmen, allen voran aus dem Technologiesektor, traditionell wenig oder gar nicht ausschütten. Mit 9,6 Prozent ist Kanada zweitgrößte Länderposition, gefolgt von Großbritannien mit 9,4 Prozent, Frankreich mit 7,6 Prozent und Deutschland mit 5,8 Prozent.
Für Anleger, die bereits US-lastige Fondspositionen im Depot haben, kann genau dieser niedrigere US-Anteil einen echten Diversifikationseffekt bieten. Der Fonds bewegt sich damit strukturell unabhängiger von der Entwicklung des US-Marktes als die meisten global ausgerichteten Aktienfonds, was in Phasen einer Schwäche des US-Marktes ein Vorteil sein kann, in Phasen einer US-Rally aber auch bedeutet, dass der Fonds nicht im gleichen Maß mitzieht.
Branchenverteilung: Finanzwerte und Gesundheitswesen vor Technologie
Auch bei den Branchen zeigt sich die Dividendenlogik des Fonds deutlich. Mit 17,0 Prozent ist der Finanzsektor am stärksten gewichtet, gefolgt vom Gesundheitswesen mit 12,3 Prozent, Energie mit 11,2 Prozent und Grundstoffen mit 10,6 Prozent. Alle vier Branchen zählen traditionell zu den verlässlicheren Dividendenzahlern: Banken und Versicherer durch ihre Kapitalausschüttungspolitik, Pharmakonzerne wie Johnson & Johnson durch oft jahrzehntelange Ausschüttungshistorien und Energie- sowie Rohstoffunternehmen durch ihre in guten Jahren hohen Cashflows.
Der Informationstechnologiesektor bringt es dagegen nur auf 6,5 Prozent, deutlich weniger als in vielen marktbreiten Weltaktienindizes, in denen Technologie regelmäßig der größte Einzelsektor ist. In Kombination mit dem niedrigeren US-Anteil ergibt sich daraus für Anleger eine interessante Depotbeimischung, die dem gerade in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Übergewicht US-amerikanischer Technologiewerte in vielen anderen Fonds und ETFs strukturell entgegenwirken kann.
Investitionsgrad und Währungen einordnen
Der Fonds ist aktuell zu 85,3 Prozent in Aktien investiert, ergänzt um 7,4 Prozent Anleihen und 6,8 Prozent Rohstoffe, während 0,5 Prozent als Barreserve oder Sonstiges gehalten werden. Ein Investitionsgrad von gut 85 Prozent bedeutet, dass das Management sich einen gewissen taktischen Spielraum bewahrt, ohne den Charakter eines Aktienfonds zu verlieren, der Großteil des Kapitals bleibt also stets am Aktienmarkt investiert und damit dessen Schwankungen ausgesetzt.
Bei der Währungsverteilung dominiert der US-Dollar mit 43,9 Prozent vor dem Euro mit 30,7 Prozent und dem britischen Pfund mit 6,5 Prozent. Für Euro-Anleger ist das relevant, weil der hohe Fremdwährungsanteil von zusammengenommen deutlich über 60 Prozent bedeutet, dass Wechselkursschwankungen die Rendite in Euro spürbar beeinflussen können, unabhängig von der eigentlichen Kursentwicklung der gehaltenen Aktien. Wertet der Euro gegenüber Dollar und Pfund auf, kann das die in Euro ausgewiesene Rendite schmälern, bei einer Euro-Abwertung wirkt der Effekt in die andere Richtung.
Kosten, Risikokennzahlen und wer zum Fonds passt
Beim Einstieg fällt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5,00 Prozent an, die laufenden Kosten liegen bei 1,45 Prozent pro Jahr, hinzu kommen laut den gesetzlichen Basisinformationen geschätzte Transaktionskosten von 0,10 Prozent. Eine erfolgsabhängige Vergütung wird dagegen nicht erhoben. Damit bewegt sich der Fonds im für aktiv gemanagte Aktienfonds mit Vertriebsprovision üblichen Rahmen, spürbar teurer als passive ETFs, aber auch mit dem Anspruch, durch die aktive Titelauswahl einen eigenständigen Mehrwert zu liefern.
Bei den Risikokennzahlen der vergangenen drei Jahre zeigt sich ein vergleichsweise ruhiges Bild: Die Volatilität liegt bei 9,2 Prozent, ein für einen weltweiten Aktienfonds eher niedriger Wert, der auf die defensivere Branchen- und Länderausrichtung zurückzuführen ist. Der maximale Wertverlust in diesem Zeitraum, betrug moderate minus 4,6 Prozent. Die Sharpe Ratio von 1,23 deutet hierbei darauf hin, dass der Fonds im Verhältnis zum eingegangenen Risiko eine attraktive Rendite erzielt hat, wobei auch dieser Wert eine rückblickende Kennzahl bleibt und keine Garantie für die Zukunft darstellt. Der offizielle Risikoindikator stuft den Fonds auf einer Skala von 1 bis 7 in die Klasse 3 ein, was einem mittelniedrigen Risiko entspricht.
Insgesamt eignet sich der DWS Top Dividende für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, die einen international, aber bewusst nicht US-lastig aufgestellten Aktienfonds mit Fokus auf Dividendenqualität suchen und dafür eine im Vergleich zum breiten Weltmarkt etwas andere Branchen- und Länderstruktur akzeptieren. Wer bereits stark technologie- und USA-lastig investiert ist, kann mit diesem Fonds eine sinnvolle Ergänzung im Depot finden.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-Fonds unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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