Erster Cash-Burn bei Alphabet setzt Big Tech-Aktien unter Druck: Was das für Microsoft, Meta und Amazon bedeutet
Erstmals seit dem Börsengang gab Google-Mutter Alphabet mehr Geld aus, als eingenommen wurde. Auch Meta, Amazon und Microsoft geraten dadurch vor ihrer Bilanzvorlage in den Blick.
Werte in diesem Artikel
- Google-Mutterkonzern Alphabet meldete erstmals einen negativen Cashflow im Quartal
- Die Investitionsausgaben verdoppeln sich, die Jahresprognose steigt kräftig
- Auch andere Tech-Giganten dürften mit sinkenden Barmitteln kämpfen
Alphabet verbuchte im zweiten Quartal 2026 zum ersten Mal seit dem Börsengang 2004 einen negativen freien Cashflow, und die Alphabet-Aktie fiel am Donnerstag im NASDAQ-Handel daraufhin um 6,89 Prozent auf 318,34 US-Dollar. Der Umsatz wuchs zwar um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, Google Cloud legte sogar um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar zu. Doch die Investitionsausgaben von 44,9 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, überstiegen den operativen Cashflow von 39,1 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis: minus 5,9 Milliarden US-Dollar freier Cashflow, verglichen mit plus 10,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Das kam bei den Anlegern nicht gut an.
Warum der Cashflow von Alphabet ins Minus rutscht
Der Grund liegt im Tempo des KI-Ausbaus. Alphabet hob seine Investitionsprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an, nach 78,6 Milliarden US-Dollar Investitionen in der ersten Jahreshälfte. Für das zweite Halbjahr sind demnach rund 126 Milliarden US-Dollar eingeplant, größtenteils für Server und selbst entwickelte Tensor Processing Units. Auf der Telefonkonferenz kündigte Finanzchefin Anat Ashkenazi zudem an, dass die Ausgaben 2027 nochmals deutlich steigen sollen. Ein Cloud-Auftragsbestand von 514 Milliarden US-Dollar, von dem rund die Hälfte binnen 24 Monaten in Umsatz fließen soll, liefert zwar Rückendeckung für die Strategie, ändert aber nichts an der kurzfristigen Cashflow-Belastung.
Big Tech-Aktien unter Druck: Wie Meta, Amazon und Microsoft im Vergleich dastehen
Der auf die Bilanz der Google-Mutter folgende Kursrutsch im Donnerstagshandel blieb jedoch nicht auf Alphabet beschränkt, denn die Zahlen sorgten an der Börse für neue Diskussionen über die enormen Kosten des weltweiten KI-Wettrüstens. Anleger befürchten nun, dass auch die übrigen US-Technologiekonzerne ihre Investitionspläne weiter ausweiten werden, wenn sie in den kommenden Tagen ihre Geschäftszahlen präsentieren. Meta beendete den Handelstag an der NASDAQ mit einem Minus von 3,36 Prozent bei 606,10 US-Dollar, Microsoft gab um 2,24 Prozent auf 381,58 US-Dollar nach und auch Amazon schloss mit einem Verlust von 4,57 Prozent bei 233,66 US-Dollar, allerdings vor allem wegen einer eigenen Nachrichtenlage rund um regulatorische Fragen und nicht ausschließlich wegen Alphabets Zahlen. Nachbörslich erholten sich die Aktien aller vier Tech-Giganten leicht.
Während Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta lange Zeit für hohe Gewinnmargen und enorme freie Cashflows standen, verschlingt der Aufbau leistungsfähiger KI-Infrastruktur inzwischen einen erheblichen Teil der finanziellen Mittel. Branchenexperten rechnen laut Reuters damit, dass die gesamten KI-Investitionen der großen US-Technologiekonzerne in diesem Jahr auf mehr als 700 Milliarden US-Dollar steigen könnten.
Vor allem die Entwicklung des freien Cashflows rückt deshalb stärker in den Fokus der Kapitalmärkte. Investoren fragen sich zunehmend, ob die zusätzlichen Erlöse aus Künstlicher Intelligenz schnell genug wachsen, um die stetig steigenden Investitionen, Abschreibungen und Betriebskosten zu rechtfertigen.
Alphabet-Zahlen erhöhen Druck auf die Konkurrenz
Mit den in der kommenden Woche anstehenden Quartalsberichten von Meta, Amazon und Microsoft dürfte die Aufmerksamkeit nun vor allem den jeweiligen Investitionsplänen gelten. Marktbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass auch diese Unternehmen ihre Ausgaben für KI-Rechenzentren und Chips weiter erhöhen werden. Analysten rechnen laut Reuters damit, dass auch Amazon im kommenden Jahr einen negativen freien Cashflow ausweisen könnte. Bei Meta dürfte der freie Cashflow deutlich schrumpfen. Bei Microsoft bleibt er zwar voraussichtlich klar positiv, allerdings erwarten Experten einen spürbaren Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
Ein weiterer wichtiger Indikator ist das Verhältnis der Investitionen zum Umsatz. Bei allen vier Technologiekonzernen dürfte diese Kennzahl im laufenden Geschäftsjahr deutlich steigen. Das zeigt, dass ein immer größerer Teil der Erlöse unmittelbar wieder in den Ausbau der KI-Infrastruktur fließt. "Anleger werden sich zunehmend darauf konzentrieren, welcher Anteil dieser Barmittel reinvestiert werden muss, um schlichtweg wettbewerbsfähig zu bleiben - und ob die Umsätze aus dem KI-Geschäft schneller wachsen können als die Investitionsausgaben, Abschreibungen und Betriebskosten", kommentierte Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin bei Saxo Markets, laut Reuters.
Die zentrale Frage für Investoren bleibt somit: Wann zahlen sich die gewaltigen Investitionen tatsächlich aus? Sollten auch Meta, Amazon und Microsoft ihre Investitionsbudgets erneut erhöhen, dürfte sich der Fokus der Börse noch stärker auf den Zusammenhang zwischen KI-Umsätzen und Kapitalaufwand richten. Entscheidend wird sein, ob die steigenden Erlöse das Tempo der Investitionen langfristig übertreffen können.
Der nächste belastbare Datenpunkt folgt bereits kommende Woche: Microsoft und Meta legen ihre Zahlen am 29. Juli vor, Amazon folgt am 30. Juli. Erst dann zeigt sich, ob auch diese Konzerne ihre Investitionsprognosen anheben und damit die Cashflow-Debatte auf die gesamte Branche ausweiten.
Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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