Suze Orman: Warum falsches Timing beim Börsengang der SpaceX-Aktie die Rendite kostete
Suze Orman rechnet vor, wie eine Investition von 10.000 US-Dollar zum Handelsstart von SpaceX in wenigen Wochen deutlich schrumpfte.
Werte in diesem Artikel
- Suze Orman warnt vor überhastetem Einstieg nach frischen Börsengängen
- Analysten bleiben trotz Kursrutsch mehrheitlich optimistisch für SpaceX
- Lock-up-Fristen könnten den Verkaufsdruck auf die Aktie weiter erhöhen
Die SpaceX-Aktie steht im Fokus, nachdem die US-amerikanische Autorin und Podcast-Moderatorin Suze Orman den Kursverlauf seit dem Börsengang als Lehrstück für Anleger präsentiert hat. Nicht das Geschäftsmodell, sondern der Einstiegszeitpunkt habe über Gewinn und Verlust entschieden, erklärte sie in ihrem Podcast "Women & Money". An der NASDAQ legte die Space-Aktie am Donnerstag um rund 0,4 Prozent auf 148,18 US-Dollar zu, im Haupthandel am Freitag gewinnt sie dann weitere 1,45 Prozent auf 150,33 US-Dollar. Seit dem Börsengang liegt das Papier rund 6,8 Prozent im Minus.
SpaceX-Aktie: Warum der Einstiegskurs den Unterschied machte
Suze Orman, Moderatorin des Podcasts "Women & Money", ging in ihrer Episode vom 2. August die Zahlen zum Börsengang von SpaceX, dem Raumfahrt- und Satelliteninternet-Unternehmen von Elon Musk, durch. Ihre Schlussfolgerung: Nicht das Geschäftsmodell, sondern der Zeitpunkt des Einstiegs habe über Gewinn und Verlust entschieden. Wer 10.000 US-Dollar zum Tageshoch am ersten Handelstag investiert habe, habe innerhalb weniger Wochen nur noch rund 6.100 US-Dollar in der Position gehabt, obwohl das operative Geschäft nicht ins Stocken geraten sei, wie TheStreet berichtete.
Orman leitete daraus eine konkrete Empfehlung ab: Anleger sollten vor jeder Kapitalbindung in ein frisch börsennotiertes Unternehmen mindestens zwei volle Berichtszyklen abwarten.
Vom Rekord-Debüt zum Kursrutsch
SpaceX hatte den Börsengang am 11. Juni bei einem Angebotspreis von 135 US-Dollar je Aktie bepreist und insgesamt 638.888.888 Class-A-Aktien platziert, was Nettoerlöse von rund 85,7 Milliarden US-Dollar einbrachte. Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie bei 150 US-Dollar und schloss bei 160,95 US-Dollar, ein Plus von rund 19 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.
Danach kippte die Stimmung: Für einige Zeit notierte die Aktie unter ihrem Ausgabepreis. Innerhalb von ca. sieben Wochen fiel der Kurs auf etwa 108 US-Dollar, ein Rückgang von rund 39 Prozent gegenüber dem Tageshoch vom ersten Handelstag. Zusätzlichen Druck brachte der Ablauf einer Lock-up-Frist am 6. August, als rund 911,5 Millionen von Insidern gehaltene Aktien für den Handel freigegeben wurden. Laut The Motley Fool soll der Streubesitz bis Anfang Dezember 2026 von 1,8 auf 5,2 Milliarden Aktien wachsen.
Fundamentaldaten treiben das Wachstum
Operativ zeigte SpaceX im zweiten Quartal 2026 deutliches Wachstum: Der Umsatz kletterte auf 7,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während sich der Nettoverlust auf 541 Millionen US-Dollar verringerte. Das bereinigte EBITDA legte um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden US-Dollar zu, gestützt auch durch die Starlink-Sparte, die zum Quartalsende auf 12,0 Millionen Abonnenten kam, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 verfügte das Unternehmen über 100 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und einen Auftragsbestand von 47,5 Milliarden US-Dollar.
Analystenbild und Risikofaktoren
Analysten bewerten die Aktie trotz des Rutsches mehrheitlich positiv. Der aktuelle Konsens aus 35 Häusern kommt laut TipRanks auf ein moderates Kaufvotum mit einem mittleren Kursziel von 227,66 US-Dollar bei einer Spanne von 75 bis 800 US-Dollar. Wells Fargo bestätigte am Dienstag sein Buy-Rating, senkte das Kursziel aber leicht von 215 auf 212 US-Dollar, während Pivotal Research am selben Tag mit einem Kursziel von 220 US-Dollar erstmals eine Einstufung vergab. Kritischer bleibt die DZ Bank, die die Aktie bereits am 20. August auf Sell herabstufte. Zum Handelsstart am 12. Juni hatten Morningstar und CFRA Research die Bewertung deutlich skeptischer eingeschätzt.
Risikofaktor bleibt der hohe Kapitalbedarf: Im ersten Halbjahr 2026 verbrannte SpaceX nach Daten von The Motley Fool 25 Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow, ein Tempo, das die Barmittel binnen zwei Jahren aufzehren könnte, noch bevor steigende Investitionsausgaben eingerechnet sind. Zur Refinanzierung hatte das Unternehmen bereits am 26. Juni eine erste Investment-Grade-Anleihe über 25 Milliarden US-Dollar platziert.
Der nächste Fixpunkt für Anleger ist der kommende Quartalsbericht, der laut vorläufigem Kalender für Anfang November angesetzt ist. Er dürfte zeigen, ob sich das Umsatzwachstum bei Starlink und im KI-Geschäft fortsetzt und wie sich der Cash-Burn entwickelt, nachdem Orman ihre Warnung vor überhastetem Einstieg in frische Börsengänge ausgesprochen hat.
Julia Walter, Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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