Lufthansa-Aktie im Minus: Analysten uneins nach gekappter Gewinnprognose
Nach schwachen Quartalszahlen und einer gekappten Jahresprognose bleibt die Lufthansa-Aktie unter Druck, während sich die Analystenlager deutlich unterscheiden.
Werte in diesem Artikel
- Kerosinkosten und Streikfolgen drücken auf das operative Ergebnis
- Pilotengewerkschaft und Lufthansa einigen sich auf Schlichtung
- Analystenbank sieht deutlich mehr Potenzial als der übrige Analystenkonsens
Die Lufthansa-Aktie hat am Dienstag im XETRA-Handel weiter nachgegeben und damit die Kursschwäche seit der Vorlage der Quartalszahlen fortgesetzt. Belastet wird der Kurs von einer deutlich gesenkten Gewinnprognose für 2026, während sich der Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft zumindest vorerst beruhigt hat. Unter den Analysten zeichnet sich weiterhin ein gespaltenes Bild ab.
Schwache Zahlen und gekappte Prognose belasten
Die Lufthansa hatte Anfang August im Rahmen ihrer Finanzkonferenz Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die den Kurs stark unter Druck setzten. Das bereinigte operative Ergebnis brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein, obwohl der Umsatz um rund acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zulegte. Unter dem Strich sackte der Konzernüberschuss um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ab, was auch an einem positiven Steuereffekt im Vorjahr lag. Als Reaktion strich der Konzern seine Gewinnprognose für 2026: Statt eines im Mai in Aussicht gestellten Werts deutlich über dem Vorjahresniveau von 1,96 Milliarden Euro rechnet Lufthansa nun mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro.
Als Gründe nannte der Konzern vor allem die Mehrausgaben für Kerosin infolge von geopolitischen Unsicherheiten, die im zweiten Quartal rund 750 Millionen Euro betrugen, sowie Streiks der Spartengewerkschaften rund um den 100-Jahr-Festakt im April, die zusätzlich mit mindestens 150 Millionen Euro zu Buche schlugen. Innerhalb des Konzerns entwickelten sich die Sparten uneinheitlich: Lufthansa Cargo steigerte das bereinigte operative Ergebnis auf 116 Millionen Euro nach 73 Millionen Euro im Vorjahr, die Netzwerk-Airlines kamen nur noch auf 137 Millionen Euro nach zuvor 627 Millionen Euro, und Eurowings rutschte mit 37 Millionen Euro in die Verlustzone.
Lufthansa-Aktie setzt Talfahrt fort
Am Tag der Zahlenvorlage verlor die Lufthansa-Aktie auf XETRA schlussendlich 8,2 Prozent auf 8,48 Euro und markierte damit den tiefsten Stand seit rund zwei Monaten, zugleich das Schlusslicht im MDAX. Sein 52-Wochen-Hoch hatte das Papier am 7. Juli bei 10,29 Euro erreicht, das 52-Wochen-Tief lag bei 6,72 Euro. Im XETRA-Handel am Dienstag gibt die Aktie erneut nach und verliert zeitweise 2,08 Prozent auf 7,89 Euro, während sich auch der breitere MDAX an diesem Handelstag schwächer präsentiert. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 4,14 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückgang 2,18 Prozent (Stand: Schlusskurs vom 17.08.2026).
Beim Tarifkonflikt zeichnete sich zuvor eine Entspannung ab: Am 11. August einigten sich die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Lufthansa auf ein umfassendes Schlichtungsverfahren samt Mediation für die offenen Tariffragen in den Flugbetrieben Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa Cityline und Eurowings. Damit sind vorerst keine weiteren Pilotenstreiks zu erwarten. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder im laufenden Jahr bereits an sieben Tagen zum Streik aufgerufen, auch während des 100-Jahr-Festakts fielen hunderte Flüge aus.
Analysten uneins bei Lufthansa
Unter den Analysten zeigt sich ein gemischtes Bild. Citi-Analyst Conor Dwyer stufte die Aktie am 5. August mit Sell und einem Kursziel von 7,80 Euro ein, Morgan Stanley-Analyst Axel Stasse sah zum gleichen Datum ebenfalls Sell bei einem Kursziel von 6,50 Euro, und Goldman Sachs-Analyst Patrick Creuset votierte für Sell mit einem Kursziel von 7,10 Euro. Deutlich optimistischer zeigte sich UBS-Analyst Jarrod Castle, der die Aktie bereits am 4. August mit Buy und einem Kursziel von 11,00 Euro einstufte, dem höchsten Wert unter den genannten Einschätzungen.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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