Hochzeit: Warum man für Hochzeiten irrational viel Geld ausgibt

Kaum ein Ereignis ist so emotional aufgeladen wie eine Hochzeit. Doch hinter dem schönsten Tag des Lebens steckt oft ein enormes finanzielles Risiko und das ganz ohne äußeren Zwang.
Emotion schlägt Vernunft
Der Moment, in dem sich zwei Menschen das Ja-Wort geben, hat etwas Erhabenes. Es ist ein Versprechen, getragen von Emotion, symbolisch aufgeladen, traditionell gerahmt. Kein Wunder, dass die Feier drumherum besonders werden soll. Und doch geraten viele Paare dabei in eine finanzielle Schieflage. Manches wird auf Kredit bezahlt, manches über Jahre abgetragen. Was auf den ersten Blick nach reiner Romantik aussieht, ist bei genauerem Hinsehen oft auch das Ergebnis sozialer Mechanismen und marktwirtschaftlicher Kalkulation.
Je teurer die Hochzeit, desto größer das Risiko
Eine Studie von Wirtschaftsprofessoren der Emory University zeigte, dass gerade teure Hochzeiten mit einem höheren Trennungsrisiko einhergehen. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass Ausgaben von mehr als 20.000 US-Dollar das Scheidungsrisiko signifikant erhöhen. Als eine mögliche Ursache nannten sie den Druck, der durch hohe Anfangsinvestitionen auf eine Beziehung wirkt. Wer mit Schulden in die Ehe startet, trägt eine zusätzliche Belastung mit, noch bevor der Alltag überhaupt begonnen hat, so Psychology Today.
Mehr Hochzeitsgäste - mehr Stabilität?
Forscher der University of Virginia fanden im Rahmen des National Marriage Project dennoch heraus, dass - entgegen der Vermutung - eine kleinere, intimere Feier der Beziehung zuträglicher sei. Je mehr Menschen bei der Hochzeit anwesend waren, desto geringer war im Durchschnitt das spätere Scheidungsrisiko. Möglich erscheint, dass größere Feiern mit stärkeren sozialen Netzwerken einhergehen. Wer eine große Anzahl enger Bezugspersonen mobilisieren kann, ist möglicherweise besser eingebunden und erfährt langfristig mehr Rückhalt. Gleichzeitig könnte aber auch ein gewisser äußerer Erwartungsdruck eine Rolle spielen, etwa der Gedanke, eine öffentlich gefeierte Ehe nicht so schnell aufzugeben, wie Psychology Today berichtet.
Der psychologische Kurzschluss
Die Bereitschaft zu hohen Ausgaben ist selten das Resultat nüchterner Überlegung. Viele greifen in dieser Situation tief in die Tasche, ohne das als übertrieben zu empfinden. Das liegt auch daran, dass das sogenannte Schmerzempfinden beim Bezahlen - der "Pain of Paying" - bei Hochzeiten nahezu ausgeschaltet ist. Was sonst beim Anblick einer hohen Rechnung für Unbehagen sorgt, wird in diesem Fall durch Emotionen überdeckt. Wikipedia beschreibt diesen Effekt als eine psychologische Schutzfunktion, die gerade bei großen Ereignissen kaum greift. Kreditkartenzahlungen verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Wenn die Hochzeit zur öffentlichen Inszenierung wird
Hochzeiten sind keine rein privaten Rituale mehr. Sie finden in einem sozialen Kontext statt, der stark von Außenwahrnehmung geprägt ist. Familie, Freundeskreis, Kollegium und Soziale Netzwerke liefern gemeinsam ein Bild davon, wie so ein Tag auszusehen hat. Es entsteht ein leiser, aber wirksamer Erwartungsdruck. Der Wunsch, mithalten zu können, schwingt mit, selbst wenn er nicht ausgesprochen wird. Der Blog von BankBazaar beschreibt diesen Mechanismus als kollektiven Wettbewerb, der längst über den engeren Bekanntenkreis hinausreicht.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
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