SpaceX-Aktie unter Druck? Warum die nächste Milliarden-Tranche zum Test wird
Ein weiterer Baustein im gestaffelten Freigabeplan von SpaceX wird handelbar, während der erste Test dieser Art Anfang August 2026 für Anleger glimpflich ausging.
Werte in diesem Artikel
- Weiterer Baustein im gestaffelten Freigabeplan der SpaceX-Aktie wird handelbar
- Erster Lockup-Test Anfang August löste keinen Ausverkauf aus, sondern eine Rally
- Cursor-Übernahme rückt SpaceX' KI-Geschäft in den Fokus
Am heutigen Donnerstag wurden bis zu 319 Millionen SpaceX-Aktien für den Verkauf durch frühzeitig berechtigte Insider handelbar, der 70. Kalendertag nach dem Börsengang. Auf Basis des Mittwoch-Schlusskurses von 139,65 US-Dollar entspricht das rechnerisch rund 44,5 Milliarden US-Dollar an potenziellem Verkaufsdruck.
Gestaffelter Freigabeplan statt einheitlichem Lockup
SpaceX, das Raumfahrt- und KI-Infrastrukturunternehmen von Elon Musk, hatte beim Börsengang am 12. Juni rund 555,6 Millionen Aktien platziert, weniger als 5 Prozent der ausstehenden Anteile und damit deutlich unter dem für Börsengänge üblichen Anteilsspanne von 10 bis 25 Prozent. Statt eines marktüblichen einheitlichen 180-Tage-Lockups strukturierten Management und Banken einen gestaffelten, neunstufigen Freigabeplan, der die Verkaufsrechte über mehrere Termine verteilt. Nach der Freigabe an diesem Donnerstag folgen laut dem IPO-Prospekt weitere Tranchen von jeweils rund 319 Millionen Aktien am 90., 105., 120. und 135. Tag nach dem Börsengang, wobei sich die Intervalle ab dem 90. Tag auf 15 Kalendertage verkürzen.
Die vollständige 180-Tage-Sperrfrist für die übrigen Bestände endet laut dem IPO-Prospekt erst am 8. Dezember. Der Bestand von Elon Musk, der zum 30. Juni einen Anteil von 48,4 Prozent beziehungsweise 6,42 Milliarden Aktien hielt und mehr als 82 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, bleibt sogar bis Juni 2027 gesperrt.
Erster Test verlief ohne Ausverkauf der SpaceX-Aktie
Bereits am 6. August war die bislang größte Einzeltranche ausgelaufen: Bis zu 911,5 Millionen Aktien wurden handelbar, mehr als die rund 639 Millionen Aktien, die beim Börsengang insgesamt platziert worden waren. Statt eines befürchteten Ausverkaufs legte die SpaceX-Aktie binnen fünf Handelstagen um 35 Prozent zu und gewann rund 500 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung, womit sie wieder über den IPO-Preis von 135 US-Dollar stieg. Ein von Bloomberg zitierter Investor, Andrew Plum von Loxahatchee Capital, habe den Test als Erleichterung gewertet, da damit eine zentrale Unsicherheit aus dem Weg geräumt worden sei.
Die Bewertung ist seit dem Höchststand kurz nach dem Debüt, als die Marktkapitalisierung zeitweise deutlich über 2 Billionen US-Dollar gelegen hatte, zurückgegangen. Die Aktie verzeichnete zudem einen Rückgang von 55 Prozent vom untertägigen Allzeithoch bis zum Tiefpunkt, was laut Reuters im Rahmen des durchschnittlichen Rückgangs vergleichbarer, technologiegetriebener Börsengänge der Jahre 2012 bis 2026 liegt.
KI-Expansion und Quartalszahlen als Gegengewicht
Parallel zur Freigabe-Thematik baut SpaceX sein KI-Geschäft aus. Am 14. August schloss der Konzern die rund 60 Milliarden US-Dollar schwere, vollständig in Aktien bezahlte Übernahme des KI-Coding-Anbieters Cursor (Anysphere) ab, dessen Kaufoption aus einer im April vereinbarten Partnerschaft stammte. Cursor firmiert seither als hundertprozentige Tochter innerhalb der neuen Sparte SpaceXAI. Operativ meldete SpaceX für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 92 Prozent, bei einem Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar und einem bereinigten EBITDA von 3,5 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 191 Prozent.
Von Investitionen in Höhe von 18,4 Milliarden US-Dollar entfielen 15,8 Milliarden US-Dollar auf den Ausbau der KI-Rechenkapazitäten. Das Satellitengeschäft Starlink zählt inzwischen 12 Millionen Abonnenten, der zugehörige Umsatz stieg um 66 Prozent. Alphabet hatte zum 30. Juni eine Beteiligung im Wert von rund 94 Milliarden US-Dollar offengelegt, gewachsen aus einer ursprünglichen Investition von 900 Millionen US-Dollar im Jahr 2015, und gilt damit als größter institutioneller SpaceX-Aktionär.
Die DZ Bank hat die Bewertung von SpaceX beim fairen Wert von 100 US-Dollar mit "Verkaufen" aufgenommen. Markus Leistner schrieb am Donnerstag von "Absturzgefahr im Bewertungs-Orbit". Der Weltraum- und KI-Konzern zähle zu den spannendsten Kapitalmarktgeschichten der kommenden Jahre. Die Umsetzung der Zukunftsthemen erfordere aber einen enormen Kapitalbedarf. Das von Konzernchef Elon Musk prognostizierte Marktpotenzial sei mit mehr als 28 Billionen US-Dollar unglaublich hoch. Er erachtet diese Zahl als viel zu optimistisch.
Arete Research hob das Kursziel Anfang August auf 450 US-Dollar an und Argus Research die Einstufung von Hold auf Buy mit einem Kursziel von 160 US-Dollar änderte. Piper Sandler senkte das Kursziel in einem ähnlichen Zeitraum dagegen auf 140 US-Dollar.
Wie sich der gestaffelte Fahrplan auf die Handelsliquidität der SpaceX-Aktie in den kommenden Monaten auswirkt, dürfte sich erst mit den weiteren Freigabeterminen zeigen. Am Donnerstag schloss der Titel an der NASDAQ 4,05 Prozent im Minus bei 134,00 US-Dollar.
Bettina Schneider, Julia Walter, Evelyn Schmal, Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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Bildquellen: SpaceX
