Warum der Mobilfunkvorstoß von SpaceX laut BofA keine Gefahr für die T-Mobile-Aktie ist
Für den Aufbau eines eigenen Outdoor-Netzes bräuchte SpaceX laut Crown Castle allein in New York City rund vier Millionen Femtozellen.
Werte in diesem Artikel
- Analysten ordnen SpaceX-Mobilfunkvorstoß neu ein und geben Entwarnung
- T-Mobile-Technikchef erklärt, warum Femtozellen kein Makronetz ersetzen
- Crown Castle sieht eigene Infrastruktur weiter im Vorteil
Der geplante Mobilfunkvorstoß von SpaceX gilt der Bank of America zufolge nicht als Bedrohung für die T-Mobile-Aktie, wie investing.com berichtet. Im Gegenteil: Die Analysten sehen die Starlink-Pläne sogar als positives Signal für T-Mobile, für Turmbetreiber und für den Wert von Mobilfunkspektrum insgesamt.
Die Einschätzung von gestern stützt sich auf Gespräche mit T-Mobile-Technikchef Dr. John Saw sowie mit Führungskräften von Crown Castle. Damit relativiert die Bank of America frühere Befürchtungen, Starlink könnte zu einem ernsthaften Konkurrenten der großen US-Netzbetreiber werden.
Femtozellen statt Makronetz: Warum BofA keine Gefahr sieht
Ihre positive Haltung zur T-Mobile-Aktie und zu Mobilfunktürmen begründet die Bank of America laut investing.com mit den erheblichen technischen und finanziellen Hürden, vor denen ein SpaceX-Mobilfunknetz stünde. So müsste SpaceX seine Spektrum-Bestände deutlich vergrößern, sich über Jahre durch Bau- und Genehmigungsverfahren arbeiten und entweder eigene Funkmasten für die Basisabdeckung aufbauen oder eine Kooperation mit einem etablierten Netzbetreiber eingehen.
Laut BofA stellte T-Mobile-CTO Dr. John Saw klar, dass ein SpaceX-Netz auf Basis kundenseitiger Femtozellen und damit Funkzellen mit minimaler räumlicher Ausdehnung, keine Gefahr für die bestehenden US-Mobilfunkanbieter darstelle. Femtozellen seien schlicht nicht in der Lage, ein landesweites Makronetz, nahtlose Mobilität, Indoor-Abdeckung oder zuverlässige Handoffs auf Autobahnen nachzubilden. Crown Castle rechnete vor, welcher Aufwand für ein Outdoor-Netz nach T-Mobile-Vorbild nötig wäre: allein in New York City rund vier Millionen Femtozellen, landesweit zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Einheiten - bei geschätzten Kosten von jeweils 1.000 US-Dollar.
Crown Castle profitiert von bestehender Turminfrastruktur
Auch Crown Castle teilt laut investing.com die Einschätzung, dass ein Femtozellen-Netz keine unmittelbare Bedrohung darstellt, und verweist dabei auf die eigenen Stärken: vorhandene Standortflächen, Stromversorgung, Glasfaseranbindung, Genehmigungserfahrung und etablierte Leasingprozesse. Diese Infrastruktur erlaube einen deutlich schnelleren Netzausbau als ein Aufbau von Grund auf. Als Beispiel führt das Unternehmen Dish an, das sich trotz begrenzter Kapitaldecke innerhalb von vier Jahren auf 20.000 Standorte ausgeweitet hat und mittlerweile für über 5 Prozent des Crown Castle-Umsatzes steht.
Auch bei Satelliten-Direct-to-Cell-Diensten sieht die Bank of America investing.com zufolge klare technische Grenzen: Das begrenzte Zellularspektrum von SpaceX schränkt die Kapazität ein, und die parallele Nutzung derselben Frequenzen für Satelliten- und terrestrischen Betrieb birgt das Risiko von Interferenzen und Kapazitätskompromissen. Satelliten-Backhaul eigne sich zwar für entlegene Gebiete oder als Rückfalllösung, Kabelpartnerschaften oder Spektrum-Hosting-Vereinbarungen erforderten jedoch eigene Infrastruktur und kooperationsbereite Partner. Satellitenkonnektivität bleibe damit eine sinnvolle Ergänzung - aber kein Ersatz für terrestrische Mobilfunknetze.
Vorgeschichte: Shotwells Ankündigung und Moffetts Skepsis
Die BofA-Einschätzung folgt auf eine Ankündigung von SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell Anfang August, wonach Starlink sich zu einem vollwertigen terrestrischen Mobilfunkanbieter entwickeln solle. Mit einem 19,6 Milliarden US-Dollar schweren Deal mit EchoStar hatte sich SpaceX bereits 65 Megahertz an Mobilfunkspektrum gesichert - ein Schritt, der die Pläne über eine reine Satellitengeschichte hinaus in Richtung eines direkten Vorstoßes ins Kerngeschäft der großen US-Netzbetreiber rückte. Analyst Craig Moffett von MoffettNathanson bezeichnete es damals als äußerst anspruchsvoll, dass Starlink ohne eine Vereinbarung mit einem bestehenden Netzbetreiber innerhalb von fünf Jahren ein wettbewerbsfähiges Mobilfunkangebot für Endkunden auf die Beine stellen könnte.
Die Bank of America räumt zwar ein, dass SpaceX über tiefere finanzielle Ressourcen verfügt und bei einer konsequenten terrestrischen Strategie schneller bauen könnte als andere Anbieter. Um jedoch die Abdeckung, Kapazität, Indoor-Leistung, Zuverlässigkeit und Mobilität etablierter Netzbetreiber wie T-Mobile zu erreichen, brauche es ausreichendes Spektrum, einen umfassenden Makro-Netzausbau, hohe Investitionen und eine über Jahre disziplinierte Umsetzung. Satelliten-Direct-to-Device bleibe damit vor allem eine ergänzende Schicht für die ländliche Abdeckung - kein Ersatz für ein landesweites Netz. Dass eine solche Ergänzung funktioniert, zeigt bereits die bestehende Partnerschaft T-Mobile Starlink: Sie nutzt speziell konfigurierte Satelliten mit Direct-to-Cell-Fähigkeiten und deckt seit dem Start der öffentlichen Beta am 9. Februar 2025 mehr als 500.000 Quadratmeilen ab, die von keinem erdgebundenen Funkmast erreicht werden - mittlerweile auch für Kunden von Verizon und AT&T.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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